• Geschädigte Armnerven durch intensive Smartphone-Nutzung - Neurologie - Thieme Verlag

     

Geschädigte Armnerven durch intensive Smartphone-Nutzung

Eine intensive Nutzung des Smartphones kann die Hand- und Fingernerven massiv belasten und sogar zur Entwicklung eines Karpaltunnel-Syndroms führen. Das zeigt eine beim Kongress der European Academy of Neurology (EAN) in Amsterdam vorgestellte Studie türkischer Wissenschaftler.

Smartphones sind aus unserer Welt nicht mehr wegzudenken. Nutzten 2012 noch 1,06 Milliarden Menschen weltweit die Vorteile der mobilen Kommunikation, hat sich ihre Zahl in den folgenden vier Jahren auf 2,1 Milliarden verdoppelt. Wie US-amerikanische Marktforscher ermittelt haben, surfen, liken und texten wir inzwischen durchschnittlich 145 Minuten pro Tag. Das belastet nicht nur die Augen und die Konzentrationsfähigkeit, sondern stellt auch hohe Anforderungen an die Motorik der Arme und Hände. Immerhin berühren Smartphone-Nutzer ihren Touchscreen im Durchschnitt 2.617 Mal pro Tag, so heißt es in einer Pressemitteilung zum EAN-Kongress. Mehr als 5.000 Mal täglich tippen intensive Smartphone-Nutzer auf den Touchscreen ihrer Mobiltelefone. Auf das Jahr hochgerechnet sind das rund zwei Millionen Fingerkontakte.

Türkische Forscher haben untersucht, ob diese extreme Fingerakrobatik negative Auswirkungen auf die Nerven der Hände und Arme haben kann. „Der Mediannerv ist hauptverantwortlich für die Muskelbewegungen, die wir bei der Benutzung von Smartphones ausführen“, erklären Dr. Faik Ilik von der Universität in Baskent und Dr. Huseyin Buyukgol von der Karatay Universität. „Wir wissen, dass die häufige Wiederholung bestimmter Bewegungen zu einem Karpaltunnel-Syndrom führen kann und wollten herausfinden, ob die Smartphone-Nutzung auch einen solchen Effekt hat“.
Bei der Studie wurden insgesamt 63 Studienteilnehmer auf drei Gruppen verteilt: 22 von ihnen nutzten ein herkömmliches Mobiltelefon ohne Computerfunktionen, die übrigen ein Smartphone, 19 von ihnen mit moderater und 22 mit intensiver Nutzung. Die Probanden wurden dabei gebeten, Schmerzen oder sonstige Probleme auf einer visuellen Skala (VAS) und mit einem speziellen Fragebogen zur Erfassung von Beschwerden der Arme, Schultern und Hände (Quick DASH - Disabilities oft Arm, Shoulder, Hand) zu bewerten. Zusätzlich wurde die Leitfähigkeit der Armnerven mit elektrophysiologischen Messungen ermittelt.

Das auf dem 3. EAN-Kongress präsentierte Studienergebnis werden nicht alle Handynutzer „liken“, heißt es in der Presseerklärung. „Denn es hat sich gezeigt, dass die Nutzung eines klassischen Mobiltelefons nur selten einen negativen Einfluss auf die Sensorik des Mediannervs oder auf die motorische Leitfähigkeit hat“, so Dr. Ilik. „Die intensive Verwendung eines Smartphones aber kann den Mediannerv beeinträchtigen und schädigen“. So stuften Mobiltelefonbenutzer ihre Beschwerden mit einen Q-Dash-Score von durchschnittlich 16,63 ein. Moderate Smartphone-Nutzer lagen etwas darunter, während Hardcore-Nutzer einen Wert von 19,80 erreichten. Zudem lag die motorische Leitfähigkeit bei den Vielsurfern rund zehn Prozent unter dem Wert der moderaten Nutzer.

Um auszuschließen, dass individuelle Faktoren die Ergebnisse verfälschen, verglichen die Studienautoren aber nicht nur die Teilnehmergruppen untereinander, sondern erhoben auch die Unterschiede zwischen der gerätehaltenden und der anderen Hand. Dabei zeigte sich das gleiche Bild: Die Nervenleitfähigkeit der dominanten Hand bei den Vielnutzern lag rund zwölf Prozent unter dem Wert der weniger strapazierten Hand.

Quellen:

  • Pressemitteilung vom 27. Juni 2017 zum 3rd EAN Congress Amsterdam 2017
  • Abstract Ilik, et al.; Effects of smart phone use on the median nerve; A Study on Human and their Tech, 2016

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