• Sonografie bei Nervenläsion

     

Sonografie in der Diagnostik traumatischer Nervenläsionen

Die möglichst frühzeitige und präzise Klassifikation einer traumatischen peripheren Nervenläsion ist für ein optimales Reinnervations-Ergebnis von großer Bedeutung. Üblicherweise finden hierfür die Methoden der Neurophysiologie Verwendung, die die Funktion eines betroffenen Nervs erfassen. Einer solchen rein funktionellen Untersuchung entgehen jedoch einige wichtige Aspekte traumatischer Nervenläsionen, unter anderem die Beurteilung der Kontinuität eines Nervs, die Entwicklung eines Kontinuitätsneuroms, der Bezug zu Knochenfragmenten oder zu Osteosynthesematerial und das Erkennen von Mehretagenläsionen. Dies gelingt nur mithilfe eines morphologischen Verfahrens wie der Sonografie. Sie ist daher eine sehr wertvolle Methode für die Beurteilung von traumatischen Nervenläsionen.

Läsionen peripherer Nerven treten bei Traumata relativ selten in etwa 2–3% der Fälle auf. Betroffen sind besonders jüngere Menschen mit einem Altersgipfel Mitte des 4. Lebensjahrzehnts. Der Ausfall der Funktion eines peripheren Nervs stellt eine erhebliche Beeinträchtigung für die Patienten mit langfristigen persönlichen, aber auch sozioökonomischen Konsequenzen dar. Eine möglichst frühzeitige Klassifikation des Läsionsgrades und damit die Einschätzung der Prognose sind von hoher Bedeutung, da das Zeitfenster, in dem eine Reinnervation überhaupt möglich ist, limitiert ist. Gründe hierfür sind irreversible Umbau-Prozesse sowohl am Nerv als auch am Muskel. Dieses Zeitfenster liegt beim Menschen erfahrungsgemäß bei etwa 18 Monaten, prospektive Daten zu diesem Thema liegen bisher nicht vor.

Die Diagnostik traumatischer Nervenläsionen muss also zum Ziel haben, die Patienten mit einer ungünstigen Prognose zu identifizieren, um sie möglichst früh einer ggf. erforderlichen rekonstruktiven chirurgischen Therapie zuführen zu können. Die Neurophysiologie mit Elektroneurografie (ENG) und Elektromyografie (EMG) ist eine bewährte Methode, um die Funktion des verletzten Nervs zu beurteilen. Für eine übersichtliche Darstellung der neurophysiologischen Diagnostik bei traumatischen Nervenläsionen sei auf eine 2012 in dieser Zeitschrift veröffentlichte Übersicht verwiesen.

Einige wichtige Aspekte traumatischer Nervenläsionen entgehen einer rein funktionellen Betrachtung jedoch und können nur durch zusätzliche Untersuchungen der Morphologie des Nervs erfasst werden. Fragen wie der Kontinuitätserhalt, die Entwicklung einer intraneuralen Fibrose, der Bezug zu Knochenfragmenten oder zu Osteosynthesematerial, das Vorliegen von Mehretagenverletzungen oder die Verlaufsbeurteilung nach einer operativen Therapie können nur mithilfe der Bildgebung beantwortet werden. Aufgrund der leichten Verfügbarkeit und der durch den technologischen Fortschritt mittlerweile sehr hohen Auflösung ist die Sonografie hier die führende Methode. Bevor all die o.g. Fragen im Einzelnen betrachtet werden, soll ein kurzer Überblick über die Klassifikation von traumatischen Nervenläsionen das Verständnis der einzelnen Befundkonstellationen erleichtern.

Klassifikation von traumatischen Nervenläsionen

Die in der Neurologie am weitesten verbreitete Einteilung traumatischer peripherer Nervenläsionen ist die nach Seddon. Dies liegt daran, dass diese Einteilung gut neurophysiologisch erfasst werden kann. Es werden Neurapraxie, Axonotmesis und Neurotmesis unterschieden. Die Neurapraxie ist die leichteste Form der Verletzung. Sie entsteht üblicherweise durch Kompression und stellt eine fokale Myelinstörung mit Leitungsblock dar. In solchen Fällen ist die Prognose günstig und es tritt durch Remyelinisierung in der Regel eine Vollremission innerhalb weniger Wochen ein. Kommt es zu einer Schädigung von Axonen, so wird von einer Axonotmesis gesprochen, die je nach Ausmaß von partiell bis total reichen kann. Die Kontinuität des Nervs ist hierbei allerdings erhalten, Reinnervationsprozesse können durch kollaterales Aussprossen oder durch Axonwachstum je nach Ausmaß der Läsion im weiteren Verlauf zu einer Besserung bis Remission führen. 

 

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Aus der Zeitschrift Klinische Neurophysiologie

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