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    Kontaktsportler sind häufig wiederholten Schlägen und Stößen gegen den Kopf ausgesetzt.

     

Kopftrauma – Kontaktsportler riskieren Gehirnschädigung

Häufige Stöße und Schläge gegen den Kopf, wie sie z. B. beim Ausüben von Kontaktsportarten vorkommen, lösen offenbar nicht nur akute Kopftraumata aus, sondern können darüber hinaus auch langfristig zu Störungen der Gehirnleistung führen. Die Forscher um T. W. McAllister haben College-Sportler, die solche Sportarten intensiv betreiben, auf Auffälligkeiten im Kopf-MRT untersucht.

Neurology 2014; 82: 63–69

 

Im Vergleich zu anderen Sportlern zeigen Kontaktsportler nach einer aktiven Spielsaison spezifische Hirnveränderungen sowie verringerte Leistungen im verbalen Lernen und der Gedächtnisleitung – auch ohne dass sie jemals eine Gehirnerschütterung erlitten hatten. Dies konstatierten die Forscher der Geisel School of Medicine (Hanover, New Hamshire, USA), die im Rahmen einer prospektiven Kohortenstudie 80 Mitglieder der American Football- und Eishockey-Mannschaften am Dartmouth College untersucht haben. Als Vergleichsgruppe dienten 79 Athleten aus Nicht-Kontaktsportarten (z. B. Leichtathletik oder Skilanglauf). Ausgeschlossen waren Sportler, die in der untersuchten Saison eine Gehirnerschütterung erfuhren; bei den Nicht-Kontaktsportlern galt jegliche berichtete Commotio als Ausschlusskriterium. Jeweils vor und kurz nach der Sportsaison wurden standardisierte neuropsychologische Tests durchgeführt sowie diffusionsgewichtete MRT-Aufnahmen des Gehirns angefertigt.

 

Rund 500 Kopfstöße pro Saison

Im Ergebnis zeigten sich bei den Athleten in der Kontaktsportgruppe im Vergleich zu den Kontrollpersonen Veränderungen im mittleren Diffusionsvermögen der weißen Gehirnsubstanz. Bei durchschnittlich 500 Kopfstößen pro Saison korrelierte die Intensität der Erschütterungen dabei mit den Ergebnissen der Diffusionsmessung in verschiedenen Hirnregionen wie der Amygdala, dem Corpus callosum, Cerebellum, Hippocampus und dem Thalamus. Rund 20 % in der Gruppe der Kontaktsportler und 11 % der Vergleichsgruppe hatten nach der Spielsaison schlechtere Leistungen in den Kognitionstests als zuvor durch den Eingangstest zu erwarten gewesen war. In dieser Gruppe trat im Vergleich zu den übrigen Athleten auch vermehrt ein verändertes Diffusionsvermögen im Corpus callosum auf.

 

Fazit

Auch ohne durchgemachte symptomatische Gehirntraumata scheinen häufig wiederholte Schläge und Stöße gegen den Kopf bereits mittelfristig bestimmte kognitive Fähigkeiten zu beeinträchtigen bzw. zu Veränderungen in der weißen Hirnsubstanz zu führen. Ob diese Veränderungen transient sind oder dauerhafte Folgen haben, kann derzeit nicht beantwortet werden, so die Autoren.

Katrin Appel

Aus: Fortschritte Neurologie Psychiatrie 2014; 82(07): 365

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