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    Neurologische Komplikationen bei Kindern durch eine (H1N1)pdm09-Infektion sind häufig und können oft schwer und sogar tödlich verlaufen.

     

Lebensbedrohliche neurologische Komplikationen bei Kindern

Das humane Schweinegrippe-Virus (H1N1) pdm09 dominiert derzeit in Deutschland die Grippe-Erkrankungen, wie das Robert-Koch-Institut Ende Januar 2013 vermeldete. Im Jahr 2009 haben G. Khandaker et al. untersucht, wie groß die Häufigkeit und die Schwere neurologischer Komplikationen bei Kindern ist, die wegen einer (H1N1) pdm09-Infektion stationär behandelt worden waren.

Neurology 2012; 79: 1474-1481

 

Die Wissenschaftler hatten prospektiv Daten an 6 großen pädiatrischen Kliniken in Australien gesammelt. Ziel war es, epidemiologische und klinische Charakteristika inklusive neurologischer Komplikationen von (H1N1) pdm09-Infektionen bei Kindern zu bestimmen. Die Studie war Teil des "Paediatric Active Enhanced Disease Surveillance" (PAEDS), einem Register, das aktiv Krankenhausdaten generiert, um Aussagen über den Gesundheitsstatus von Kindern in der Allgemeinbevölkerung zu gewinnen.

 

Erste Grippe-Pandemie im 21. Jahrhundert

Im Untersuchungszeitraum (Juni-September 2009) - somit den Winter der südlichen Hemisphäre und den Beginn der höchsten Warnstufe der WHO bezüglich einer H1N1-Pandemie beinhaltend - waren 506 Kinder mit (H1N1) pdm09 hospitalisiert worden. Etwa jedes zehnte Kind (9,7 %) hatte entweder zum Zeitpunkt der Einweisung oder wenig später neurologische Komplikationen gezeigt. Die betroffenen Kinder waren im Median 4,8 Jahre alt (zwischen 0,5 und 12,6 Jahre), Kinder ohne neurologische Komplikationen 3,7 Jahre (zwischen 0,01 und 14,9 Jahre). In der Gruppe der jungen Patienten mit neurologischen Folgen hatte mehr als die Hälfte bereits Vorerkrankungen gehabt (55,1 vs. 48,3 % der Kinder ohne neurologische Komplikationen), 42,8 % hatten bereits neurologische (Vor)Erkrankungen (vs. 10,3 %). Bei den bestehenden neurologischen Diagnosen dominierte die Epilepsie (20,4 vs. 2 % bei Patienten ohne neurologische Komplikationen). Bei Vorstellung in der Klinik hatten 36,7 % der Kinder die Trias Husten-Fieber-Schnupfen gezeigt, 38,7 % der Kinder hatten nur ein oder sogar kein Symptom der Atemwege.

Als häufigste neurologische Komplikation zeigten sich Krämpfe (7,5 %). Weitere schwere Probleme waren eine Enzephalitis bzw. Enzephalopathie (1,4 %), Konfusion / Desorientierung (1 %), Bewusstlosigkeit (1 %) sowie Lähmungen bzw. das Guillain-Barré-Syndrom (0,4 %). Insgesamt mussten 30,6 % der betroffenen Kinder intensivmedizinisch betreut werden, 24,5 % wurden beatmet. Zwei Patienten starben (4,1 %).

 

Fazit

Neurologische Komplikationen bei Kindern durch eine (H1N1)pdm09-Infektion sind demnach häufig und können oft schwer und sogar tödlich verlaufen. Die Autoren merken an, dass gemäß eines von ihnen unternommenen Literaturvergleichs solche Komplikationen nicht nur auf pandemische Infektionen wie die im Jahr 2009/2010 als Pandemie aufgetretenen H1N1-Infektionen beschränkt sind, sondern dass auch die saisonale Grippe ein signifikantes Risiko birgt.

 

 

 

Aus der Zeitschrift Fortschritte Neurologie Psychiatrie 4/2013