• Das maligne neuroleptische Syndrom - Neurologie - Thieme Verlag

     

Das maligne neuroleptische Syndrom

Das maligne neuroleptische Syndrom wurde erstmals von Ayd 1956 als fatale Hyperpyrexie und 1960 von Delay et al. als „akinetic hypertonic syndrome“ beschrieben. In den meisten Fällen trat das Syndrom als Komplikation unter der Gabe von Antipsychotika der ersten Generation auf, insbesondere unter hochpotenten Phenothiazinen und Butyrophenonen.

Über die Jahre zeigte sich dann, dass atypische Antipsychotika (einschließlich Clozapin) und auch eine Reduktion von Dopamin-Agonisten ein MNS auslösen können.

Systematische Studien zur Therapie stehen wegen der Seltenheit des Syndroms nicht zur Verfügung. Die Leitlinien der DGPPN (Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde) zur Behandlung des MNS basieren derzeit auf Empfehlungen der Empfehlungsstärke C oder „good clinical practice“, wobei Diagnostik und Therapie sehr kurz abgehandelt werden.

Ziel dieser Übersichtsarbeit ist es:

  1. die Diagnosestellung des MNS zu erleichtern,
  2. eine umfassende Differenzialdiagnostik des MNS vorzustellen und
  3. geeignete Therapiemöglichkeiten vorzustellen.


Methode

Zur Erstellung der vorliegenden Arbeit wurde eine Suche in PubMed (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed) nach dem Begriff „neuroleptic malignant syndrome“ ausschließlich im Titel (spezifizierte Suche in PubMed) unternommen, wobei 1502 Publikationen aufgelistet wurden (Stichtag: 08.08.2014). Eingeschlossen wurden alle Publikationen, die ab dem Jahr 2001 in englischer oder deutscher Sprache über erwachsene Patienten veröffentlicht wurden (n = 508). Bei den meisten Publikationen handelte es sich wegen der Seltenheit des Syndroms um Fallberichte (n = 404), die nur in begründeten Fällen eingeschlossen wurden. Darüber hinaus wurden weitere Publikationen, insbesondere ältere Übersichtsarbeiten, eingeschlossen. Des Weiteren wurden relevante Publikationen zu epidemiologischen und therapiebezogenen Studien ergänzt, sofern die Anzahl der eingeschlossenen Teilnehmer > 100 war. Darüber hinaus wurden verschiedene Buchkapitel sowie das DSM-5 der American Psychiatric Association ausgewertet und im Text erörtert. Natürlich wäre eine Metaanalyse von Studien zu dem Syndrom wünschenswert. Die Seltenheit des Auftretens und die Heterogenität des klinischen Bildes verhindern aber kontrolliert randomisierte Studien, so dass uns die vorgenommene Methodik für eine systematische Literaturrecherche ausreichend erschien. Assion und Volz haben eine lesenswerte Monografie zum MNS gefertigt, die leider im Buchhandel nicht mehr erhältlich ist. In unserer Darstellung berücksichtigen wir zusätzlich die seit 2004 erschienenen Publikationen zum MNS, insbesondere die aktuellen Entwicklungen des DSM-5.


Klinische Merkmale und Diagnose des MNS

Im ICD 10 wird die Diagnose im neurologischen Fachgebiet mit dem Code G21.0 verschlüsselt. In den seit Juli 2013 in den USA gültigen DSM-5-Kriterien werden die Kriterien in einem Fließtext beschrieben, die Formulierungen erscheinen dabei wenig festlegend. So wird die Einnahme eines Dopamin-Antagonisten in Kombination mit einer Hyperthermie und starkem Schwitzen als besonderes Kennzeichen bzw. Unterscheidungsmerkmal (distinguishing feature) für ein MNS angesehen. Andererseits aber wird ein ausgeprägter Rigor als ein Grundsymptom (cardinal feature) des MNS bezeichnet. Die zusätzlich aufgezählten Aspekte könnten als ergänzende Kriterien für ein MNS bzw. als Ausdruck eines stark ausgeprägten MNS verstanden werden.

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier: Das maligne neuroleptische Syndrom (MNS) – Eine systematische Übersicht

Aus der Zeitschrift Fortschritte der Neurologie - Psychiatrie 07/2015

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