• Funktionelle Bildgebung zur Diagnostik des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls

     

Empfehlungen der DGKN zur Diagnostik des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls

Gemeinsam mit der Vierten Fortschreibung der Richtlinie der Bundesärztekammer zur Feststellung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls („Hirntod“), gültig seit Juli 2015, erfolgte die Aktualisierung der Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung (DGKN) zu den ergänzenden elektrophysiologischen (Elektroenzephalografie, frühe akustisch evozierte Potenziale, somatosensorisch evozierte Potenziale) und neurovaskulären (Dopplersonografie, Duplexsonografie) Untersuchungen.

Neben redaktionellen Anpassungen an die Richtlinie der Bundesärztekammer wurden hier Empfehlungen zum Inhalt des Befundberichtes bei den ergänzenden Untersuchungen und aktuelle Empfehlungen zur Doppler- und Duplexsonografie neu aufgenommen. Diese hier präsentierten Empfehlungen stellen die Indikationen, Limitationen, Voraussetzungen und die Durchführung dieser Zusatzverfahren in der Diagnostik des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls bei Kindern und Erwachsenen dar.

Ein spezielles Verfahren zur Feststellung des Todes ist die Diagnostik des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls, d. h. des endgültigen, nicht behebbaren Ausfalls der Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms bei einer durch kontrollierte Beatmung aufrechterhaltenen Herz-Kreislauf-Funktion.

Die Diagnose des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls (sog. „Hirntoddiagnostik“) stützt sich auf die von der Bundesärztekammer festgelegten Richtlinien. Die Beachtung dieser Richtlinien ist nach § 16 Abs. 1 Ziffer 1 des Transplantationsgesetzes zwingend vorgeschrieben. Wenn die Voraussetzungen zur Hirntoddiagnostik erfüllt sind, muss der Hirnfunktionsausfall klinisch nachgewiesen sein und eine Irreversibilität dieses Zustandes vorliegen. Der Irreversibilitätsnachweis des Hirnfunktionsausfalls ist

  • durch eine weitere klinische Untersuchung nach einer definierten Beobachtungszeit oder
  • durch ergänzende apparative Untersuchungen möglich.
Bei primären infratentoriellen Hirnschädigungen muss zwingend eine ergänzende apparative Untersuchung (Nachweis des isoelektrischen EEGs oder des zerebralen Zirkulationsstillstandes) angewendet werden. Bei reifen Neugeborenen (≥ 37 Schwangerschaftswochen postmenstruell und im Lebensalter von 0–28 Tagen) und bei Kindern ab dem Lebensalter von 29 Tagen bis zum vollendeten 2. Lebensjahr müssen zum Nachweis der Irreversibilität des Hirnfunktionsausfalls 2 klinische Untersuchungen mit besonders vorgegebener Beobachtungszeit und zusätzlich zu jeder klinischen Untersuchung eine ergänzende apparative Untersuchung (Nachweis des isoelektrischen EEGs oder des Erlöschens bzw. des Ausfalls der intrazerebralen Komponenten der frühen akustisch evozierten Potenziale oder des zerebralen Zirkulationsstillstandes) erfolgen.

Die ergänzenden apparativen Untersuchungen werden im Rahmen der Feststellung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls nach der klinischen Untersuchung eingesetzt. Als ergänzende Untersuchungen kommen für den Geltungsbereich der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung (DGKN)

  • elektrophysiologische (Elektroenzephalografie [EEG], frühe akustisch evozierte Potenziale [FAEP] oder somatosensorisch evozierte Potenziale [SEP]) oder
  • neurovaskuläre (Dopplersonografie, Duplexsonografie)
Untersuchungen in Frage. Die hier formulierten Empfehlungen zu den ergänzenden neurophysiologischen Untersuchungen sind eine Fortschreibung der Empfehlungen der DGKN aus dem Jahr 2001, zuletzt aktualisiert im März 2014, in Anbindung an die aktuelle vierte Fortschreibung der Richtlinien der Bundesärztekammer. Neben redaktionellen Anpassungen an die Richtlinien der Bundesärztekammer wurden hier insbesondere Empfehlungen zum Inhalt des Befundberichtes bei den o. a. ergänzenden apparativen Untersuchungen und aktuelle Empfehlungen zur Doppler-/Duplexsonografie aufgenommen.

Für den Einsatz ergänzender neurophysiologischer Untersuchungen gelten teilweise einschränkende Voraussetzungen, ohne deren Beachtung ein Ausfall elektrophysiologischer Potenziale vorgetäuscht werden könnte. Diese entsprechen den Einschränkungen, die nach den Richtlinien der Bundesärztekammer schon für die klinische Hirntoddiagnostik gelten:

  • primäre Unterkühlung,
  • Kreislaufschock,
  • metabolische oder endokrinologische Entgleisungen,
  • Intoxikation und dämpfende Wirkung von Medikamenten.

 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung zur Diagnostik des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls

Aus der Zeitschrift Klinische Neurophysiologie 1/2016

Klinische Neurophysiologie Jetzt abonnieren!

Thieme Newsletter

Quelle

Klinische Neurophysiologie
Klinische Neurophysiologie

Zeitschrift für Funktionsdiagnostik des Nervensystems

EUR [D] 205,00Zur ProduktseiteInkl. gesetzl. MwSt.

Buchtipps

Klinisch-neurologische Untersuchungstechniken
Peter P. UrbanKlinisch-neurologische Untersuchungstechniken

EUR [D] 79,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Farbkodierte Duplexsonografie
Hubert Stiegler, Reinhard Kubale, Hans-Peter WeskottFarbkodierte Duplexsonografie

Interdisziplinärer vaskulärer Ultraschall

EUR [D] 99,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.