• Kipptischuntersuchung - Schritt für Schritt - Neurologie - Georg Thieme Verlag

     

Kipptischuntersuchung - Schritt für Schritt

Die Kipptischuntersuchung (auch Tilt-Test) ist ein Verfahren zur Untersuchung der Funktion des kardiovaskulären autonomen Nervensystems: Über eine Beurteilung der passiven Orthostasereaktion (Anpassung des autonomen Nervensystems an passive Lageänderungen des Patienten) können eine orthostatische Hypotonie (OH), vasovagale Synkopen oder eine chronische orthostatische Intoleranz (COI) einschließlich des posturalen orthostatischen Tachykardiesyndroms (POTS) identifiziert werden.

 

Indikation

  • In Bezug auf die OH kann der Kipptischtest zusammen mit anderen autonomen Funktionstests eine neurogene von einer nicht neurogenen OH unterscheiden helfen, den Ausfall des sympathischen noradrenergen Systems bei autonomen Neuro- und Gangliopathien nachweisen sowie die sympathoneurale Funktion bei neurodegenerativen Erkrankungen evaluieren. Es können sowohl Symptome der OH objektiviert werden als auch Varianten wie die verzögerte OH nachgewiesen werden.
  • Bezüglich der COI kann das POTS diagnostiziert werden, POTS-Symptome mit entsprechenden Blutdruck- und Herzfrequenzveränderungen korreliert werden sowie andere Tachykardieformen abgegrenzt werden.
  • Bei der Abklärung unklarer Synkopen können die neurokardiogene Synkope diagnostiziert sowie deren hämodynamischen Mechanismen (vasodepressorisch, vagal) beschrieben werden. Somit können psychogene Pseudosynkopen als auch epileptische Anfälle von konvulsiven Synkopen differenziert werden.

 

Fakten Anatomie/Physiologie der Orthostasereaktion

Beim Wechsel vom Liegen in die Orthostase versacken etwa 400 – 600 ml Blut in die Venen der Beine und Bauchorgane. Das zentrale Blutvolumen sinkt daher um 400 ml. Dadurch wird der venöse Rückfluss zum Herzen verringert, das Herzminutenvolumen nimmt um etwa ein Fünftel ab. Die dadurch hervorgerufene Stimulation der Barorezeptoren am Aortenbogen und Sinus caroticus induziert eine Gegenregulation über das Kreislaufzentrum im Hirnstamm. Der N. vagus (Parasympathikus) wird dabei gehemmt, der Sympathikus aktiviert: Die ausgelöste Gegenreaktion umfasst eine Steigerung der Inotropie und Chronotropie des Herzens (+ 25%), eine Steigerung des Tonus der Kapazitätsgefäße, eine Vasokonstriktion der Widerstandsgefäße (periphere Arteriolen) und eine Senkung der Durchblutung im Bereich des Abdomens, der Niere und der Extremitäten (Kreislaufzentralisation) mit Erhöhung des totalen peripheren Widerstands (TPR) (+ 40%).

Der Mehrwert der Kipptischuntersuchung liegt in der Beurteilung der hämodynamischen Reaktion auf eine passive orthostatische Beanspruchung, ohne dass es durch einen aktiven Stehvorgang zur Aktivierung der Muskelpumpe im Beinbereich kommt. Durch die dabei erfolgenden Kontraktionen der Beinmuskulatur werden die Beinvenen rhythmisch zusammengepresst und auf diese Weise der venöse Rückstrom zum Herzen gefördert. Damit unterscheiden sich aktive und passive Orthostase signifikant: Bei gesunden Probanden führt aktives Stehen im Vergleich zu passiver Orthostase zu einer nur vorübergehenden, aber stärkeren Senkung des Blutdrucks, einer stärkeren Erhöhung der Herzfrequenz, einer stärkeren Abnahme des totalen peripheren Widerstands (TPR) und einer stärkeren Erhöhung des Herzzeitvolumens in den ersten 30 s.

 

Lesen Sie den vollständigen Beitrag hier: Kipptischuntersuchung – Schritt für Schritt

Aus der Zeitschrift: Neurologie up2date 04/2019

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