• Neues zu Kopfschmerzen 2013 – ein Update

    Informieren Sie sich über die neuesten Forschungsarbeiten aus dem vergangenen Jahr.

     

Neues zu Kopfschmerzen 2013 – ein Update

Einleitung

Diese Übersicht fasst die neuesten Forschungsarbeiten aus dem erweiterten vergangenen Jahr von Ende 2011 bis Anfang 2013 zusammen und konzentriert sich hierbei auf die Arbeiten die aktuell oder potentiell unser Verständnis der Diagnose und Therapie unterschiedlichen Kopfschmerzerkrankungen verändern könnten. Das Forschungsumfeld im Bereich Kopf- und Gesichtsschmerzen ist weiterhin sehr aktiv und die Bemühungen um eine besseres Verständnis der Pathophysiologie, Epidemiologie und Therapie werden auf einem hohen Forschungsniveau von verschiedenen Arbeitsgruppen in Europa, Südostasien und Nordamerika vorangetrieben. Das wichtigste Ereignis des letzten Jahres nicht nur für den Kopfschmerzbereich sondern für das weltweite Gesundheitswesen war die Veröffentlichung der „Global Burden of Disease Study 2010“. Alle 10 Jahre berichtet die Weltgesundheitsorganisation über gesundheitliche und sozial-ökonomische Beeinträchtigungen, die weltweit durch verschiedene Erkrankungen hervorgerufen werden. In einer 34 Seiten langen Publikation werden 291 Erkrankungen hinsichtlich deren Prävalenz, Inzidenz, Morbidität und Mortalität analysiert. Darauf basierend wurde eine Rangliste erstellt, wobei Migräne und Kopfschmerzerkrankungen insgesamt auf Platz 7 stehen. Das ist ein sehr wichtiges Signal und Werkzeug für uns, Neurologen und Kopfschmerzexperten im Gespräch mit Allgemein- und Hausärzten, gesundheitspolitischen Organisationen und Selbsthilfegruppen dar­über, dass Migräne, Spannungskopfschmerz und chronische Kopfschmerzen inklusive Medikamentenübergebrauchskopfschmerz sehr häufig sind, dass sie das Leben von Patienten und deren Familien deutlich beeinträchtigen und dass diese Patienten schlichtweg unterversorgt sind, sowohl in Deutschland als auch in Europa und Weltweit.

 

Epidemiologie

Die Anerkennung von Migräne und Kopfschmerzen durch die WHO war auch dadurch bedingt, dass im letzten Jahr eine ganze Reihe von großen populationsbasierten Untersuchungen veröffentlicht wurden, darunter aus großen Ländern wie Russland, China oder Indien. In China wurde eine populationsbasierte Stichprobe von ca. 5 000 Menschen untersucht mit einer bemerkenswert hohen Responsrate von 91%. Die Ein-Jahres-Prävalenz von Migräne lag bei 9,3%, vom Spannungskopfschmerz bei 10,8% und von chronischen Kopfschmerzen bei 1.0%. Alle 3 Kopfschmerztypen verursachten eine deutliche Beeinträchtigung der Lebensqualität und jährliche Gesamtkosten von 672,7 Milliarden USD. Eine Türkische Studie untersuchte 6 000 Familien in 21 Städten und ermittelte die Ein-Jahres-Prävalenz der Migräne mit 16,4% und von Spannungskopfschmerz 5,1%. Die letzte Zahl ist sicherlich niedrig, zählt man jedoch die Prävalenz von 9,5% von wahrscheinlichem Spannungskopfschmerz dazu, entspricht diese den Angaben der internationalen Literatur. In Russland wurden landesweit ca. 2 000 Menschen untersucht. Hier fand sich eine Ein-Jahres-Prävalenz der Migräne bei ca. 20%, und viel wichtiger eine sehr hohe Prävalenz von chronischen Kopfschmerzen von ca. 10%. Bemerkenswert war die Assoziation von chronischem Kopfschmerz mit niedrigem sozio-ökonomischen Status und fehlender adäquater medizinischer Versorgung. An dieser Stelle sollten wir uns in Deutschland keineswegs selbstzufrieden zurücklehnen, denn auch in Europäischen Ländern mit einer sehr guten und vor allem mit freiem Zugang zur medizinischen Versorgung wie zum Beispiel in Deutschland sind viele Menschen mit Migräne unterdiagnostiziert und unterversorgt.

In einer großen populationsbasierten epidemiologischen Studie des Deutschen Kopfschmerzkonsortiums mit 10 000 Personen wurden Prävalenzen von primären Kopfschmerzsyndromen in der allgemeinen Bevölkerung Deutschlands ermittelt. Die Prävalenz von episodischer Migräne lag bei 12,5%, des episodischen Spannungskopfschmerzes bei 11,9%, Prävalenz von allen chronischen Kopfschmerzen lag bei 2,6%, von chronischer Migräne 1,1%. Eine große Dänische Zwillingsstudie berichtete die Jahresprävalenz von Migräne sei 25%. Glaubt man dieser Studie, so ist die Prävalenz von Migräne in Dänemark im Vergleich zu 1994 deutlich gestiegen. Und zuletzt sei noch die EUROLIGHT-Studie erwähnt, die durch Kopfschmerzen verursachten direkten und indirekten Kosten in 14 Europäischen Ländern ermittelte. Im Durchschnitt liegen die Kosten für einen Patienten mit Migräne bei 1 222 Euro pro Jahr.

 

 

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Aus der Zeitschrift Aktuelle Neurologie 7/2013