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    Die Zahl der jährlich mit einer zytostatischen Chemotherapie behandelten Patienten nimmt kontinuierlich zu.

     

Neurologische Nebenwirkungen von Zytostatika

Zusammenfassung

Die Zahl der jährlich mit einer zytostatischen Chemotherapie behandelten Patienten nimmt vor dem Hintergrund einer steigenden Inzidenz und Prävalenz von Tumorerkrankungen kontinuierlich zu. Bedingt durch bessere supportive Therapien insbesondere hämatologischer Nebenwirkungen und einer gesteigerten Lebenserwartung der Patienten rücken neurologische Therapiefolgen zunehmend in den Vordergrund. Es ist bemerkenswert, dass neurotoxische Phänomene, nach hämatologischen- bzw. gastroenterologischen Toxizitäten, trotz des postmitotischen Zustands von Nervenzellen zu den häufigsten Nebenwirkungen vieler Zytostatika zählen. Diese pathogenetisch schlecht verstandenen unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW) stellen ein erhebliches medizinisches Problem dar, da sie einerseits häufig eine Dosislimitierung und damit letztlich eine suboptimale Tumortherapie bedingen und andererseits zu einer erheblichen, oft langanhaltenden Einschränkung der Lebensqualität für die Betroffenen führen. Trotz des exakt definierten und vorab bekannten Schädigungszeitpunkts gibt es kaum validierte therapeutische bzw. präventive Ansätze für neurotoxische Nebenwirkungen von Zytostatika. Die Kenntnis Chemotherapie-induzierter neurologischer Pathologien im peripheren und zentralen Nervensystem ist, angesichts der Vielzahl möglicher Symptome, zur differenzialdiagnostischen Abgrenzung von anderen Erkrankungsentitäten von hoher praktischer Relevanz. Um zunehmend komplexeren Behandlungsprotokollen und einer steigenden Zahl zytostatischer Medikamente Rechnung zu tragen, werden im Rahmen dieser Übersichtsarbeit relevante neurologische Nebenwirkungen gängiger Zytostatika im peripheren und zentralen Nervensystem dargestellt und, sofern verfügbar, mögliche therapeutische Strategien aufgezeigt. Konkret widmet sich der erste Teil dieser Übersicht Nebenwirkungen im peripheren Nervensystem welche durch Substanzen aus der Gruppe der Platinverbindungen (Cisplatin, Carboplatin, Oxaliplatin), Vincaalkaloide (Vincristin), Taxane (Paclitaxel, Docetaxel), Proteasominhibitoren (Bortezomib) und Antikörperkonjugate (Brentuximab-Vedotin) hervorgerufen werden. Der zweiten Teil dieser Arbeit fokussiert sich auf neurotoxische UAW im zentralen Nervensystem, hervorgerufen durch Medikamente aus der Gruppe der Antimetabolite (Methotrexat, 5-Fluoruracil, Cytarabin, Fludarabin), Alkylanzien (Ifosfamid), Platin-Verbindungen (Cis-Platin), Vincaalkaloide (Vincristin), Rezeptor-Tyrosinkinase Inhibitoren (Imatinib, Sorafenib, Sunitinib) und Biologicals (Bevacizumab). Zuletzt wird im dritten Teil auf das ätiologisch noch umstrittene Krankheitsbild der Chemotherapie-induzierten kognitiven Defizite eingegangen.

 

Aus der Zeitschrift Aktuelle Neurologie 2014; 41(01): 21-34

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