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    Das Antidepressivum Amitriptylin und das Antiepileptikum Divalproat im direkten Vergleich.

     

Migräneprophylaxe: Unterschiede im Eintritt der vollen Wirkung

Zur Migräneprophylaxe werden unterschiedliche Substanzen aus verschiedenen Wirkklassen verwendet. Das Antidepressivum Amitriptylin ist schon lange zur Therapie der Migräne im Einsatz, das Antiepileptikum Divalproat wird in retardierter Form seit 2005 zur Migräneprophylaxe empfohlen. J. Kalita et al. haben die beiden Substanzen nun direkt verglichen.

Acta Neurol Scand 2013; 128: 65-72

 

An der Studie nahmen 300 Patienten mit mehr als 4 Migräneattacken pro Monat teil, davon 241 Frauen. Das mediane Alter lag bei 32 Jahren. Randomisiert erhielten jeweils 150 Patienten entweder Amitriptylin (12,5 mg/Tag in den ersten 2 Wochen, dann 25 mg/Tag und bei Bedarf bis zu 50 mg/Tag) oder retardiertes Divalproat (250 mg täglich in den ersten 2 Wochen, dann 500 mg täglich und bei Bedarf bis zu 1000 mg täglich). Als Bedarfsmedikation war zusätzlich Ibuprofen (400 mg) erlaubt.

Als primären Endpunkt definierten die Wissenschaftler den Anteil der Patienten, die eine mehr als 50%ige Reduktion der Attackenfrequenz erlebten, eine Verbesserung der Symptomschwere um mindesten einen Grad auf einer Skala von 0 (kein Kopfschmerz) bis 3 (schwerster Kopfschmerz) oder eine mehr als 50%ige Verbesserung auf einer visuellen Analogskala von 0 – 100 berichteten. Daneben Werteten sie auch die funktionelle Beeinträchtigung, die benötigte Bedarfsmedikation und unerwünschte Effekte aus.

 

Divalproat wirkt schneller

Nach 3 Monaten berichteten 74,7% der Patienten in der Divalproat- und 62% der Patienten in der Amitriptylin-Gruppe von einer mindestens 50%igen Reduktion der Kopfschmerzfrequenz (p=0,02). Nach 6 Monaten war dieser Unterschied allerdings nicht mehr statistisch signifikant (65,3 gegenüber 54%; p=0,9). Auf der visuellen Analogskala der Schmerzintensität zeigte sich ein ähnliches Bild: Nach 3 Monaten war die Divalproattherapie der Amitriptylinbehandlung deutlich überlegen (mehr als 50%ige Verbesserung bei 80,7 vs. 64%; p=0,005), nach 6 Monaten aber nicht mehr (69,3 vs. 56%; p=0,47). Das galt entsprechend auch für die Verbesserung der Symptomschwere nach der Gradeinteilung von 0 – 3. Dagegen zeigten die sekundären Endpunkte funktionelle Beeinträchtigung und Analgetikabedarf in beiden Gruppen nach 3 und 6 Monaten deutlich Verbesserungen ohne statistisch signifikante Unterschiede zu Beginn.

Unerwünschte Effekte traten in beiden Gruppen vergleichbar häufig auf (68% in der Divalproat-, 81% in der Amitriptylin-Gruppe), der Charakter der Nebenwirkungen war aber unterschiedlich: Bei Divalproattherapie wurde von Haarausfall, Menstruationsunregelmäßigkeiten, einem polyzystischen Ovar und Gewichtszunahme berichtet, bei Behandlung mit Amitriptylin eher von anticholinergen und sedierenden Effekten.

 

Fazit:

Retardiertes Divalproat erzielt nach 3 Monaten Therapie einen deutlich stärkeren Effekt sowohl hinsichtlich der Reduktion der Attackenfrequenz als auch der Schwere der Kopfschmerzen, so die Autoren. Ihrer Aussage nach blieb dieser deutliche Unterschied nach 6 Monaten so aber nicht bestehen.

 

F. Klein, München
Aus der Zeitschrift Fortschritte der Neurologie • Psychiatrie 2013; 81(10): 546