• Alzheimer-Demenz: Differenzialdiagnose

    Später geborene Personen weisen ein geringeres Risiko für eine Demenz auf als früher geborene.

     

Demenz – Prävalenz doch geringer als vorhergesagt

Aufgrund des wachsenden Anteils älterer Menschen an der Bevölkerung, geht man bisher davon aus, dass auch die Zahl an Demenzerkranungen zunehmen wird. Um diesen Patienten eine adäquate Versorgung zu bieten, müssen entsprechende Ressourcen bereitgestellt werden. Die Wissenschaftler um F. E. Matthews et al. haben daher neue Daten zur Entwicklung der Patientenzahlen vorgelegt.

Lancet 2013; 382: 1405–1412

 

Die aktuelle Prävalenz von Demenzerkrankungen in Großbritannien scheint niedriger zu sein als nach Hochrechnungen bislang gedacht. Zu diesem eher überraschenden Ergebnis kommen die Wissenschaftler von der Cambridge Universität. Sie haben die Daten der beiden Cognitive Function and Aging Studies (CFAS I und II) des britischen Medical Research Council ausgewertet. In CFAS I wurden zwischen Dezember 1990 und Juli 1993 in 3 britischen Regionen Personen ab dem 65. Lebensjahr in einem Ausgangsgespräch zu soziodemographischen Faktoren, Lebensstil, Alltagsaktivitäten, Gesundheitsversorgung und Medikamenteneinnahme befragt. Eine Stichprobe von rund 20 % dieser Befragten, über das gesamte kognitive Spektrum verteilt, wurde dann zu einer ausführlichen Untersuchung eingeladen, bei der mithilfe der Geriatric Mental State Examination Demenzen und andere neuropsychiatrische Syndrome beurteilt wurden. Daraus wurde die Prävalenz von Demenzerkrankungen ermittelt, Zahlen für Großbritannien hochgerechnet und die zukünftige Entwicklung abgeschätzt.

 

Zahlen entsprechen nicht den Erwartungen

In CFAS II wurde zwischen November 2008 und Oktober 2011 die Befragung und Beurteilung – dieses Mal in einem Schritt – in den gleichen geographischen Gebieten wiederholt und die dabei erhobenen Zahlen mit den Schätzungen von CFAS I verglichen. In CFAS I waren insgesamt 7635 Patienten (bei 9602 ursprünglich angesprochenen Personen eine Rücklaufquote von 80 %) befragt und 1457 untersucht worden.

In CFAS II wurde etwa die gleiche Zahl von Gesprächen geführt (n = 7796), dies entspricht aber in diesem Fall nur einer Quote von 56 % der ursprünglich Angesprochenen. Nach CFAS I wäre für das Jahr 2011 eine Prävalenz von 8,3 % (n = 884 000) an Demenzerkrankungen zu erwarten gewesen. CFAS II ergab dagegen nur 670 000 tatsächlich Erkrankte, dies enspricht einer Prävalenz von 6,5 %. Dieser Unterschied zu den geschätzten Zahlen blieb auch nach Adjustierung für Geschlecht, Altersgruppe (65–74 und ≥ 74 Jahre) und sozioökonomischen Status erhalten.

 

Fazit

Bei der Entwicklung der Prävalenz von Demenzerkrankungen scheint es einen Kohorteneffekt zu geben – später geborene Personen weisen ein geringeres Risiko für eine Demenz auf als früher geborene. Über die Ursachen kann derzeit nur spekuliert werden. Möglicher Faktor könnte z. B. die bessere Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein, die zu einem Rückgang vaskulärer Demenzen geführt haben könnte, so die Autoren. Weitere Studien müssen diese Faktoren genauer identifizieren und daraus Präventionsmaßnahmen ableiten.

Dr. Elke Ruchalla, Trossingen

 

Aus der Zeitschrift Fortschritte der Neurologie Psychiatrie 2014; 82(03): 125