• Ist er jetzt wach - oder nicht?

    MR-angiografischer Nachweis einer Spitzenembolie der A. basilaris an der Aufgabelung zu den Aa. cerebri posteriores.

     

„Ist er jetzt wach - oder nicht?“ - Leitsymptom Bewusstseinsstörung

Nicht jeder Kopfschmerz braucht sofort einen Neurologen.

 

„Ich hab nur einen lauten Rums gehört. Dann bin ich hin - und da lag er neben der Badewanne“, erzählt Irmgard P. aufgeregt. Gerade hat sie sich an Notarzt und Rettungsassistenten vorbei ins Untersuchungszimmer gedrängt. Der diensthabende Weiterbildungsassistent Marc schaut sich ihren Ehemann an. So ganz adäquat wirkt Helmut P. nicht. An der rechten Stirn prangt eine Platzwunde. Das könnte ein Hinweis auf ein Schädel-Hirn- Trauma sein. Aber ist die Bewusstlosigkeit nun Ursache oder Folge des Sturzes? Schwester Heike misst die Vitalwerte. Sie notiert: RR 140/80, HF 78/min, SO2 97%, Temperatur 37,1 °C. Parallel erhebt Marc mithilfe der Ehefrau die Anamnese: „Gibt es Vorerkrankungen? Ist Ihr Mann zuckerkrank, hat er ein Herzleiden?“ Der angehende Internist gibt sich Mühe, alle Fragen abzuspulen, die er in seinem ersten Weiterbildungsjahr aufgeschnappt hat. Zudem untersucht er den Patienten sorgfältig: Herz und Lungen klingen unauffällig, auch der restliche internistische Status bietet wenig Greifbares. Elektrolyte und Blutzucker sind normal. Doch so ganz koscher erscheint ihm das nicht. Auch zünftiges Rütteln entlockt dem Patienten nur ein wenig Stöhnen. Jetzt ist neurologische Expertise gefragt. Also ruft er den neurologischen Konsiliararzt an. Am anderen Ende der Leitung meldet sich ausgerechnet Henning, der Weiterbildungsassistent aus der Neurologie. Henning ist zwar fachlich versiert, zumeist aber nicht bester Laune, weil er von seinem Chef regelmäßig zu „Frondiensten“ verpflichtet wird. Derzeit darf er z. B. die ungeliebte Notaufnahme „nebenher“ mitbetreuen. „Hallo, ich habe hier einen 57-jährigen Patienten“, beginnt Marc zaghaft. „Er wurde vom Notarzt gebracht, ist somnolent oder komatös ... öhm ...“ Henning fällt ihm sofort ins Wort. „Ja, ist er nun wach, oder nicht?“ Der Kollege seufzt genervt. „Gut, mir scheint, er ist zumindest stabil. Ich mache jetzt erst noch die Visite fertig. Dann komme ich.“

Solche Szenen spielen sich täglich tausendfach in hiesigen Kliniken ab. Jahr für Jahr finden mehr als 21 Mio. Patienten ihren Weg in die deutschen Notaufnahmen – wo sie sehr heterogene Strukturen vorfinden.

 

Lesen Sie hier über die langfristige Lösung: Neue Strukturen

Aus der Zeitschrift "via medici 04/2013"