• Frau mit Husten

     

Neuropathischer Larynx irritable – Gabapentin als Antitussivum

Vorgestellt wird der Fall einer 76 jährigen Patientin, die parallel zu einer schweren depressiven Episode im Anschluss an eine starke psychische Belastung erstmals in ihrem Leben chronisch quälende Hustenattacken entwickelte, die nach umfassendem und leitliniengerechtem Ausschluss alternativer Ursachen zunächst für psychogen gehalten wurden.

Mehrere Faktoren ließen jedoch an der rein psychischen Genese des chronischen Hustens zweifeln: i) direktes Auftreten im Anschluss an eine hartnäckige Erkältung, ii) Einbettung in weitere Symptome der laryngealen Hyperreagibilität (Larynx irritable) wie ständiger Globus pharyngeus, Räusperzwang sowie episodische Dysphonie, iii) erstmaliges Auftreten im höheren Alter, iv) Hustenattacken auch aus dem Schlaf heraus, v) Persistenz trotz Remission der schweren depressiven Episode, vi) keine nachhaltige Besserung trotz gezielter Psychotherapie und Sprachtherapie. Deshalb wurde die Zusatzdiagnostik um die apparative Schluckdiagnostik mittels Videoendoskopie (FEES) und Videofluoroskopie des Schluckens (VFS) erweitert. Damit wurden Zeichen einer laryngealen Neuropathie allerdings ohne Nachweis einer Penetration oder Aspiration gefunden. Eine gleichzeitig vorhandene Struma und Glukosetoleranzstörung mit einem eventuellen intrazellulären Vitamin B12 oder Folsäuredefizit bei auffälliger Hyperhomocysteinämie wurden als zugrundeliegend angenommen und jeweils gezielt behandelt. Die Glukosetoleranzstörung und das angenommene Vitamindefizit passten auch zu einer noch subklinischen distal-symmetrischen sensomotorischen Polyneuropathie der unteren Extremitäten. Der Beschwerdekomplex des Larynx irritable profitierte gut von Gabapentin, wie in mehreren Absetzversuchen bestätigt werden konnte, und beruhigte sich schließlich annähernd komplett unter Gabapentin. Eine Kontrolluntersuchung der Larynxverhältnisse per FEES zeigte 9 Monate später rückläufige Defizite unter der gut tolerierten Behandlung (Gabapentin, Levothyroxin, Vitaminsubstitution, Gewichtsreduktion und körperliches Training). In der Zusammenschau war der Larynx irritable am ehesten durch eine laryngeale Neuropathie und nicht primär psychisch bedingt. Eine Berücksichtigung dieser mutmaßlich unterdiagnostizierten und auch literaturbasiert beispielsweise mit Gabapentin gut behandelbaren Störungen (Larynx irritable, laryngeale Neuropathie) wird bei der Ursachensuche für chronischen Husten zusätzlich empfohlen, bevor eine rein psychogene Ursache angenommen wird. Ein hypothetisches Schema der Entstehung eines Larynx irritable durch neuropathische und nicht-neuropathische („nozizeptive“) Bedingungen wird in Anlehnung an die bisherige Literatur angeboten.

Einleitung

Die Lebenszeitprävalenz für chronischen Husten (über 8 Wochen andauernder Husten ohne typischen Stimulus) wird auf 30 bis 40 % in der westlichen Bevölkerung geschätzt, wobei Frauen häufiger als Männer betroffen sind. Die häufigsten Ursachen sind entzündliche Erkrankungen der oberen Atemwege (Rhinosinusitis mit „postnasal drip“), gastroösophagealer Reflux und Asthma. Auch nach Ausschluss seltener pulmonaler und extrapulmonaler Ursachen bleibt etwa 1/3 der Fälle ungeklärt bzw. idiopathisch und steht erst einmal im Verdacht, psychogen zu sein.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Zur Differenzialdiagnose des quälenden psychogenen chronischen Hustens: neuropathischer Larynx irritable – Gabapentin als Antitussivum

Aus der Zeitschrift Fortschritte der Neurologie • Psychiatrie 10/2015

 

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