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    Diagnose Glioblastom: Derzeit besteht die Standardtherapie aus Radiotherapie und der oralen Gabe eines alkylierenden Zytostatikums.

     

Glioblastom – Verbessert Bevacizumab die Überlebenschancen?

Die Prognose bei Glioblastomen, den häufigsten primären Hirntumoren im Erwachsenenalter, ist trotz Fortschritten in der Therapie noch immer schlecht. In der AVAglio-Studie (Avastin in Glioblastoma) wurde daher untersucht, ob eine Hemmung des Wachstumsfaktors VEGF-A (Vascular Endothelial Growth Factor A), der vom Tumor überexprimiert wird, durch den monoklonalen Antikörper Bevacizumab die Therapieergebnisse verbessern kann.
N Engl J Med 2014; 370: 709–722

 

Die Zugabe des Angiogenesehemmers Bevacizumab zur Radiochemotherapie kann bei Glioblastomen die Gesamtüberlebenszeit nicht verlängern, verbessert aber die progressionsfreie Überlebenszeit und erhält einen guten Leistungsstatus. Zu diesem Ergebniss kommen O. L. Chinot und sein Team, die 921 Patienten in die randomisierte, doppelblinde Phase-III-Studie in 120 Zentren in 23 Ländern aufgenommen haben. Bei den Studienteilnehmern lag ein histologisch (durch Biopsie oder Resektion) gesichertes supratentorielles Glioblastom vor. Der Leistungsstatus nach WHO betrug max. 2. Die Patienten wurden randomisiert einem von 2 Therapiearmen zugeteilt:

  • Bevacizumab i. v. 10 mg / kg alle 2 Wochen (n = 458) oder
  • Placebo (n = 463).

Die sonstige Therapie war in beiden Gruppen entsprechend dem derzeitigen Standard gleich: Ganzhirnbestrahlung mit 2 Gy / Tag für 5 Tage pro Woche, bis zu einer Gesamtdosis von 60 Gy plus tägl. Temozolomid 75 mg / m2 (oral) über 6 Wochen, danach erfolgte ein 28-tägige Therapiepause. Anschließend wurde die Therapie mit Bevacizumab (oder Placebo) nach dem geschilderten Schema wieder aufgenommen, zusätzlich wurde für 5 Tagen 150 mg / m2 Temozolomid (im ersten Zyklus) und 200 mg / m2 in den Folgezyklen verabreicht, insgesamt für 6 Zyklen von jeweils 4 Wochen. Danach folgte schließlich die Monotherapiephase mit der intravenösen Gabe von Bevacizumab 15 mg / kg oder Placebo bis zum Auftreten einer Progression oder schwerer Toxizität. Beurteilt wurden progressionsfreie und Gesamtüberlebenszeiten als primäre Endpunkte, sekundäre Endpunkte umfassten u. a. die Lebensqualität (gemäß EORTC QLQ30+ BN20); exploratorisch wurde auch der Leistungsstatus nach Karnofsky untersucht.

Progressionsfreie Überlebenszeit verbessert
Bei der Auswertung fand sich eine mediane progressionsfreie Überlebenszeit von 10,6 Monaten in der Bevacizumab- und 6,2 Monaten in der Placebogruppe (p < 0,001). Die medianen Gesamtüberlebenszeiten waren mit 16,8 Monaten (Bevacizumab) bzw. 16,7 Monaten (Placebo) vergleichbar. Die Lebensqualität nahm unter Bevacizumab später ab als unter Placebo, ein Karnofsky-Status von 70 %, entsprechend einer funktionellen Unabhängigkeit, blieb länger erhalten (9 vs. 6 Monate unter Placebo).

 

Fazit

Bevacizumab als Zusatz zur Standardtherapie bei Glioblastom verlängert die progressionsfreie, nicht aber die Gesamtüberlebenszeit. Weiterhin seien Patienten damit länger unabhängig von einer Versorgung durch Dritte, so die Autoren.

Elke Ruchalla

Aus: Fortschritte Neurologie Psychiatrie 2014; 82(10): 553

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