• © damato - Fotolia.com

    Bei Schlaganfällen werden die Überlebenschancen durch Senkung des Hirndrucks deutlich erhöht.

     

Schlaganfall – Schädelöffnung bei älteren Patienten

Patienten mit schweren Schlaganfällen, etwa einem Verschluss der mittleren Hirnarterie, haben eine schlechte Prognose: Die meisten sterben innerhalb weniger Tage, selbst wenn sie frühzeitig intensivmedizinisch behandelt werden. Ärzte führen in solchen Fällen mitunter eine sog. Hemikraniektomie durch, die den Druck vom Hirn nimmt und so die Überlebenschancen deutlich erhöht, wie vor einigen Jahren eine Studie an unter 60-Jährigen ergeben hat. Im März haben E. Jüttler et al. eine Studie im New England Journal of Medicine veröffentlicht, die gezeigt hat, dass auch Patienten über 60 Jahre von einem solchen Eingriff profitieren.

Für die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG), die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC) ist dies jedoch auch Anlass, darauf hinzuweisen, dass viele Überlebende schwere Behinderungen zurückbehalten. „Die Sterblichkeit wurde mit Hilfe der Operation fast halbiert – von 76 auf 43 %“, erklärt Jüttler. „Allerdings blieb ein Drittel der Überlebenden sehr schwer behindert und wird dauerhaft auf Hilfe angewiesen sein.“ Deshalb gelte es in jedem einzelnen Fall sehr kritisch abzuwägen, ob sich die Methode eigne.

Konservative Therapien zur Senkung des Hirndrucks konzentrieren sich auf die Gabe von Medikamenten. Zum Einsatz kommt auch eine Kältebehandlung, Hypothermie genannt, bei der die Körpertemperatur auf 35°C gesenkt wird. Durch die Kühlung des Gehirns wird dessen Sauerstoffverbrauch reduziert und Folgeschäden vorgebeugt. Die Wirksamkeit wird derzeit in einer großen Studie geprüft. Die Hemikraniektomie wie auch die Hypothermie, werden auch bei Patienten mit einem Schädelhirntrauma eingesetzt, um der Hirnschwellung entgegenzuwirken. Jüngstes Beispiel für eine solche Kombinationstherapie ist Michael Schumacher. „Welche Therapie die richtige ist, muss im Einzelfall entschieden werden“, fasst H. C. Diener zusammen. „Für junge Schlaganfallpatienten ist die Hemikraniektomie auf jeden Fall eine sinnvolle Behandlung.“

Nach einer gemeinsamen Mitteilung der DSG, DGN und DGNC

Aus der Zeitschrift Fortschritte der Neurologie Psychiatrie 06/2014

Titel zum Thema

Komplikationen und Folgeerkrankungen nach Schlaganfall
Gerhard Jan Jungehülsing, Matthias EndresKomplikationen und Folgeerkrankungen nach Schlaganfall

Diagnostik und Therapie der frühen und späten klinischen Funktionseinschränkunge

EUR [D] 39,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Neurologie
Heinrich Mattle, Marco MumenthalerNeurologie

EUR [D] 129,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.