• Dystrophie_D

     

Diagnostik und Therapie der Muskeldystrophien

Die Muskeldystrophien stellen eine sehr variable Gruppe genetischer Muskelerkrankungen dar. Die häufigste Unterform Duchenne-Muskeldystrophie beginnt bereits im frühen Kindesalter und interessiert zunächst vor allem Kinderärzte und Kinderneurologen. Das heute jahrzehntelange Überleben führt diese Patienten aber zunehmend in die Betreuung der Erwachsenenmedizin. Seltener sind die Typen mit Manifestation im Jugend- und Erwachsenenalter, die primär vom Neurologen zu erkennen und zu betreuen sind.

Einleitung

In diesem Beitrag werden die Fortschritte der Genetik, der rehabilitativen Betreuung und der Therapieforschung der Muskeldystrophien in aktueller Form dargestellt.

Als Muskeldystrophien (MD) wird eine Gruppe hereditärer, primärer Erkrankungen der Muskulatur bezeichnet, die histologisch durch typische Veränderungen mit Untergang von Muskelfasern, zelluläre Abräumprozesse, teilweise Regeneration, dann aber zunehmende Bindegewebevermehrung und Verfettung gekennzeichnet sind. Klinische Klassifikationskriterien innerhalb der Gruppe sind in der folgenden Übersicht zusammengefasst.

Übersicht:
Klinische Klassifikationskriterien der Muskeldystrophien

  • Manifestationsalter (kongenitale MD)
  • Verlauf (progressive MD)
  • Verteilungstyp
    - Gliedergürtel-MD
    - fazio-skapulo-humerale MD
    - humero-peroneale MD
    - distale MD
  • Vorliegen typischer Kontrakturen (Emery-Dreifuß-MD, Bethlem-MD) oder anderer Stigmata
  • Erbgang

Durch den X-chromosomalen Erbgang und den Beginn im frühen Kindesalter konnten schon im 19. Jahrhundert die Duchenne-Muskeldystrophie (DMD) und in der Mitte des 20. Jahrhunderts die später beginnende Becker-MD (BMD) von den übrigen, meist autosomal-rezessiv, selten dominant erblichen übrigen Gliedergürtel-MD abgegrenzt werden.

Im Jahr 1985 begannen mit der Aufdeckung der genetischen und molekularen Ursache der DMD die Ära und der Siegeszug der molekularen Genetik im Bereich der neuromuskulären Erkrankungen. Es zeigte sich, dass Mutationen im Dystrophin-Gen auf Xp21 nicht nur für DMD, sondern – bei Erhalt des genetischen Leserasters – auch für die milder verlaufende BMD verantwortlich sind; beide werden seither auch als Dystrophinopathien zusammengefasst. Schrittweise gelang in den folgenden Jahrzehnten die genetische Aufklärung einer immer noch zunehmenden Zahl von Entitäten aus der Gruppe der Muskeldystrophien, aber auch anderer neuromuskulärer Syndrome.

Erwartungsgemäß haben diese genetischen Befunde die Klassifikation und die Diagnostik der neuromuskulären Erkrankungen, insbesondere auch der Muskeldystrophien, revolutioniert. Durch die Kenntnis der Gene und Genprodukte wurde aber auch das Verständnis der molekularen Physiologie der Muskeln entscheidend gefördert. Natürliche und durch Gentransfer erzeugte Tiermodelle ermöglichen heute ein direktes Studium der Pathophysiologie der Erkrankungen und die Entwicklung und präklinische Erprobung gen- und pathophysiologieorientierter Therapieansätze.

Parallel hierzu verliefen die Entwicklung der klinischen Biometrie als Basis valider klinischer Studien, das politische und wirtschaftliche Erstarken nationaler und internationaler Interessengruppen Betroffener und ein zunehmendes Interesse der Gesundheitspolitik und pharmazeutischen Industrie auch an seltenen Krankheiten. Koordiniert durch nationale und internationale Netzwerke aller interessierten Gruppen (MD-Net Deutschland, AFM Frankreich, Telethon Italien, MDA USA, TREAT-NMD Allianz Europa und weltweit, und viele andere) führte dies zu einer erheblichen Zunahme präklinischer und klinischer Therapiestudien, von denen die ersten bereits – wenn auch vorerst meist nur mäßig ausgeprägte – Therapieeffekte belegen konnten.

Galten die Muskeldystrophien früher als nicht behandelbares Schicksal, so wuchs seit den 1980er-Jahren unter dem Einfluss der International Classification of Function, Disability and Handicap (ICF) das Interesse an einer Verbesserung von Funktion und Lebensqualität auch bei Menschen mit nicht heilbaren Erkrankungen. Dem begegnete der Bedarf der entstehenden klinischen Studien nach validen Funktions- und Zielkriterien sowie nach vergleichbaren Standards der Grundversorgung zwischen den randomisierten Therapiearmen. In internationaler Zusammenarbeit zahlreicher Autoren und Disziplinen wurden erstmals 2010 „Standards of Care“ für die Duchenne-MD publiziert, die jüngst neu aufgelegt und erweitert wurden.

Bereits die konsequente Anwendung dieser Standards verbesserte nicht nur die Lebensqualität, sondern auch die Lebenserwartung der Patienten entscheidend, sodass die DMD heute nicht mehr nur als pädiatrische Erkrankung mit Versterben in der frühen Adoleszenz zu betrachten ist. Viele Betroffene erreichen jetzt ein Alter von 30 – 40 Jahren und mehr und erfordern damit eine adäquate Versorgung auch im Bereich der Disziplinen für Erwachsene.

Lesen Sie den vollständigen Beitrag hier Diagnostik und Therapie der Muskeldystrophien

Aus der Zeitschrift Neurologie up2date 01/2018

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