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Plötzlicher, unerwarteter Tod bei Epilepsie: Mechanismen und Prävention

SUDEP ist ein Akronym aus dem Englischen (sudden, unexpected death in epilepsy) und benennt den plötzlichen, unerwarteten Tod von Menschen mit Epilepsie. Es handelt sich um eine seltene, aber gravierende Gefahr für Epilepsiepatienten. Im Folgenden soll gezeigt werden, welche Mechanismen und Risikofaktoren eine Rolle spielen und wie das Auftreten von SUDEP verhindert werden kann.

Definition und Epidemiologie

Merke: SUDEP bezeichnet den Tod von Menschen mit Epilepsie, der – beobachtet oder unbeobachtet – plötzlich und unerwartet auftritt und für den eine Autopsie keine alternative strukturelle oder toxikologische Erklärung aufzeigen kann.

Ein epileptischer Anfall kann SUDEP unmittelbar vorausgehen, stellt aber kein zwingendes Kriterium dar. Ein dokumentierter Status epilepticus über mindestens 30 Min Dauer schließt einen SUDEP jedoch aus. SUDEP verursacht wahrscheinlich zwischen 5 und 30% aller vorzeitigen Todesfälle von Epilepsiepatienten. Die Inzidenz für Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre wird derzeit auf 0,22 je 1000 Patientenjahre und für Erwachsene auf 1,2 je 1000 Patientenjahre geschätzt, was einer Gesamtinzidenz von 0,58 je 1000 Patientenjahre entspricht. Als Risikofaktoren wurden identifiziert:

  • fokale Epilepsien mit frühem Beginn und schlechtem Ansprechen auf die Therapie,
  • das häufige Auftreten generalisierter tonisch-klonischer sowie nächtlicher Anfälle,
  • männliches Geschlecht sowie
  • junges Lebensalter.

Schwer behandelbare Epilepsien gehen dabei in der Regel mit einer Polypharmatherapie einher, die zeitweise auch als unabhängiger Risikofaktor für SUDEP diskutiert wurde. Mangelnde Compliance bezüglich der Medikamenteneinnahme begünstigt wahrscheinlich das Auftreten von SUDEP. Der Grund für diese Annahme ist, dass in der Mehrzahl der SUDEP-Fälle unzureichende Serumspiegel der Antikonvulsiva festgestellt wurden. SUDEP tritt meist unbeobachtet auf – die Patienten werden in der Regel am Morgen tot in ihrem Bett aufgefunden [10]. Vereinzelte Studien führen als schwache protektive Faktoren eine positive Anamnese für zerebrovaskuläre Erkrankungen oder Asthma Bronchiale an, jedoch ist nicht auszuschließen, dass diese Effekte auf Stichprobenverzerrungen basieren. Abgesehen von SUDEP besteht bei Epilepsiepatienten auch ein erhöhtes Risiko, frühzeitig an Pneumonien, vaskulären Erkrankungen oder tödlichen Unfällen, z. B. durch Ertrinken, zu versterben.

 Merke: Das SUDEP-Risiko ist altersabhängig: vor allem Patienten mit Epilepsie im Alter von 20 bis 40 Jahren, die etwa 50 % aller SUDEP-Fälle ausmachen, haben gegenüber der Allgemeinbevölkerung ein ca. 24-fach erhöhtes Risiko für einen plötzlichen und unerwarteten Tod. 
Fallbeispiel: Ein 20-jähriger, alleinlebender Mann wird am Morgen von einem befreundeten Nachbarn leblos in seinem Bett aufgefunden. Er befindet sich in Bauchlage, das Gesicht liegt auf einem großen Kissen. Der hinzugerufene Notarzt kann nur noch den Tod feststellen. Die Eltern des Mannes berichten über eine Epilepsieerkrankung bei ihrem Sohn. Zuletzt habe er die Medikamente nur noch unregelmäßig eingenommen, da ihn die Nebenwirkungen beeinträchtigten und es ausschließlich nachts zu „großen Anfällen“ gekommen sei, die aber stets nach wenigen Minuten von selbst aufgehört hätten. 

 

Lesen Sie den vollständigen Beitrag hier Plötzlicher, unerwarteter Tod bei Epilepsie: Mechanismen und Prävention

Aus der Zeitschrift Klinische Neurophysiologie 03/2018

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