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Neuroborreliose

Die Lyme-Borreliose ist die häufigste Zoonose Deutschlands. Neurologische Manifestation kommen bei 3 – 15 % aller Patienten mit Borreliose vor und sind nach dermatologischen Manifestationen die häufigste Form der Borreliose.

Im klinischen Alltag bestehen bezüglich der Diagnose, der Therapie und des Verlaufs der Neuroborreliose oft beträchtliche Unsicherheiten. Grund dafür sind u. a. eine Vielfalt von oftmals nicht wissenschaftlich begründeten Informationen und Berichten über chronische Verläufe einer Borreliose trotz durchgeführter antibiotischer Therapie sowie die fälschliche Annahme, dass sich eine Lyme-Borreliose vor allem durch vielfältige unspezifische Symptome äußert. Der vorliegende Übersichtsartikel stellt den aktuellen Wissensstand zur Klinik, Diagnostik und Therapie der Neuroborreliose zusammen. 

Fallbeispiel
Fall 1

Anamnese

52 Jahre alter Patient, seit wenigen Tagen subakut stärkste nächtlich betonte Lumboischialgien mit Ausstrahlung in den linken Fuß, passend zum Dermatom L5. Kein sensibles oder motorisches Defizit.

Zunächst Aufnahme in der Orthopädie bei immobilisierenden Rückenschmerzen, die sich auch auf Diclofenac, Flupirtin und Tramadol nur unzureichend besserten.

Diagnostisches Vorgehen

Ein MRT der LWS zeigte einen unauffälligen Befund ohne Anhalt für eine mechanische Affektion spinaler Wurzeln. Es erfolgte eine konsiliarische neurologische Vorstellung mit Liquoruntersuchung. Hier zeigten sich ein entzündliches Liquorsyndrom mit 96/μl Zellen (lymphozytär betontes Zellbild mit Nachweis von aktivierten B-Lymphozyten), Gesamteiweiß 1700 mg/l, Albuminquotient 23,1. Weiters zeigten sich eine positive Borrelienserologie im Serum, im Liquor findet sich ein positiver Antikörperspezifitätsindex für Borrelien (27,0). In der Nachanamnese berichtete der Patient von einem Zeckenstich im Bereich des Nackens vor wenigen Wochen.

Therapie

Eine antibiotische Therapie mit 2 g Ceftriaxon i. v. wird begonnen, worunter sich die Symptomatik deutlich besserte. Die analgetische Therapie konnte im Verlauf ganz abgesetzt werden. Nach einer Woche erfolgte eine Verlaufspunktion, hier wurde ein Rückgang der Zellzahl auf 37/μl gefunden. Die Antibiotika wurden für insgesamt 21 Tage gegeben, der Patient war im Verlauf symptomfrei.

Diagnose

Frühmanifestation einer Neuroborreliose mit Bannwarth-Syndrom.

Übertragung und Erreger

Die Lyme-Borreliose wird durch Zeckenstiche übertragen, in Europa durch Schildzecken der Art des Gemeinen Holzbocks (Ixodes ricinus). Die Saugdauer der Zecke muss in der Regel mehrere Stunden andauern (im Tierversuch > 12 Stunden), um den Erreger zu übertragen.


MERKE

In Deutschland ist nach einem Zeckenstich bei ca. 5 % der Betroffenen mit einer Serokonversion und bei ca. 1 % mit einer manifesten Erkrankung zu rechnen.

In über 50 % der Fälle mit klinisch apparenter Borreliose bleibt ein Zeckenstich selbst unbemerkt.

Die Erreger der Borreliose sind Spirochätenbakterien des Borrelia-burgdorferi-sensu lato-Komplexes. Es existieren verschiedene Genospezies mit unterschiedlicher geografischer Verteilung. In Nordamerika kommt ausschließlich B. burgdorferi sensu stricto vor, während in Europa zusätzlich B. afzelii, B. bavariensis, B. garinii und B. spielmanii humanpathogenes Potenzial haben. B. burgdoferi sensu stricto, B. afzelii, B. bavariensis und B. garinii verursachen alle mit ähnlicher Häufigkeit neurologische Manifestationen einer Borreliose. B. afzelii findet sich dagegen deutlich gehäuft bei Hautmanifestationen im Vergleich zu den anderen Spezies. Die Spezies B. spielmanii wurde bislang nur aus Hautisolaten nachgewiesen.

Lesen Sie hier den ganzen Beitrag: Neuroborreliose
aus der Zeitschrift Neurologie up2date 03/2020

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Quelle

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