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Schlafstörungen – erhöhtes Demenzrisiko?

Es mehren sich Hinweise, wonach das Schlafverhalten eine Rolle bei der Entwicklung der Demenz spielen kann. Das wurde bei der 23. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin in Mainz berichtet.

Im Schlaf verstärkt sich der Flüssigkeitsaustausch im Gehirn, wodurch schädliche Stoffwechselprodukte wie Proteinablagerungen entsorgt werden können. Das gilt offenbar auch für die sogenannten Amyloid-Plaques, die eine Schlüsselrolle bei der Pathogenese der Demenz spielen.

Allerdings arbeitet dieses „Entsorgungssystem“ nur im Tiefschlaf auf Hochtouren, bei gestörtem Schlaf funktioniert der Amyloid-Abbau nicht. Damit liegt die Vermutung nahe, dass ein nicht erholsamer Schlaf möglicherweise ein Frühsymptom für eine Demenz ist. Auch ist es möglich, dass Schlafstörungen ein erhöhtes Erkrankungsrisiko signalisieren, wie Privatdozent Dr. Helmut Frohnhofen, Klinik für Geriatrie und Zentrum für Altersmedizin Essen, darlegte: „Menschen mit Demenz zeigen schon in leichten und mittleren Krankheitsstadien spezifische Veränderungen des Schlafs. Diese treten bereits sehr früh im Krankheitsverlauf auf, noch bevor eine Demenz erkennbar ist und gehen mit der Ablagerung von Amyloid im Gehirn schon vor dem Krankheitsausbruch einher. Das könnte ein Biomarker für eine sich später entwickelnde Demenz sein.“

In Tierversuchen konnte nachgewiesen werden, dass die Amyloid-Konzentration im Gehirn mit dem Tag-Nacht-Rhythmus schwankt. Bei Schlafentzug oder längerem Schlafmangel kommt es zu verstärkten Amyloid-Ablagerungen, die bei natürlichem, erholsamem Schlaf wieder abgebaut werden. Auch Unterbrechungen des Schlafes gehen mit einem 1,5 fach erhöhten Risiko für die Entwicklung einer Demenz einher. „Das sind deutliche Hinweise auf die hohe Bedeutung des Schlafs für die Entstehung und fortschreitende Entwicklung einer Demenz“, so Frohnhofen.

Nicht zuletzt angesichts der gesellschaftlichen Bedeutung der Demenz müsste aus seiner Sicht die Schlafmedizin dringend in die Versorgung Demenzkranker eingebunden werden. Inwieweit Schlafmangel tatsächlich das Demenzrisiko erhöht, soll nunmehr in weiteren Studien untersucht werden.

 

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