• Umgang mit demenzkranken Patienten

    Können Benzodiazepine, die bei Angstzuständen und Schlafstörungen eingesetzt werden, eine Demenz auslösen?

     

Erhöhtes Demenz-Risiko durch Einnahme von Benzodiazepinen?

Ob Benzodiazepine, die bei Angstzuständen und Schlafstörungen eingesetzt werden, eine Demenz auslösen können, untersuchten nun S.B. Gage et al.

BMJ 2012; 345: e231

 

Die 1063 Teilnehmer (durchschnittliches Alter 78,2 Jahre) wurden aus der in Südwestfrankreich durchgeführten prospektiven PAQUID-Kohortenstudie rekrutiert. Zu Beginn der Untersuchung litt kein Teilnehmer an einer Demenz und niemand hatte innerhalb der ersten 3 Studienjahre Benzodiazepin-Präparate eingenommen. Bei den Kontrolluntersuchungen im Abstand von 2-3 Jahren wurde eine Benzodiazepin-Einnahme nach Ablauf der ersten 3 Studienjahre per Fragebogen eruiert. Außerdem wurde jeder Teilnehmer anhand des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-III-R) auf eine Demenz hin untersucht.

Im Nachbeobachtungszeitraum von 15 Jahren entwickelte sich bei 253 Teilnehmern (23,8 %) eine Demenz. Darunter waren 30 von insgesamt 95 (32 %), die Benzodiazepine eingenommen hatten. Die übrigen 223 (von 968, d.h. 23 %) waren nicht mit diesen Medikamenten behandelt worden. Das Demenz-Risiko war – selbst wenn mögliche Einflussfaktoren berücksichtigt wurden – nach Benzodiazepin-Einnahme signifikant erhöht (Hazard Ratio [HR] 1,60;95 %-KI 1,08-2,43). Selbst wenn erst zu einem späteren Zeitpunkt, d.h. frühestens 5 Jahre nach Studienbeginn, erstmals Benzodiazepine eingenommen worden waren, war das Demenz-Risiko erhöht (HR 1,46; 95 %-KI 1,10-1,94). Eine ergänzend durchgeführte Fall-Kontroll-Studie erhärtete diese Ergebnisse: Wer zu irgendeinem Zeitpunkt Benzodiazepine eingenommen hatte, hatte im Vergleich zu Nicht-Behandelten ein etwa 50 % höheres Risiko an Demenz zu erkranken, (Odds Ratio [OR] 1,55; 95 %-KI 1,24-1,95) – unabhängig davon, ob die Medikamenteneinnahme kurze oder längere Zeit zurücklag.

 

Fazit:

Die Einnahme von Benzodiazepinen geht mit einem erhöhten Demenz-Risiko einher. Dieses Ergebnis sollte eine Warnung sein, entsprechende Präparate wahllos und/oder allzu großzügig zu verordnen.

 

Dr. med. B. Weitz, München

Aus der Zeitschrift DMW Dtsch Med Wochenschr 2012; 137, Nr.46