• Migräne © Thieme Verlagsgruppe

     

Migräne – Besteht eine Verbindung zu TIA und Schlaganfall?

Bei bis zu einem Drittel der Patienten mit transitorischen ischämischen Attacken (TIA) oder ischämischem Schlaganfall kann die Ursache nicht geklärt werden. Diese kryptogenen Ereignisse werden mit dem offenen Foramen ovale und paroxysmalem Vorhofflimmern in Verbindung gebracht, ließen sich aber nur zu einem geringeren Teil eindeutig diesen Ursachen zuordnen. L. Li et al. haben untersucht, ob Migräne mit dem Auftreten von TIA oder Schlaganfällen assoziiert ist.

Die britische Arbeitsgruppe wertete für ihre bevölkerungsbezogene Studie konsekutive Fälle der Oxford Vascular Study (OXVASC) aus den Jahren 2002–2012 mit erstmaliger TIA oder erstmaligen ischämischen Schlaganfällen aus. Wenn in der Gefäß- und Hirnbildgebung sowie im EKG keine klare Ursache identifiziert werden konnte, galten die Fälle als kryptogen. Daten von Patienten mit unvollständiger Untersuchung, unbestimmbaren Ursachen entsprechend den TOAST-Kriterien (Trial of Org 10172 in Acute Stroke Treatment) und Patienten mit zervikaler Arteriendissektion oder offenem Foramen ovale waren von der Analyse ausgeschlossen.

Starke Assoziation bei älteren Patienten

Bei insgesamt 1810 ischämischen Ereignissen (1114 Schlaganfälle, 696 TIA) handelte es sich zu 36,9 % um kryptogene Fälle. Diese Patienten hatten zu 28 % eine anamnestisch bekannte Migräne. Gegenüber ischämischen Ereignissen mit bekannter Ätiologie (18,4 %) war Migräne signifikant häufiger mit kryptogenen Ereignissen assoziiert (Odds Ratio [OR] = 1,73; p < 0,0001). Die Häufigkeit bekannter Migräne in der Vergangenheit blieb bei Patienten mit kryptogenen ischämischen Ereignissen und zunehmendem Alter nahezu unverändert. Doch die Assoziation von Migräne und kryptogenen Ereignissen war bei älteren Patienten am stärksten (< 55 Jahre: OR = 1,11; 55–64 Jahre: OR = 1,48; ≥ 65 Jahre: OR = 1,81). In der multivariablen Analyse war diese Assoziation unabhängig von Alter, Geschlecht und allen berücksichtigten vaskulären Risikofaktoren. Je weniger vaskuläre Risikofaktoren die Patienten hatten, desto stärker war die Assoziation von Migräne und kryptogener TIA und ischämischem Schlaganfall (0 Risikofaktoren [RF]: OR = 2,62; 1 RF: OR = 2,01; 2 RF: OR = 1,80; 3 RF: OR = 1,21; 4 RF: OR = 0,92).

 

FAZIT 
Mit dieser Studie konnte eine starke Assoziation von bekannter Migräne und kryptogener TIA bzw. kryptogenem ischämischen Schlaganfall belegt werden. Diese Assoziation war bei Patienten > 65 Jahre und bei denjenigen, die keinen vaskulären Risikofaktor hatten, am stärksten. Nach Ansicht der Autoren könnte auch im höheren Alter ein kausaler Zusammenhang oder eine gemeinsame Ätiologie von Migräne und kryptogenen ischämischen Ereignissen bestehen. Untersuchungen auf mögliche migräneassoziierte Ursachen sollten daher nicht auf jüngere Patienten begrenzt werden. 

Aus der Zeitschrift Fortschritte der Neurologie · Psychiatrie 1/2016 

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