• Hirnaneurysma

     

Lassen sich Hirnaneurysmen pharmakologisch stabilisieren?

Inwieweit eine vorbeugende Stabilisierung von Hirnaneurysmen möglich ist, soll die Phase III-Studie PROTECT-U klären. Im Zentrum steht die Frage, ob durch eine konsequente Behandlung der wichtigsten Risikofaktoren dem Wachstum und der Ruptur des Aneurysmas entgegenzuwirken ist.

Bislang gibt es keine Therapieansätze zur Stabilisierung von Aneurysmen, die nicht chirurgisch oder radiologisch behandelt werden müssen. In der PROTECT-U-Studie (Prospective Randomized Open-label Trial to Evaluate risk faCTor management in patients with Unruptured intracranial aneurysms) soll daher nun untersucht werden, ob die vorbeugende Therapie von Risikofaktoren wie einem Bluthochdruck sowie Entzündungsreaktionen in der Gefäßwand das Wachstum des Aneurysmas hemmen und die Rupturhäufigkeit mindern kann. Es handelt sich um eine multizentrische, randomisierte und kontrollierte klinische Studie mit einer Beobachtungsdauer von fünf Jahren. Die Patientenrekrutierung soll ab Sommer 2017 beginnen.

Im Rahmen der Studie wollen Wissenschaftler der Neurochirurgischen Klinik der Universitätsmedizin Mannheim (UMM) bei Patienten mit intrakraniellem Aneurysma vor allem die Auswirkungen einer intensive Blutdrucknormalisierung sowie entzündungshemmender Medikamente mit den Effekten der Standardtherapie, also der alleinigen Blutdrucknormalisierung (Kontrollgruppe) vergleichen.

Die Daten sind relevant, denn in Deutschland leben rund 1,5 Millionen Menschen mit einem Hirnaneurysma. Die Gefäßveränderung bleibt oft lange unentdeckt, die Diagnose basiert nicht selten auf einem Zufallsbefund bei einer kraniellen Bildgebung. Bei einigen dieser Patienten ist das Risiko der Ruptur deutlich niedriger als das Risiko einer prophylaktischen operativen oder radiologischen Behandlung. Da medikamentöse Therapieoptionen, die die Risikofaktoren und damit möglicherweise das Wachstum und die Rupturgefahr reduzieren, bis dato nicht existieren, wird das Aneurysma in derartigen Fällen lediglich beobachtet.

Nehmen die Aneurysmen an Größe zu, steigt das Rupturrisiko und somit zugleich das Risiko für eine Subarachnoidalblutung. Allerdings gibt es immer wieder auch rupturierte Aneurysmen ohne vorheriges Wachstum. Diese Art des hämorrhagischen Schlaganfalls hat nach Angaben der Forscher aber eine besonders schlechte Prognose und betrifft – anders als beim nicht hämorrhagischen Schlaganfall – vor allem Menschen im 4. oder 5. Lebensjahrzehnt. Etwa 40 Prozent der Betroffenen versterben, weitere 30 Prozent bleiben permanent in ihrer körperlichen oder geistigen Leistungsfähigkeit beeinträchtigt.

Verschiedene experimentelle und kleinere klinische Studien haben gezeigt, dass insbesondere Acetylsalicylsäure aufgrund ihrer anti-entzündlichen Eigenschaften die Stabilität von Aneurysmen erhöht. Sie wirkt Entzündungsreaktionen in der Wand von Aneurysmen, dem neben dem Bluthochdruck wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktor für die Ruptur, entgegen. PROTECT-U ist, so die Forscher, die weltweit erste randomisierte klinische Studie, die eine kausale Therapie der Ursachen für das Wachstum und die Ruptur von Aneurysmen anstrebt, indem sie die zugrundeliegenden Risikofaktoren behandelt. Die Studie wird durch Privatdozentin Dr. med. Nima Etminan von der Neurochirurgische Klinik der UMM und Privatdozent Dr. med. Mervyn Vergouwen, Oberarzt der Klinik für Neurologie und Neurochirurgie des Universitätsklinikums Utrecht geleitet. Insgesamt 20 universitäre Gefäßzentren in Deutschland und den Niederlanden beteiligen sich an PROTECT-U.

Quelle: Pressemitteilung der Universitätsmedizin Mannheim

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