• Gedächtnis – Räumliches Umfeld hilft beim Erinnern

    Wissenschaftler fanden heraus, dass unmittelbar vor dem Erinnern an Objekte räumliche Informationen reaktiviert werden.

     

Gedächtnis – Räumliches Umfeld hilft beim Erinnern

Wissenschaftler konnten erstmals auf neuronaler Ebene belegen, dass Gedächtnisinhalte mit räumlichen Markern belegt sind, die beim Abruf dieser aktiviert werden. In einem virtuellen Gedächtnisexperiment sollten Probanden diverse Gegenstände an bestimmte Orte ausliefern und sich anschließend an möglichst viele Gegenstände erinnern. Beim Erinnern wiesen die selben Nervenzellen im Hippocampus erhöhte Aktivität auf, die den Lieferort beim Abspeichern der Inhalte kodiert hatten.

Die Freiburger Forscher um A. Schulze-Bonhage führten ihre Untersuchungen, die im November in der Fachzeitschrift Science veröffentlich wurden, in Kooperation mit der Forschergruppe um M. Kahana von der University of Pennsylvania durch. Epilepsiepatienten, die zur detaillierten Analyse ihrer Anfälle an Elektroden angeschlossen wurden, nahmen freiwillig an dem Virtual-Reality-Experiment teil. Während sie in ihrem Krankenbett lagen, bewegten sie sich auf einen Bildschirm wie in einem Computerspiel in einer virtuellen Stadt und brachten Gegenstände an festgelegte Orte. Währenddessen wurde die Aktivität der Nervenzellen aufgezeichnet und ihre Aktivierungsmuster an bestimmten Orten mit denen beim Erinnern der dort verwendeten Gegenstände verglichen.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass unmittelbar vor dem Erinnern an die Objekte die räumliche Information reaktiviert wurde, wo sie benutzt worden waren. So war es möglich, anhand der Aktivität der sog. Place cells vorherzusagen, welches Objekt einem Probanden als nächstes einfallen würde. Die Einbeziehung räumlicher Informationen in Gedächtnisinhalte erklärt, weshalb Erinnerungen, die mit demselben Ort verknüpft sind, gemeinsam reaktiviert werden können. Dies zeigt einmal mehr die enge Interaktion unterschiedlicher kognitiver Leistungen und des Gedächtnisses im menschlichen Gehirn.

 

Nach einer Mitteilung des Universitätsklinikums Freiburg

Aus der Zeitschrift Fortschritte Neurologie Psychiatrie 2014; 82(01): 3