•  

Metabolische und toxische Enzephalopathien, Teil 1

Toxische und metabolische Enzephalopathien umfassen ein breites Spektrum an akuten oder chronischen sekundären Störungen der Gehirnfunktion aufgrund von schädigenden „Noxen“ entweder durch endogene Organ- oder Stoffwechseldysfunktionen oder durch Zufuhr bzw. Einwirkung von außen. Dabei kann die Enzephalopathie die führende oder erste Manifestation der Dysfunktion darstellen. Die Leitsymptome der Enzephalopathie sind unspezifisch.

Charakterisierung der „metabolisch-toxischen Enzephalopathie“

Die Gruppe der „Enzephalopathien“ (griech. = Gehirnleiden) umfasst ein breites Spektrum von krankhaften Veränderungen der Gehirnfunktion und -struktur unterschiedlicher Ursache und Ausprägung. In der Praxis wird der Begriff fast ausschließlich für sekundäre Dysfunktionen des Gehirns verwendet, die als Folge von Fehlfunktionen innerer Organe oder von Stoffwechselvorgängen auftreten. Die Spanne reicht von der hepatischen, septischen oder hypoxischen Enzephalopathie über die subkortikale arteriosklerotische Enzephalopathie (Morbus Binsswanger) oder inflammatorisch vermittelte Enzephalopathien bis hin zu genetisch determinierten Erkrankungen wie Porphyrien oder Mitochondriopathien. Die Enzephalopathie kann als Erstmanifestation oder als führendes Symptom einer metabolisch-toxischen Dysfunktion auftreten.

Die Störungen, die zu einer Enzephalopathie führen, können zusätzlich auch zu funktionellen und strukturellen Schädigungen folgender Strukturen führen:

  • des Rückenmarks (Myelopathie) (z. B. Vitamin B12-Mangel),
  • des peripheren Nervensystems (Neuropathie) (z. B. Vitamin B12-Mangel),
  • des zentralen oder peripheren autonomen Nervensystems,
  • der Muskulatur (Myopathie) (z. B. Elektrolytstörungen),
  • anderer Organe.

Diese je nach Verursachung unterschiedlichen Symptomkombinationen sind ein differenzialdiagnostischer Schlüssel bei der ätiologischen Klärung einer Enzephalopathie.

Die metabolisch-toxischen Störungen als Ursache der Enzephalopathie sind entweder

  • erworben im Rahmen von Organdysfunktionen,
  • erworben im Rahmen einer externen Zufuhr (z. B. Intoxikation, Medikamente) oder
  • genetisch bedingt im Rahmen entsprechender Stoffwechselstörungen.

Die Ausbildung einer Enzephalopathie ist davon abhängig, inwieweit die Balance zwischen (neuro-)protektiven Faktoren auf der einen Seite und einer erhöhten neuronalen Vulnerabilität und dem Ausmaß der „Noxe“ auf der anderen Seite verloren geht. Treffen beispielsweise geringe metabolische Störungen auf ein neurodegenerativ vorgeschädigtes Gehirn, so kann dies bereits zur „enzephalopathischen Dekompensation“ führen.

Die Schädigung des Gehirns durch die metabolische Dysfunktion wird verursacht durch direkte Beeinträchtigungen neuronaler Funktionen wie der von Ionenkanälen, synaptischen Übertragungen, Neurotransmitterbildung oder Rezeptoraktivitäten – meist begleitet von einer Alteration der schützenden Blut-Hirn-Schranke. Entwickeln sich die metabolischen Veränderungen langsam und chronisch, sind die Auswirkungen auf das Gehirn durch Adaptationen (protektiver Faktor) weniger drastisch als bei akuten Dekompensationen. Oft führt – gerade bei älteren Patienten – die Summation mehrerer enzephalopathogener Faktoren im Rahmen einer Dekompensation zur akuten Manifestation (z. B. vorbestehende Demenz + Exsikkose + dopaminerge Medikamente + Hyperglykämie + Fieber).

Lesen Sie hier den ganzen Beitrag: Metabolische und toxische Enzephalopathien, Teil 1
aus der Fachzeitschrift Neurologie up2date 03(04)/2020

Thieme Newsletter

  • Jetzt zum Newsletter anmelden!

    Jetzt kostenlos anmelden

    Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an und sind immer auf dem Laufenden mit News, Buchtipps, Neuerscheinungen und Gewinnspielen.

Quelle

Neurologie up2date
Neurologie up2date

EUR [D] 114Inkl. gesetzl. MwSt.

Buchtipps

Referenz Neurologie
Hans Christoph, Helmuth Steinmetz, Oliver KastrupReferenz Neurologie

EUR [D] 257,99Inkl. gesetzl. MwSt.

Facharztprüfung Neurologie
Volker Limmroth, Hans ChristophFacharztprüfung Neurologie

1000 kommentierte Prüfungsfragen

EUR [D] 99,99Inkl. gesetzl. MwSt.

Neurologie compact
Andreas Hufschmidt, Sebastian Rauer, Franz XaverNeurologie compact

Für Klinik und Praxis

EUR [D] 109,99Inkl. gesetzl. MwSt.

Cookie-Einstellungen