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MS-spezifische Symptome und gesundheitsbezogene Lebensqualität

MS ist eine neurologische Erkrankung des Zentralnervensystems mit ungeklärter Pathogenese. Nach heutiger Auffassung resultieren die Demyelinisierung der Axonen, die Entzündung des Myelins und die Reaktion der Gliazellen aus einem komplexen Zusammenspiel von angeborenen und adaptiven Immunreaktionen. Der MS liegt keine einzelne Krankheitsursache zugrunde, vielmehr gibt es verschiedene Faktoren, die eine Erkrankung begünstigen und ineinandergreifen. Diskutiert werden gegenwärtig genetische Faktoren, Umwelteinflüsse und Lebensstilfaktoren.

Weltweit sind ca. 2,3 Millionen Menschen von MS betroffen. Zwei Drittel der Erkrankten sind Frauen. Mit einem durchschnittlichen Erkrankungsalter von 30 Jahren stellt MS eine der häufigsten Ursachen für eine nichttraumatisch indizierte Behinderung im jungen Erwachsenenalter dar.

Ein Überblick über die weltweiten Prävalenzen von MS zeigt, dass Länder in Äquatornähe vergleichsweise geringe Prävalenzen aufweisen. Mit der Zunahme des Breitengrades steigt auch die MS-Prävalenz. Als Hochprävalenzregionen zählen Europa und Amerika.

Aufgrund einer gestiegenen Lebenserwartung von Erkrankten und einer kürzeren Lead Time gilt der Anstieg der MS-Prävalenz als gesichert. Unklar bleibt, ob dieser Anstieg auch auf steigende Neuerkrankungsraten zurückgeführt werden kann. Verbesserte Diagnostik und Berichterstattung, aber auch methodische Unterschiede erschweren den Vergleich von Inzidenzen älterer Studien mit neueren Untersuchungen.

Bis heute ist die MS unheilbar. Die Behandlung ist auf immunmodulierende Therapien und die Behandlung der verschiedenen Symptome beschränkt. Auch unter Therapie bleibt der Krankheitsverlauf unvorhersehbar und ist mit erheblichen physischen, mentalen und sozialen Einschränkungen verbunden.

Wie bei anderen chronischen Erkrankungen scheint es daher unzureichend, ausschließlich physische und klinische Parameter einzusetzen, um die Einschränkung durch die Erkrankung zu beschreiben. Um einen umfassenden Blick auf alle Lebensbereiche der Betroffenen zu ermöglichen, fand das Konzept der gesundheitsbezogenen Lebensqualität (Health Related Quality of Life, HRQoL) Einzug in die wissenschaftliche Berichterstattung. Die HRQoL ist ein multidimensionales Konstrukt, „welches körperliche, emotionale, mentale, soziale und verhaltensbezogene Komponenten des Wohlbefindens und der Funktionsfähigkeit aus der subjektiven Sicht der Betroffenen abbildet“.

Für die MS kann, wie auch für andere chronische Erkrankungen, eine reduzierte HRQoL im Vergleich zur Normalbevölkerung nachgewiesen werden.. Zudem konnten Studien zeigen, dass Menschen mit MS auch im Vergleich Menschen mit anderen chronischen Erkrankungen (wie beispielsweise Epilepsie, Diabetes mellitus und dem Zustand nach einer Nierentransplantation) eine schlechtere HRQoL aufweisen.

Als mögliche Einflussfaktoren auf die HRQoL werden soziodemographische Faktoren, allgemeine medizinische Faktoren und MS-spezifische Symptome diskutiert. Vielfach werden in Studien der negative Einfluss von soziodemographischen Faktoren und allgemeinen medizinischen Faktoren untersucht. Bei den MS-spezifischen Symptomen dominieren Untersuchungen, die den Einfluss der Depression, des Fatigue oder einer eingeschränkten Gehfähigkeit (meist als Grad der Behinderung angegeben und mit der Expanded Disability Status Scale [EDSS] erfasst) untersuchen. Zudem zeigen einige Untersuchungen einen negativen Einfluss der Symptome kognitive Einschränkung, Spastik, Inkontinenz, Schmerz, Parästhesien, sexuelle Dysfunktion, Unsicherheit beim Gehen/Koordinationsprobleme und Sprechstörung auf die HRQoL. Die Studienergebnisse weisen teilweise widersprüchliche Ergebnisse und eine fehlende Vergleichbarkeit auf. Ursachen dafür könnte die unterschiedliche Methodik der Studien sein – beispielsweise Analysemethoden oder Messinstrumente der HRQOL und der Symptome. Es ist bisher ungeklärt, welchen MS-spezifischen Symptome einen besonders großen Einfluss auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität haben. Diese Frage wird unter Berücksichtigung von soziodemographischen Faktoren und allgemeinen medizinischen Faktoren mithilfe der multiplen linearen Regression untersucht. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen allen an der MS-Versorgung Beteiligten einen Anhaltspunkt zur Priorisierung der Symptome und demzufolge der symptomatischen Therapie geben.

Lesen Sie hier den ganzen Beitrag: Der Einfluss von MS-spezifischen Symptomen auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität
aus der Zeitschrift Fortschritte der Neurologie • Psychiatrie 11/2020

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