• PET © Thieme Verlagsgruppe

    Der sichere Nachweis krankhafter Proteinablagerungen im Gehirn ist inzwischen per Positronen-Emissions-Tomographie (PET) zu erfassen.

     

Neue Erkenntnisse zur Alzheimer-Demenz dank PET?

Nuklearmedizinische Techniken ermöglichen den Nachweis von Proteinablagerungen im Gehirn, die der Alzheimer-Demenz vorausgehen und diese auslösen. Die Verfahren bieten zugleich Ansatzpunkte für weitere Aufschlüsse über die Krankheitsentstehung.

Im Fokus der Wissenschaftler stehen bei der Alzheimer-Demenz Amyloid-Plaques, die sich im Zellzwischenraum ablagern, sowie Tau-Neurofibrillen oder „Tangles“, die sich in den Nervenzellen selbst finden. Wie es als Folge der Ablagerungen zur Manifestation der Erkrankung kommt, ist noch unklar. Es wird davon ausgegangen, dass die frühen Formen der verklebten Proteinbruchstücke die Funktion der Synapsen beeinträchtigen. Die Ablagerungen sind wahrscheinlich auch für andere typische Erscheinungen der fortschreitenden Nervenschädigung wie entzündliche Reaktionen, Funktionsstörungen der Nervenzellen und schließlich den Gehirnfunktionsverlust verantwortlich. Als gesichert gilt, dass die Veränderungen bereits viele Jahre vor Beginn einer messbaren Demenz im Gehirn beginnen.

Lange Zeit war der sichere Nachweis der krankhaften Proteinablagerungen im Gehirn nur mittels mikroskopischer Untersuchung des Gehirngewebes bei der Autopsie eines verstorbenen Patienten möglich. Inzwischen sind die Veränderungen auch mittels hochempfindlicher, nuklearmedizinischer Verfahren der Amyloid-Bildgebung per Positronen-Emissions-Tomographie (PET) zu erfassen.

Auch für die Alzheimer-Forschung ist das PET von Nutzen. So hoffen die Forscher, mit Hilfe des Verfahrens noch offene Fragen in puncto Alzheimer-Demenz klären zu können. Dazu gehört beispielsweise die Frage, warum es Demenzformen wie die frontotemporale Demenz gibt, bei der zwar Tau-Ablagerungen, aber keine Amyloid-Ablagerungen zu finden sind. Unklar ist auch immer noch, wieviel Zeit zwischen dem ersten Nachweis der Amyloid-Plaques und dem tatsächlichen Auftreten der Demenz verstreichen kann. Immerhin sind bei bis zu 30 Prozent der geistig gesunden älteren Menschen entsprechende Ablagerungen nachzuweisen.

Um Antworten auf diese Fragen zu finden, soll die Amyloid-Bildgebung mit anderen Biomarkern kombiniert werden. Aussichtsreich ist insbesondere die neue nuklearmedizinische Technik der Tau-Bildgebung: So gibt es als Pendant zur Amyloid-Bildgebung bereits erste Marker, die ebenfalls mit Hilfe des PET Tangles im Gehirn nachweisen. Die Tau-Bildgebung kann möglicherweise den tatsächlichen Beginn des Nervenzellschadens und damit den funktionellen Beginn der Erkrankung besser abbilden als die Amyloid-Bildgebung. Das Verfahren könnte somit ein geeignetes Werkzeug für die Verlaufsbeobachtung der Alzheimer-Erkrankung darstellen. Thema bei der 53. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin e.V., der NuklearMedizin 2015, die vom 22. bis 25. April 2015 in Hannover stattfindet, sind ferner die potenziellen Chancen für einen weiteren Erkenntnisgewinn durch eine Kombination der Amyloid- und Tau-Bildgebung.

NEWSLETTER-SERVICE

Titel zum Thema

Cookie-Einstellungen