• Lumbalfunktion

     

Lumbalpunktion – Schritt für Schritt

Die Untersuchung des Liquor cerebrospinalis (Liquor) ermöglicht den Nachweis eines entzündlichen Prozesses im zentralen Nervensystem (ZNS). Ferner kann sie wichtige Hinweise auf neoplastische und degenerative ZNS-Erkrankungen sowie auf eine CT-negative Subarachnoidalblutung (SAB) liefern.

Einführung

Bei der Lumbalpunktion (LP) wird die Punktionsnadel zwischen den Processus spinosi der Wirbelkörper LWK 3/4 oder 4/5 in den lumbalen Durasack eingeführt. Da bei Erwachsenen der kaudale Anteil des Rückenmarks in der Regel in Höhe des Conus medullaris zwischen LWK 1 und LWK 2 endet, ist hier die Gefahr einer Schädigung des Rückenmarkes minimal.

Indikationen

Eine diagnostische Lumbalpunktion ist indiziert bei klinischem Verdacht auf folgende Erkrankungen:

  • entzündliche Erkrankungen (u. a. Meningitis, Enzephalitis, Multiple Sklerose, Neuroborreliose, Neuromyelitis optica, akute und chronische Polyradikulitiden)
  • Subarachnoidalblutung
  • idiopathische intrakranielle Hypertension (mit Liquordruckmessung)
  • neurodegenerative Erkrankungen (z. B. Demenzen)
  • Meningeosis neoplastica (Nachweis von Tumorzellen)
Eine therapeutische Lumbalpunktion ist indiziert bei:

  • idiopathischer intrakranieller Hypertension,
  • intrathekaler Medikamentengabe

Kontraindikationen

Kontraindikationen sind klinische und/oder bildmorphologische Hirndruckzeichen, lokale Entzündungen an der geplanten Punktionsstelle, ein Konustiefstand sowie Störungen der Blutgerinnung. Liegt eine medikamentöse Antikoagulation vor, empfiehlt sich ein Vorgehen gemäß der AWMF-Leitlinie 001/005 „Rückenmarksnahe Regionalanästhesien und Thrombembolieprophylaxe/antithrombotische Medikation“. Im Notfall ist eine Korrektur der Gerinnungshemmung (z. B. Fresh frozen Plasma, Protamin, Idaruzizumab oder einzelne Gerinnungsfaktoren) erforderlich.

Eine LP kann bei Vorliegen folgender Gerinnungsparameter erfolgen: Quick > 50%, INR < 1,4 und Thrombozyten > 50 G/l (< 50 G/l ist eine relative, < 20 G/l ist eine absolute Kontraindikation). Bei klinischen Hinweisen auf erhöhten Hirndruck (Vigilanzstörung, Papillenödem, Kopfschmerz mit Übelkeit oder Erbrechen oder andere Fokalneurologie) muss eine zerebrale Bildgebung (CCT, cMRT) erfolgen. Diese ist bei Abwesenheit von klinischen Hirndruckzeichen nicht zwingend erforderlich.

Durchführung

Schritt 1 Aufklärung

Der Arzt klärt den Patienten über die Indikation, den Nutzen und die Risiken einer LP, die Alternativen sowie das Vorgehen bei dieser Prozedur auf. Der Patient stimmt der Durchführung der Lumbalpunktion schriftlich zu. Bei nicht einwilligungsfähigen Patienten klärt der Arzt den Bevollmächtigten, gesetzlichen Betreuer oder Erziehungsberechtigten auf und holt das schriftliche Einverständnis ein. In Notfallsituationen (z. B. bei klinischem Verdacht auf eine akute bakterielle Meningitis) kann die Lumbalpunktion bei nicht einwilligungsfähigen Patienten auch ohne Einverständniserklärung erfolgen. Dies wird schriftlich dokumentiert.

MERKE
Die Aufklärung sollte eine ausreichende Bedenkzeit (24 Stunden oder eine Nacht) erlauben.

Bei der Aufklärung empfiehlt es sich, einen standardisierten Aufklärungsbogen zu verwenden. Der Arzt dokumentiert handschriftlich, dass auf die spezifische Indikation, die speziellen Risiken der Lumbalpunktion sowie die Alternativen zur Lumbalpunktion hingewiesen worden ist.

Auf folgende spezielle Risiken und Nebenwirkungen der Lumbalpunktion sollte insbesondere hingewiesen werden:

  • Postpunktioneller Kopfschmerz ist die häufigste relevante Nebenwirkung. Die Häufigkeit ist abhängig vom Nadeldurchmesser (je dünner, desto seltener), der Nadelform (traumatisch >> atraumatisch). Der postpunktionelle Kopfschmerz ist nicht abhängig von der entnommenen Liquormenge und kann nicht durch Liegen nach der LP oder Trinken größerer Mengen Flüssigkeit vermieden werden.
  • lokale Schmerzen an der Punktionsstelle
  • Kurzzeitige elektrisierende Schmerzen im Bein während der Durchführung, wenn die Nadelspitze eine Nervenwurzel berührt.
  • Prinzipiell mögliche, äußerst seltene Nebenwirkungen sind eine Blutung in den Intrathekalraum, Infektionen einschließlich der Hirnhäute, Hirnnervenausfälle und Subduralhämatom.

Der Arzt weist auf die Möglichkeit einer Lokalanästhesie hin. Hierbei muss über die Möglichkeit einer allergischen Reaktion bis hin zum allergischen Schock informiert werden.

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier: Lumbalpunktion - Schritt für Schritt

Aus der Zeitschrift: Neuro u2d 01/19

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