• Flüchtlinge Deutschland

     

Medizinische Versorgung von Flüchtlingen

Obwohl die Flüchtlingszahlen in Deutschland im Jahr 2016 gegenüber 2015 stark gesunken sind, bestehen weiterhin viele Probleme, die nach wie vor hohe Ansprüche an die Behörden und Hilfskräfte stellen. Insbesondere die medizinische Versorgung von Asylsuchenden ist nach Einschätzung vieler Ärzte bislang nicht befriedigend geregelt.

Die medizinische Versorgung von Asylbewerbern regelt in Deutschland das Asylbewerberleistungsgesetz. Nach § 4 hat ein Flüchtling gegenüber einem gesetzlich Versicherten lediglich einen „eingeschränkten Anspruch auf medizinische Versorgung“. Ärzte sind angehalten, sich bei der medizinischen Versorgung auf akute Erkrankungen und die Behandlung von Schmerzen zu beschränken. Aber wie ist das mit den ethischen Prinzipien des Arztberufes in Einklang zu bringen? Der Präsident der Bundesärztekammer Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery fordert die Einführung einer Gesundheitskarte für alle Flüchtlinge, die ihnen den Zugang zur Regelversorgung erlaube. Zudem sei es notwendig, die Einschränkungen des Asylbewerberleistungsgesetzes aufzuheben.

Infektionskrankheiten vermeiden

Ausländer, die nach Deutschland kommen und in einer Aufnahmeeinrichtung oder Gemeinschaftsunterkunft leben, müssen sich laut § 62 Asylgesetz einer ärztlichen Untersuchung auf übertragbare Krankheiten unterziehen (z. B. Tuberkulose, Masern, Windpocken, Noroviren, Skabies). Um Infektionskrankheiten zu vermeiden, spricht sich das Robert Koch-Institut dafür aus, neben Vorscreening und Erstaufnahmeuntersuchung den Asylbewerbern medizinische Behandlungsangebote zu machen. Hierzu gehören beispielsweise Impfungen gegen vermeidbare Krankheiten. Letzteres ist besonders wichtig, da bei Flüchtlingen häufig der Impfschutz fehlt oder der Impfstatus unbekannt ist.

Keine psychologische Betreuung

Nach Schätzungen der Bundespsychotherapeutenkammer sind mindestens die Hälfte aller Flüchtlinge in Deutschland psychisch krank. Zum überwiegenden Teil handelt es sich dabei um posttraumatische Belastungsstörungen und depressive Erkrankungen. In der Praxis wird eine psychologische Behandlung meist abgelehnt, weil es sich bei psychischen Erkrankungen in aller Regel um chronische Krankheiten handelt, die nach dem Asylbewerberleistungsgesetz als nicht prioritär eingestuft wurden. Dabei ist davon auszugehen, dass unbehandelte Traumata Folgeerkrankungen und aufgrund einer voraussichtlich hohen Zahl von Menschen, die dauerhaft in Deutschland bleiben, enorme Folgekosten nach sich ziehen werden.

Insgesamt wird deutlich, dass eine epochale Herausforderung wie die Bewältigung des Flüchtlingsstroms nach Deutschland von staatlichen Stellen alleine nicht zu meistern ist. Vor allem im Rahmen der medizinischen Versorgung von Flüchtlingen wurden deshalb eine Vielzahl von nicht staatlichen Initiativen ins Leben gerufen, die wertvolle Arbeit leisten. Die Interviews mit Prof. Dr. Gerhard Trabert und Dr. Martin Kalchthaler belegen dies.

 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Medizinische Versorgung von Flüchtlingen

Aus der Zeitschrift DMW 17/2016

Call to Action Icon
DMW Jetzt abonnieren!

Thieme Newsletter

Quelle

Buchtipps

Checkliste Neurologie
Holger Grehl, Frank-Michael ReinhardtCheckliste Neurologie

EUR [D] 49,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Klinische Neuroanatomie - kranielle MRT und CT
Heinrich Lanfermann, Peter Raab, Hans-Joachim Kretschmann, Wolfgang WeinrichKlinische Neuroanatomie - kranielle MRT und CT

EUR [D] 129,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.