• Placebo-Therapie

    Die Wirksamkeit eines Placebo hängt unter anderem davon ab, wie es verabreicht wird.

     

Art der Placebo-Therapie beeinflusst Effektstärke deutlich

Am Beispiel der Migränetherapie überprüften Meissner et al., ob unterschiedliche Arten von Placebo mit verschiedenen Effektstärken einhergehen.

JAMA Intern Med 2013; 173: 1941–195

 

Die Wirksamkeit eines Placebo hängt u.a. davon ab, wie es verabreicht wird. Für manche Studien können solche Faktoren entscheidend das Ergebnis beeinflussen, etwa bei der Untersuchung chronischer Schmerzen oder ansonsten eher subjektiver Symptome.

Die Autoren durchsuchten die gängigen Datenbanken und schlossen randomisierte, placebokontrollierte Untersuchungen ein, in denen Erwachsene zur Vorbeugung von Migräneattacken mindestens 8 Wochen beobachtet wurden. Die Daten von 9278 Patienten aus 79 Studien wurden ausgewertet. Als primären Endpunkt beschrieben die Autoren die Ansprechrate: Als „responder“ galt, wer um mindestens 50% seltener Migräneattacken erlitt als zuvor (ersatzweise: Halbierung der migräne-/kopfschmerzfreien Tage, des Kopfschmerz-Scores oder eine signifikante Symptomverbesserung). Placebo gab es anstelle eines oral eingenommenen Medikaments oder pflanzlichen, homöopathischen oder Vitamin-Präparaten. In einigen Untersuchungen erfolgte eine kognitive Verhaltenstherapie zum Schein, in anderen führten Ärzte eine Placeboinjektion oder -akupunktur durch. Auch scheinbar elektromagnetische Behandlung und Scheinoperationen wurden durchgeführt.

Insgesamt war die aktive Therapie effektiver als Placebo (relatives Risiko 1,4; 95%-Konfidenzintervall [KI] 1,23–1,59). Die Placebo-Akupunktur ging mit einem hohen Responder-Anteil [RA] von 0,38 einher (95%-KI 0,30–0,47). Auch die Chirurgie zeigte deutliche Effekte, für ein eindeutiges Ergebnis lagen jedoch zu wenige Daten vor. Orale Placebo-Gaben zeigten sich weniger wirksam (RA 0,22; 95%-KI 0,17–0,28).

 

Fazit

Nichtspezifische Wirkungen können einen großen Teil der beobachteten Wirkung ausmachen – und zwar eine Schein-Akupunktur oder -Operation deutlicher als ein orales Placebo. Aktive Therapien sollten nach Meinung der Autoren auch direkt miteinander verglichen werden, um die beschriebenen Placeboeffekte auszuschließen.

Dr. med. Susanne Meinrenken, Bremen

Aus der Zeitschrift DMW Deutsche medizinische Wochenschrift 2014; 139(08): 362