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Unterscheiden sich die Einstellungen von MCI-Patienten?

In einer alternden Gesellschaft wird es gesundheitspolitisch entscheidend sein, Strategien zu entwickeln, die den strukturellen und funktionellen Abbau des menschlichen Gehirns im Alter verlangsamen können. Während es für das Frühstadium der Alzheimer-Demenz zugelassene und in Leitlinien empfohlene Medikamente gibt, stehen Strategien für leichte kognitive Störungen (engl. mild cognitive impairment, MCI) aus.

Für die Entwicklung neuer medikamentöser Therapien werden krankheitsbezogene Stratifizierungen der Patienten mittels Demenz-spezifischer Biomarker als wesentlich angesehen. Diese sollen erlauben, diejenigen MCI-Patienten zu identifizieren, deren kognitive Defizite mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einer Alzheimer-Krankheit beruhen und die wahrscheinlich in Zukunft eine Alzheimer-Demenz entwickeln werden. Bisher ist eine Früherkennung der Alzheimer-Demenz im Stadium des MCI nur näherungsweise durch die Bestimmung verschiedener Biomarker möglich. Zwei davon werden im Liquor nachgewiesen (CSF Aß42; Tau, p-Tau), drei basieren auf der Gehirnbildgebung (Hypometabolismus im FDG-PET, Amyloid-PET; Atrophiemuster im strukturellen MRT). Auch wenn die Validität dieser Biomarker in Autopsiestudien grundsätzlich etabliert wurde, so ist eine sichere Voraussage der Entwicklung einer Alzheimer-Demenz im MCI Stadium nicht möglich. Die Voraussage der zeitlichen Entwicklung des Auftretens der Krankheitssymptomatik (klinische Demenz) sowie des Schweregrads der Erkrankung ist nur eingeschränkt gewährleistet. Die PET-Untersuchung umfasst die Applikation von radioaktiver Strahlung und ist damit insbesondere für Wiederholungsmessungen wenig geeignet; das Amyloid-PET ist nur an wenigen Standorten verfügbar. Die Messung von Atrophiemustern im zerebralen MRT ermöglicht erst relativ spät im Krankheitsverlauf eine prädiktive Aussage. Schließlich ist die Liquorpunktion (LP) eine invasive Maßnahme, die neben häufig auftretenden Kopfschmerzen auch mit selten auftretenden, aber potenziell gravierenden Risiken wie einer Infektion des Nervensystems, Blutungen oder Liquorlecks verbunden ist. In der gegenwärtigen Routineversorgung spielen die neuropsychologische Testung und die MRT-Bildgebung eine wichtige, wenn auch zu wenig genützte Rolle bei der Demenz-Diagnostik. Spezifische PET-Unterschungen sind keine Kassenleistungen und demenzspezifische Liquoruntersuchungen sind im ambulanten Bereich zwar Kassenleistungen, werden aber bei Demenzen selten eingesetzt. Diese Untersuchungen werden in der Regel in universitären Gedächtnissprechstunden angeboten.

Über die subjektive Einstellung von Patienten mit MCI gegenüber frühdiagnostischen Verfahren ist wenig bekannt. Vergleichende Untersuchungen an Patienten von neuropsychiatrischen Facharztpraxen und Universitätsambulanzen liegen nicht vor.

Primäres Ziel dieser Studie war es zu untersuchen, ob Patienten aus einer universitären Gedächtnissprechstunde (Uni-GS) eine höhere Bereitschaft zur Durchführung einer LP aufweisen als MCI-Patienten aus einer Facharztpraxis (FA-Praxis). Als abhängige Variable wurde der Prozentanteil der insgesamt jeweils befragten Patienten festgelegt, die bereit sind, eine LP durchführen zu lassen. Des Weiteren sollte erfragt werden, ob Unterschiede in der Bereitschaft zur generellen Frühdiagnostik bestehen. Im Rahmen einer sekundären Analyse wurde über die gesamte Stichprobe hinweg untersucht, ob diese Zielvariablen von Alter, Geschlecht, Bildung, Einkommen, Wohnsituation, kognitivem Status und Depressivität beeinflusst werden.

Methoden

Die Studie wurde in der neurologischen Gedächtnissprechstunde des Universitätsklinikums Charité Mitte Berlin (Uni-GS; Prof. Dr. A. Flöel) sowie einer neurologischen Facharztpraxis in Berlin (FA-Praxis; Dr. J. Bohlken) durchgeführt. Die FA-Praxis rekrutierte die Patienten im Rahmen der Routineversorgung eines Berliner Bezirks überwiegend durch hausärztliche Zuweisung. Die Uni-GS rekrutiert ihre Patienten im Rahmen von fachärztlichen Zuweisungen bei unklaren diagnostischen Zuständen sowie im Rahmen von Studienausschreibungen. Diese Pilotstudie wurde in beiden Einrichtungen im Rahmen des normalen Versorgungsalltags durchgeführt. Vor Studienteilnahme wurden alle Patienten mündlich und schriftlich über die Studieninhalte informiert und unterzeichneten eine Einverständniserklärung zur Teilnahme. Die Studie wurde von der Ethikkommission der Universität Greifswald und von der Ethikkommission der Charité Universitätsmedizin Berlin genehmigt und entspricht der Erklärung von Helsinki.

 

 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Unterscheiden sich die Einstellungen von MCI-Patienten einer Gedächtnissprechstunde von denen einer Versorgerpraxis?

Aus der Zeitschrift Fortschritte der Neurologie Psychiatrie 10/2015

 

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