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    Patienten erwarten von einem teuren Medikament eine bessere Wirkung als von einem preiswerten und diese Erwartung steigert den Behandlungserfolg.

     

Parkinson – Die Macht der positiven Gedanken

Patienten erwarten von einem teuren Medikament eine bessere Wirkung als von einem preiswerten und diese Erwartung steigert den Behandlungserfolg. Dies belegt eine Pilotstudie mit Parkinson-Patienten, bei der lediglich Placebos verabreicht wurden. In der Studie, die im Februar in der Fachzeitschrift Neurology veröffentlicht wurde, hatten 12 Parkinson-Patienten jeweils eine Kochsalzlösung injiziert bekommen. Während man der einen Hälfte sagte, ihr Medikament würde 1500 US-Dollar kosten und damit entsprechende Erwartungen weckte, bekamen die anderen Patienten angeblich eine nur 100 US-Dollar teure Injektion.

„Obwohl beide Placebos die motorischen Funktionen verbesserten, war der Nutzen größer, wenn die Patienten das angeblich teure Scheinmedikament bekamen“, berichten die Forscher um A. J. Espay. Im Vergleich zu Levodopa schnitten beide Placebos zwar schlechter ab, die Überlegenheit von „teurem“ gegenüber „günstigem“ Placebo war jedoch ähnlich groß wie die von Levodopa gegenüber dem teuren Placebo. Unter dem angeblich teuren Placebo hatten sich die motorischen Fähigkeiten der Patienten gemäß der Bewertungsskala UPDRS-III um 28 % verbessert, unter dem angeblich günstigeren nur um 13 %. Die ebenfalls in der Studie angefertigten Bilder der Hirnaktivität zeigten für beide Placebos sogar ähnliche Effekte wie für Levodopa. „Die Fallzahl war sehr klein, daher sind die Befunde aus der Bildgebung mit Vorsicht zu interpretieren“, gibt Prof. U. Bingel, Essen, zu bedenken.

Gleichzeitig wurden jedoch auch die Auswirkungen auf die Beweglichkeit bestimmt und die Messwerte bestätigen den Einfluss positiver Erwartungen auf den Therapieerfolg. Dem Placebo-Effekt liegen messbare körperliche Vorgänge zugrunde. Wichtiger als der Preis eines Medikaments ist aber der Einfluss des Arztes: „Die Ergebnisse dürfen nicht fälschlich als Argument für den Einsatz teurer Medikamente interpretiert werden“, stellt Bingel klar. „Vielmehr ist es eine wesentliche Aufgabe für uns als Ärzte, die Erwartungen unserer Patienten an eine Therapie durch gezielte und individuell angepasste Kommunikation positiv zu beeinflussen“.

Nach einer Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), Berlin

Aus der Zeitschrift Fortschritte der Neurologie • Psychiatrie

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