• Praxisideen vermarkten

    Deutliche kognitive Defizite sind bei Patienten mit schweren, intensivpflichtigen Erkrankungen recht häufig und persistieren bei einigen Patienten mindestens noch ein Jahr.

     

Kognitive Defizite nach kritischer Krankheit oft lang anhaltend

Nicht selten leiden Patienten nach erfolgreicher intensivpflichtiger Behandlung unter deutlichen kognitiven Einschränkungen, die einem leichten Hirntrauma oder einer beginnenden Alzheimer-Demenz vergleichbar sind. Wie häufig es zu dauerhaften kognitiven Problemen kommt, ist jedoch unklar, weil aussagekräftige große Studien fehlen.

N Engl J Med 2013; 369: 1306–1316

 

Pandharipande et al. untersuchten in einer multizentrischen, prospektiven Kohortenstudie die kognitive Leistung von 821 Patienten mit Lungenversagen oder Schock 3 und 12 Monate nach Entlassung aus der internistischen oder chirurgischen Intensivstation. Berücksichtigt wurden das Auftreten und die Dauer eines Deliriums sowie die Gabe von Sedativa und Analgetika.

 

Von den intensivpflichtig erkrankten Patienten waren zu Beginn 6% kognitiv eingeschränkt. In der Beurteilung mittels standardisierter neurologischer Tests zeigten 3 Monate nach der Therapie 40% der Patienten einen Score von 1,5 SD unter dem Mittelwert der Standardpopulation, was einem mäßig ausgeprägten Hirntrauma gleichkommt. 26% wiesen einen Score von 2 SD unter dem Mittelwert auf, entsprechend einer leichten Alzheimer-Demenz. Diese Defizite traten bei jüngeren und älteren Patienten auf und ließen sich auch nach 12 Monaten noch nachweisen (bei 34% bzw. 24% der Patienten).

 

Ein Delirium entwickelte sich bei 74% aller Patienten während der Intensivtherapie und hielt im Median 4 Tage an. Mit der Dauer des Deliriums korrelierte der Schweregrad des kognitiven Defizits und der exekutiven Dysfunktion nach 3 Monaten (p=0,001 und p=0,004) und nach 12 Monaten (p=0,04 und p=0,007). Die Gabe von Sedativa oder Analgetika zeigte keinen Zusammenhang mit der kognitiven Leistung nach 3 und 12 Monaten.

 

Fazit

Deutliche kognitive Defizite sind bei Patienten mit schweren, intensivpflichtigen Erkrankungen recht häufig und persistieren bei einigen Patienten mindestens noch ein Jahr. Die Dauer eines Deliriums spielt eine wichtige Rolle, sodass Interventionen zur Vorbeugung eines Deliriums möglicherweise die neurologischen Schäden bei schwerer Erkrankung reduzieren könnten, so die Autoren.

 

Dr. med. Susanne Meinrenken, Bremen

Aus der Zeitschrift DMW Deutsche medizinische Wochenschrift 2013; 138(47): 2395