• Feinstaubbelastete Luft schädigt Gehirngefäße

    Bereits niedrige Feinstaubkonzentrationen lösen innerhalb von 12 Stunden ein signifikant erhöhtes Schlaganfallrisiko aus.

     

Feinstaubbelastete Luft schädigt Gehirngefäße

Feinstauf erhöht Risiko für Schlaganfälle

Eine Erhöhung des kardiovaskulären Risikos durch Luftverschmutzung wird allgemein angenommen und ist durch einige Studien untermauert. G.A. Wellenius et al. untersuchten jetzt in einer Fall-Crossover-Studie die Korrelation zwischen der Luftqualität und dem Schlaganfallrisiko in einer US-amerikanischen Region.
Arch Intern Med 2012; 172: 229-234

Die Studienpopulation wurde zwischen 1999 und 2008 von einem Krankenhaus in Boston rekrutiert und umfasste 1705 Patienten mit ischämischem Schlaganfall. Die Teilnehmer wohnten innerhalb eines 40-km-Umkreises einer Luftmessstation, deren Werte der Studie zugrunde liegen. Die Autoren unterscheiden in Anlehnung an die Behörden zwei Luftqualitätsklassen entsprechend der Feinstaubkonzentration: Werte ≤ 15 µg/m3 werden als „gut“ eingestuft (83 % der Studientage) und Werte zwischen 15 und 40 µg/m3 als „moderat“ (16 % der Studientage). Ebenfalls wurde die Korrelation des Schlaganfallrisikos mit den Konzentrationen von Ruß, Stickstoffdioxid (NO2), Kohlenmonoxid (CO), Ozon (O3) und Sulfatanionen (SO42-) berechnet.

Während der Phasen schlechterer Luftqualität zeigte sich ein erhöhtes Schlaganfallrisiko mit einer Odds Ratio (OR) von 1,34 (95 %-Konfidenzintervall [KI] 1,13 - 1,58; p<0,001). Das Maximum der Häufigkeit fiel auf 12-14 Stunden nach Eintreten der Luftverschlechterung. Eine signifikante Korrelation zur Schlaganfallinzidenz ergab sich ebenfalls für Ruß und NO2, jedoch nicht für CO, O3 und SO42-. Diese Zusammenhänge gelten auch für Patienten mit verschiedenen Begleiterkrankungen, wie Diabetes, Hypertonie, Vorhofflimmern, und unabhängig von Alter oder vorangehenden Schlaganfällen (Ausnahme: Subgruppe mit kardioembolischen Schlaganfällen). Die Autoren stellen fest, dass die mit der Schlaganfallhäufigkeit korrelierten Luftschadstoffe vorwiegend durch den Verkehr verursacht werden, und errechnen, dass schon durch eine Reduktion des Feinstaubgehaltes der Luft um 2 µg/m3 6100 von 184.000 Schlaganfällen im Nordosten der USA hätten vermieden werden können (Zahlen aus dem Jahr 2007).

 

Fazit

Bereits niedrige Feinstaubkonzentrationen, die von der Umweltbehörde in den USA als unbedenklich eingestuft werden, lösen innerhalb von etwa 12 Stunden ein signifikant erhöhtes Schlaganfallrisiko aus, so die Autoren.

 

Dr. med. P. Pommer, Oberammergau

Aus der Zeitschrift DMW Dtsch Med Wochenschr 2012; 137, Nr.12