• Schlaganfall

     

„Serum Response Faktor“ gibt Blutkapillaren im Gehirn Stabilität

Der Ursachenforschung beim Schlaganfall dienen Arbeiten von Tübinger Wissenschaftlern zur molekularen Steuerung der Gefäßentwicklung bei Mäusen. Entdeckt wurde nunmehr ein Faktor, der Blutkapillaren im Gehirn Stabilität verleiht.

Veränderungen der Blutkapillaren im Gehirn sind wahrscheinlich für rund ein Fünftel der Schlaganfälle verantwortlich und dürften auch bei der Entwicklung der Demenz bedeutsam sein. Wie die Stabilität der Kapillaren im Gehirn auf molekularer Ebene gesteuert wird, haben Wissenschaftler der Universität Tübingen und des Tübinger Werner Siemens Imaging Center analysiert. Die Forscher haben bei Untersuchungen an gentechnisch veränderten Mäusen festgestellt, dass der bei auch vielen anderen zellulären Prozessen wichtige „Serum Response Faktor“ mehrere Gene steuert, die für die Stabilität und Schrankenfunktion der kleinen Gefäße entscheidend sind. Die Ergebnisse geben wichtige Hinweise auch für die Schlaganfallforschung am Menschen, heißt es in einer Mitteilung der Wissenschaftler.

Die Kapillaren werden von Endothelzellen gebildet, die durch mehrere Kontaktstrukturen eng miteinander verbunden sind. Die Kontakte zwischen den Endothelzellen verleihen den Kapillaren eine hohe mechanische Stabilität und erlauben den Zellen darüber hinaus, den Stoffaustausch zwischen dem Blut und dem Hirngewebe spezifisch und genau zu kontrollieren. Sie bilden die sogenannte Blut-Hirn-Schranke, die das empfindliche Hirngewebe insbesondere vor Schadstoffen schützt.

Wurde bei Mäusen in den Endothelzellen der „Serum Response Faktor“ experimentell entfernt, so war die Blut-Hirn-Schranke nicht mehr voll funktionsfähig und im Gehirn traten vermehrt Blutungen auf. Die Tiere entwickelten somit das Krankheitsbild der Kleingefäßerkrankung (Small Vessel Disease) des Gehirns. Dabei löste der Mangel an „Serum Response Faktor“ sowohl bei neugeborenen als auch bei erwachsenen Mäusen Gehirnblutungen aus.

Mittels der Magnetresonanztomografie (MRT) ließen sich die entstehenden Schäden im Gehirn genauer lokalisieren und im zeitlichen Ablauf erfassen. Auf molekularer Ebene zeigte sich, dass der „Serum Response Faktor“ Einfluss auf mehrere Gene nimmt, die zur Entwicklung und Stabilität der kleinen Gefäße aktiv sein müssen. Beim Mangel an „Serum Response Faktor“ verloren die dichten Zellverbindungen der kleinen Gefäße ihre Funktionalität und erlaubten den Austritt von Blut aus den Gefäßen.

Die Wissenschaftler vermuten, dass es sich beim „Serum Response Faktor“ um den zentralen Regulator des Aufbaus und der Aufrechterhaltung der Blut-Hirn- Schranke handelt. Sie gehen davon aus, dass eine veränderte Aktivität des Faktors und seiner Zielgene auch beim Menschen zur Entstehung der Kleingefäßkrankheit des Gehirns und bestimmter Formen des Schlaganfalls beitragen könnte.


Literatur: Weinl C et al., PNAS 2015; DOI: 10.1073/pnas.1509047112

NEWSLETTER-SERVICE

Buchtipp

Komplikationen und Folgeerkrankungen nach Schlaganfall
Matthias Endres, Gerhard Jan Jungehülsing, Klemens Angstwurm, Stephan A. Brandt, Wolfram DöhnerKomplikationen und Folgeerkrankungen nach Schlaganfall

Diagnostik und Therapie der frühen und späten klinischen Funktionseinschränkunge

EUR [D] 39,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.