• © fotoliiacrender - Fotolia.com

    Bei der Behandlung des progressiven Glioblastoms (pGB) mit Bevacizumab stellt die radiologische Beurteilung der Progression eine große Herausforderung dar.

     

Glioblastom – Gründe für Therapieversagen charakterisiert

Bei der Behandlung des progressiven Glioblastoms (pGB) mit Bevacizumab stellt die radiologische Beurteilung der Progression eine große Herausforderung dar. Das Versagen der Therapie mit Bevacizumab wurde meist hinsichtlich der Lokalisation der Rezidive untersucht. Doch welche Aspekte spielen dabei sonst noch eine Rolle?
Neurology 2014; 82: 1684–1692

Die Wissenschaftler um M. Nowosielski haben bei der Auswertung von radiologischen Befunden hinsichtlich des Zeitverlaufs der Kontrastmittelanreicherung der Herde in der Magnetresonanztomografie (MRT) Hinweise auf unterschiedliche Typen des Therapieversagens, die auch prognostisch relevant zu sein scheinen, gefunden. Retrospektiv hatten sie MRT-Befunde von 83 Patienten mit pGB vor der Behandlung mit Bevacizumab und bei Progress ausgewertet. Dabei untersuchten sie, ob die Art des Progresses nach der Kontrastmittelanreicherung in T1-gewichteten MRT-Sequenzen und die Veränderungen der hyperintensen Signale in der T2-gewichteten MRT prognostisch relevant ist. Als Progressionstypen unterschieden sie

  • rasch anreichernde Herde in der T1-gewichteten MRT (cT1-Flare-up),
  • diffuse hyperintense Signale in der T2-MRT (T2-diffus),
  • eng umschriebene Kontrastmittelaufnahme in der T2-MRT (T2-umschrieben) und
  • primär fehlendes Ansprechen.

Diese Typen setzten sie in Beziehung zum Gesamtüberleben, dem Überleben nach Beginn der Therapie mit Bevacizumab, dem Überleben nach Therapieversagen unter Bevacizumab-Gabe und der Zeit zwischen initialer Diagnose und dem Beginn der Therapie mit Bevacizumab sowie bis zum Progress unter Bevacizumab.

 

Ergebnisse klinisch relevant

Die radiologisch charakterisierten Progressionstypen nach der Therapie mit Bevacizumab zeigten klinisch unterschiedliche Verläufe und eine prognostische Relevanz. So war die Zeit bis zum radiologischen Progress bei T2-diffusem (n = 15) oder cT1-flare-up-Progress (n = 35) länger als bei einem pGB, das primär nicht auf die Therapie ansprach (n = 16), oder bei T2-umschriebenem Progress (n = 17). Der diffuse T2-Progressionstyp zeigte, obwohl solche diffusen Befunde in der T2-MRT in der Literatur als besonders invasiver Typ diskutiert werden, im Vergleich zu allen anderen Progressionstypen ein längeres

  • Gesamtüberleben,
  • Überleben nach Beginn der Therapie mit Bevacizumab,
  • Überleben nach Therapieversagen unter Bevacizumab-Gabe und
  • Überleben seit dem Beginn der Therapie mit Bevacizumab.

Eine Therapie nach Progress unter Bevacizumab schien nur bei Patienten mit einem im T2 begrenzt erscheinenden Progressionstyp klinisch relevant zu sein. Spezifische Prädiktoren für die Entwicklung eines der charakterisierten Progressionstypen konnten die Autoren in der relativ kleinen Stichprobe nicht ausmachen.

 

Fazit

Aufgrund der gefundenen Unterschiede im Verlauf sind die Autoren der Ansicht, dass die charakterisierten Progressionstypen eine unterschiedliche Gliombiologie und verschiedene Resistenzmechanismen repräsentieren, die auch für ein unterschiedliches Ansprechen auf eine weitere Therapie verantwortlich zu sein scheinen.

F. Klein

Aus der Zeitschrift Fortschritte der Neurologie Psychiatrie 1/15

Call to Action Icon
Kostenlos testen Fortschritte der Neurologie Psychiatrie gratis probelesen

Titel zum Thema