• © CandyBox Images - Fotolia.com

    Merken Komapatienten wirklich überhaupt nicht, was um sie herum geschieht?

     

Komapatienten: Elektrische Signale auf emotionale Reize

Eine aktuelle Untersuchung liefert neue, klinisch relevante Informationen zur Verarbeitung emotionaler Reize bei Komapatienten. Die Befunde können eventuell als klinische Marker genutzt werden.

Merken Komapatienten wirklich überhaupt nicht, was um sie herum geschieht? Sind die gebräuchlichen Definitionen von Bewusstsein und Koma und die klinische Beurteilung von bewusstseinsgestörten Patienten überhaupt ausreichend? Und gibt es Optionen, den klinischen Zustand dieser Patienten zu verbessern? Ausgehend von diesen Fragestellungen hat die Arbeitsgruppe um Dr. Lars Wojtecki, Institut für Klinische Neurowissenschaften und Medizinische Psychologie der Universität Düsseldorf, elektrische Signale aus dem Thalamus einer Patientin mit chronischer Bewusstseinsstörung (chronic disorder of consciousness) aufgezeichnet.

Die Wissenschaftler berichten von differenzierten neuronalen Antworten auf emotional relevante Stimuli bei einer Frau, die als „bewusstlos“ eingestuft worden war. Die Arbeitsgruppe nutzte elektrische Aufzeichnungen implantierter Hirnelektroden, um die Aktivität des zentralen Thalamus darzustellen, während die Patientin entweder die Stimmen ihrer Kinder oder fremde Stimmen präsentiert bekam. Eine direkte elektrophysiologische Aktivität aus dem Thalamus bei bewusstseinsgestörten Patienten als Antwort auf emotionale Reize war bisher noch nicht aufgezeichnet worden.

Wojtecki schließt aus den aktuellen Beobachtungen, dass der Nachweis elektrischer Signale aus dem Thalamus auf emotionale Reize als klinischer Marker und auch als therapeutisches Ziel bei chronisch bewusstseinsgestörten Patienten dienen könnte. Die Methode der tiefen Hirnstimulation könnte
aus Sicht der Wissenschaftler zu einer differenzierteren Einschätzung des individuellen Zustands von Komapatienten und möglicherweise auch zur Entwicklung therapeutischer Ansatzpunkte beitragen.

 

Literatur:

Woitecki L et al., Modulation of central thalamic oscillations during emotional-cognitive processing in chronic disorder of consciousness, Cortex 2014; DOI: 10.1016/j.cortex.2014.09.007

Titel zum Thema