• Alzheimer-Demenz: Differenzialdiagnose

    Die Diagnose einer präsenilen Demenz ist mit besonders schwerwiegenden Folgen verbunden.

     

Risikofaktoren für präsenile Demenz in der Jugend nachweisbar

Die Diagnose einer präsenilen Demenz, definiert als Einsetzen einer Demenzsymptomatik vor dem 65. Lebensjahr, ist mit besonders schwerwiegenden Folgen für die Betroffenen und die Gesellschaft verbunden. Die frühzeitige Identifizierung von beeinflussbaren Risikofaktoren wäre wünschenswert. Nordström et al. stellen nun ihre Ergebnisse diesbezüglich vor.

JAMA Intern Med 2013; 173: 1612–1618

Neun unabhängige Risikofaktoren sind für die meisten Fälle einer präsenilen Demenz verantwortlich. Zu diesem Ergebnis kommt die schwedische Studie, in der die Daten von fast einer halben Million Männer über eine Nachbeobachtungszeit von im Median 37 Jahren ausgewertet wurde.

 

Für die Studie wurden Männer (mittleres Alter 18 Jahre) erfasst, die zwischen Januar 1969 und Dezember 1979 zum schwedischen Grundwehrdienst eingezogen worden waren. Bei allen Männern erfolgte eine gründliche medizinische Anamnese und Untersuchung, bei der auch die kognitive Leistungsfähigkeit gemessen wurde. Beurteilt wurde, welche Faktoren mit der späteren Diagnose einer präsenilen Demenz assoziiert waren.
Bei insgesamt 487 Männern wurde während der Nachbeobachtungsperiode eine präsenile Demenz im mittleren Alter von 54 Jahren diagnostiziert. In der multivariaten Regressionsanalyse ergaben sich folgende signifikante Risikofaktoren (jeweils p<0,05):

  • Alkoholintoxikation (Hazard Ratio [HR] 4,82)
  • Schlaganfall (HR 2,96)
  • Einnahme von Neuroleptika (HR 2,75)
  • Depression (HR 1,89),
  • Demenzerkrankung des Vaters (HR 1,65)
  • Medikamenten- oder Drogenintoxikation (außer Alkohol; HR 1,54)
  • niedrigere kognitive Leistungsfähigkeit bei der Erstuntersuchung (HR 1,26 pro Abnahme um eine Standardabweichung)
  • geringe Körpergröße bei der Erstuntersuchung (HR 1,16 pro Abnahme um eine Standardabweichung)
  • hoher systolischer Blutdruck bei der Erstuntersuchung (HR 0,90 pro Abnahme um eine Standardabweichung)

 

Dabei stieg das Risiko mit zunehmender Anzahl von Risikofaktoren: Männer im untersten Terzil der kognitiven Testergebnisse mit zwei zusätzlichen der genannten Faktoren hatten ein 20-mal so hohes Risiko für die Diagnose. Das Populationsattributable Risiko für alle 9 Risikofaktoren betrug 68%.

 

Fazit

Diese Daten einer großen Kohorte zeigen deutliche Risikofaktoren für das Auftreten einer präsenilen Demenz, so die Autoren. Dabei könnten viele dieser Faktoren positiv beeinflusst werden, z.B. Bluthochdruck oder Medikamenten- und Alkoholabusus. Allerdings müsse berücksichtig werden, dass die gefundenen Zusammenhänge zunächst nur für Männer gelten.

 

Dr. med. Elke Ruchalla, Trossingen

Aus der Zeitschrift DMW Deutsche medizinische Wochenschrift 2013; 138(46): 2339