• Alzheimer-Demenz: Differenzialdiagnose

    Vitamin E kann bei Patienten mit Alzheimer-Demenz die Progression der Erkrankung verlangsamen.

     

Morbus Alzheimer – Welchen Effekt haben Memantin und Vitamin E?

Vitamin E (α-Tocopherol) kann bei Patienten mit mäßig bis schwer ausgeprägter Alzheimer-Demenz die Progression der Erkrankung verlangsamen. Für Memantin, einen N-Methyl-D-Aspartat-Antagonisten, sind solche Effekte bisher nicht belegt. Forscher um M. W. Dysken haben die Wirksamkeit der Präparate bei der Therapie von Frühformen der Erkrankung untersucht.

JAMA 2014; 311: 33–44

 

Bei leicht bis mäßig ausgeprägter Alzheimer-Erkrankung kann die Behandlung mit Vitamin E die zunehmende Unselbstständigkeit der Patienten hinauszögern. Zu diesem Ergebnis kommen die Wissenschaftler, die zwischen August 2007 und März 2012 insgesamt 613 Patienten in ihre randomisierte 4-armige Doppelblindstudie aufgenommen haben.
Bei allen Studienteilnehmern lag eine leichte bis mäßige Alzheimer-Demenz vor, definiert als ein Punktwert zwischen 12 und 26 bei der Mini Mental State Examination (MMSE). Die Patienten wurden nach dem Zufallsprinzip einer der 4 Behandlungsgruppen zugewiesen:

  • Vitamin E 1000 IE, 2-mal täglich (n = 152)
  • Memantin, auftitriert über 4 Wochen bis auf 10 mg 2-mal täglich (n = 155)
  • eine Kombination aus Vitamin E und Memantin (n = 154)
  • Placebo (n = 152)

Alle Patienten erhielten außerdem (seit 6 Monaten bis 4 Jahren) einen Acetylcholinesterase-Inhibitor. Beurteilt wurde als primärer Endpunkt das Ergebnis im Alzheimer’s Disease Cooperative Study/Activities of Daily Living (ACDS-ADL) Inventory. Sekundäre Endpunkte umfassten u. a. die Ergebnisse im MMSE, auf der Subskala „kognitive Funktion“ der Alzheimer Disease Assessment Scale (ADAS-cog), im Neuropsychiatric Inventory (NPI), in der Caregiver Activity Survey (CAS) und auf der Dependence Scale.

Nach einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 2,27 Jahren fand sich für die auswertbaren Teilnehmer (n = 561) nach Gabe von Vitamin E eine geringere Abnahme im ADCS-ADL-Wert als nach Placebo (jährliche Verzögerung um 19 %, entsprechend 6,2 Monaten). Bei den sekundären Endpunkten zeigte sich nur in der CAS ein wesentlicher Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen, wobei Vitamin E gegenüber Memantin besser abschnitt. Die sonstigen sekundären Outcomes wiesen keine deutlichen Unterschiede auf.

Unerwünschte Wirkungen waren bis auf Infektionen (häufiger unter Memantin bzw. unter der Kombination) zwischen den Gruppen vergleichbar. Die jährliche Sterblichkeitsrate betrug 7,3, 11,3, 9,0 bzw. 9,4 % für Vitamin E, Memantin, die Kombination bzw. Placebo.

 

Fazit

Die Gabe von Vitamin E kann bei leichter bis mäßiger Alzheimer-Demenz die Krankheitsprogression verlangsamen. Dabei entspricht der beobachtete Effekt durchaus einem klinisch relevanten Ergebnis: Der erzielte Unterschied bedeutet bspw. den Erhalt der Fähigkeit, sich alleine anzuziehen oder zu waschen. Die CAS ergab einen um ca. 2 Stunden geringeren Betreuungsbedarf pro Tag in der Vitamin-E-Gruppe. Überraschend sei allerdings, so die Mediziner, dass dieser positive Effekt in der Kombinationstherapie-Gruppe offensichtlich verloren gegangen war – dafür biete sich bisher keine plausible Erklärung. Die in anderen Studien gefundene erhöhte Sterblichkeit unter hoch dosierter Vitamin-E-Gabe war hier nicht nachweisbar, so die Autoren.

E. Ruchalla

Aus: Fortschritte Neurologie Psychiatrie 2014; 82(06): 306

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