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Ablagerung von gadoliniumhaltigen Kontrastmitteln im Gehirn nach mehrfacher Anwendung

Konsequenzen für den Einsatz der MRT bei Diagnosestellung und Verlaufsbeurteilung der Multiplen Sklerose?

Bedingt durch neueste Studienergebnisse im Hinblick auf eine mögliche Akkumulation gadoliniumhaltiger Kontrastmittel (GBCA; gadolinium based contrast agent) im zentralen Nervensystem muss der generelle Einsatz dieser Kontrastmittel im Rahmen einer MRT-Untersuchung erneut kritisch hinterfragt werden. Die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) hat in diesem Zusammenhang Ende Juli eine Sondermeldung herausgegeben, in der sie auf eine mögliche GBCA-Akkumulation bereits nach 4-maliger Anwendung aufmerksam macht (http://www.fda.gov/Drugs/DrugSafety/ucm455386.htm).

Die Diskussion im Hinblick auf abnormale GBCA-Ablagerungen erscheint insbesondere bei Patienten mit Multipler Sklerose (MS) in mehrerlei Hinsicht wichtig. Bei keiner anderen neurologischen Erkrankung spielt die MRT über einen Verlauf von Jahren oder gar Jahrzehnten eine so bedeutsame Rolle. Damit muss davon ausgegangen werden, dass zahlreiche MRT-Untersuchungen und nach derzeitigen Empfehlungen damit verbundene GBCA-Applikationen häufiger als bei jeder anderen neurologischen Erkrankung erfolgen, sodass diese Patienten hinsichtlich potentieller Langzeitnebenwirkungen dem größten Risiko ausgesetzt sind. Bisherige Studienergebnisse deuten daraufhin, dass sich nach einer 4-maligen Verabreichung von GBCA magnetresonanztomografische Veränderungen detektieren lassen, welche auf eine vermehrte GBCA Ablagerung hindeuten. Jüngste Postmortem-Studien bestätigten diese Vermutung mittels direkter Bestimmung des Gadoliniums in verschiedenen Hirnregionen. Diese Veränderungen lassen sich jedoch nicht bei allen Patienten nachweisen. Ferner existieren bislang noch keine Hinweise auf gesundheitliche Risiken.

Neue Beobachtungen zur Ablagerung gadoliniumhaltiger Kontrastmittel

GBCA galten lange Zeit als unbedenklich, da hier Gadolinium, ein toxisches paramagnetisches Schwermetall aus der Elementgruppe der seltenen Erden, nicht frei, sondern als Chelatkomplex vorliegt. Entsprechend der Chelat-Komplex-Struktur wird zwischen linearen und (makro)zyklischen GBCA unterschieden. Seit der Zulassung der ersten GBCA Ende der 80er Jahre wird die Zahl der Patientenuntersuchungen auf mehr als 100 Millionen geschätzt. Schwerwiegende Nebenwirkungen werden in einer Größenordnung von 0,03% angegeben, was das günstige Nebenwirkungsprofil belegt. Mit der Entdeckung der nephrogenen systemischen Fibrose (NFS) wurde erstmalig eine mögliche Gadoliniumablagerung im menschlichen Organismus mit einer seltenen, aber gravierenden Multiorgan-Erkrankung in Verbindung gebracht. Dies gab Anlass zu Anwendungsbeschränkungen bei Niereninsuffizienz, da diese die Ausscheidung der GBCA verzögert und somit eine höhere Gefahr der Akkumulation im Organismus besteht. 2013 wurde in einer zunächst online veröffentlichten Arbeit von Kanda et al. erstmalig der Verdacht auf einen Zusammenhang zwischen häufigen GBCA-Gaben und Signalveränderungen im Nucleus dentatus und Globus pallidus geäußert, der wenig später von einer weiteren Arbeitsgruppe bestätigt wurde. Dabei zeigte sich in den o. g. Hirnarealen eine signifikante positive Korrelation zwischen der kumulativen GBCA-Dosis und dem nativen T1-gewichteten Signal. 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Ablagerung von gadoliniumhaltigen Kontrastmitteln im Gehirn nach mehrfacher Anwendung: Konsequenzen für den Einsatz der MRT bei Diagnosestellung und Verlaufsbeurteilung der Multiplen Sklerose?

Aus der Zeitschrift Aktuelle Neurologie 3/2016

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