• Per Neurostimulation gegen chronische Schmerzen nach Knie-TEP

     

Per Neurostimulation gegen chronische Schmerzen nach Knie-TEP

Mittels einer gezielten Neurostimulation können chronische Schmerzen - beispielsweise nach der Implantation einer Knieendoprothese - gelindert werden, berichten Orthopäden und Neurochirurgen der Universitätsklinik Bonn.

Jeder Schritt war für Maria P. unerträglich. Nach einer Gelenkersatz-Operation im linken Knie und mehreren Folgeoperationen litt die 75-Jährige trotz Schmerztherapie weiterhin unter chronischen Schmerzen. Ursache waren gesteigerte Impulse der schmerzleitenden Nervenfasern an das Rückenmark. Dank einer innovativen Therapiealternative, der sogenannten Spinalganglien-Stimulation (DRG-SCS), ist die Patientin inzwischen praktisch schmerzfrei. Sie gehört dabei zu den ersten Patienten einer internationalen prospektiven Studie von Orthopäden und Neurochirurgen am Bonner Universitätsklinikum, die das neue Verfahren erproben.

Wie die Mediziner berichten, bekommen in Deutschland pro Jahr rund 150.000 Menschen eine Knie-Totalendoprothese (Knie-TEP) implantiert. Trotz erfolgreicher Operation hat etwa jeder zehnte Patient weiterhin Beschwerden. „Wir sehen viele Patienten mit einer langen Leidensgeschichte, die schon einige Operationen ohne den gewünschten Erfolg hinter sich haben“, berichtet Dr. Thomas Randau, Leiter Klinische Studien an der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Universitätsklinikum Bonn. Die Klinik ist als Endoprothesenzentrum der Maximalversorgung zertifiziert und auf die Behandlung von Komplikationen bei Gelenkprothesen sowie auf komplexe Prothesen-Wechseloperationen spezialisiert.
Eine solche Situation lag auch bei der eingangs geschilderten Kasuistik vor: Nach der Implantation der Knie-TEP vor zehn Jahren folgten weitere Operationen, letztlich der vollständige Wechsel der Endoprothese.

Keine Maßnahme führte jedoch zu einer befriedigenden Schmerzlinderung, die Gehstrecke der Patientin reduzierte sich kontinuierlich und es resultierte eine massive Einbuße der Lebensqualität.
Eine Linderung der neuropathischen Schmerzen konnte nunmehr durch die Spinalganglien-Stimulation erwirkt werden, heißt es in einer Presseerklärung. „Jeder chirurgische Eingriff beeinträchtigt die Nerven im umliegenden Gewebe und es kann sein, dass die Nerven mit einer ständigen Überaktivität reagieren“, erklärt Privatdozent Dr. Thomas Kinfe, Leiter der Neuromodulation an der Klinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Bonn. „Es kommt zu einem Kurzschluss, der eine krankhafte Signal-Lawine beginnend im Knie bis zum Kopf auslöst. An diesem Punkt setzt das neue Verfahren an“.
Das Spinalganglion (Dorsal Root Ganglion, DRG), ein Bündel aus Nervenkernen und -fasern, fungiert laut Kinfe wie ein Filter für alle sensorischen und schmerzhaften Reize. Wird der für das Knie zuständige Nerv mittels schwacher elektrischer Signale direkt an seinem Eintrittsort zum Rückenmark stimuliert, kommt es zu einer Blockade der Schmerzweiterleitung. „Wir beheben also nicht den Kurzschluss, sondern stellen sozusagen die Ampel auf Rot“, sagt der Mediziner.

Dazu wird in einem ersten Eingriff mittels Katheter eine Elektrode, die etwa so dünn ist wie eine Bleistiftmine, am Spinalganglion in der Nähe des Rückenmarks implantiert. Eine kurze Testphase mit einem außen auf der Haut anliegenden Neurostimulator zeigt, ob der Patient tatsächlich eine Schmerzlinderung erfährt. Ist das der Fall, wird in einem zweiten Eingriff der Schrittmacher unter die Haut implantiert. Mit einem leicht zu bedienenden Gerät kann der Patient anschließend kabellos mittels einer App, die eine Verbindung zum Neurostimulator herstellt, die Intensität der elektrischen Impulse selbst regulieren.

Wichtig aber ist im Vorfeld eine strenge Indikationsstellung zur „Spinal Cord Stimulation“ (SCS): „Es muss ausgeschlossen werden, dass es ein Problem an der Prothese selbst gibt und wir dem Betroffenen aus orthopädischer Sicht helfen können“, sagt Randau.

 “Quelle: Pressemitteilung der Universitätsklinik Bonn vom 12. Juli 2017

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