• Sonografie peripherer Nerven

    Darstellung des N. medianus am Handgelenk. Transversale Schnittebene: Der Nerv befindet sich unter dem echoarmen Retinaculum flexorum (Pfeile)

     

Sonografie peripherer Nerven: Allgemeine Methodik und Untersuchungstechnik

Die Sonografie peripherer Nerven hat sich in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Baustein der Diagnostik von Erkrankungen des peripheren Nervensystems entwickelt. Kenntnisse über morphologische Veränderungen peripherer Nerven und deren umgebendes Gewebe ergänzen die mittels Elektrophysiologie gewonnen Information über eine gestörte Funktion der Nerven, wodurch sich die Sicherheit einer Diagnosestellung erhöht. Die Qualität einer Ultraschall-Untersuchung ist allerdings in hohem Maße abhängig vom Ausbildungs- und Kenntnisstand der Untersucher, sodass ein Bedarf für eine umfassende Darstellung der Methode existiert.

Der folgende Artikel bildet den Auftakt zu einer Reihe aus insgesamt 8 Übersichtsartikeln zur Ultraschalldiagnostik bei Erkrankungen des peripheren Nervensystems und bei neuromuskulären Erkrankungen, die zusammen genommen einen vollständigen Überblick über die Methode und deren Anwendung bei unterschiedlichen Indikationen geben sollen. Der erste Artikel hat zum Ziel, einen Überblick über die allgemeine Methodik der Sonografie peripherer Nerven und eine Einführung in die Untersuchungstechnik zu geben. Weitere Artikel dieser Reihe werden die sonografische Anatomie des peripheren Nervensystems sowie die Anwendung der Ultraschalldiagnostik bei Nervenkompressionssyndromen, neuromuskulären Erkrankungen, Nervenscheidentumoren und Ganglien, immunvermittelten Neuropathien, traumatischen Nervenläsionen und bei Sonografie-gestützten Injektionen beinhalten.

Anforderungen an die Hardware der Ultraschallgeräte

Bereits 1988 gelang es mit der damals üblichen Gerätetechnik unter Verwendung von 5 bzw. 7,5 MHz-Schallköpfen die großen Nerven der oberen und unteren Extremitäten darzustellen. Natürlich können diese Nerven auch heute noch mit älteren und einfacheren Ultraschallgeräten dargestellt werden. Sollen allerdings dünnere Nerven oder solche Nerven untersucht werden, die sich aufgrund ihrer topografischen Lagebeziehungen deutlich schwieriger vom umliegenden Gewebe abgrenzen lassen, stoßen ältere Ultraschallgeräte, wie sie in den Publikationen vor der Jahrtausendwende verwendet wurden, schnell an ihre Grenzen. Insbesondere für die Evaluation der faszikulären Binnenstrukturen der Nerven und deren pathologische Veränderungen sind hochauflösende Schallköpfe und eine verbesserte Geräte-Software unabdingbar. Hierbei sind insbesondere 2 Faktoren von essenzieller Bedeutung:

  1. eine hohe Auflösung und 
  2. ein guter Kontrast gegenüber dem umliegenden Gewebe.
Eine verbesserte Auflösung kann durch die Verwendung einer höheren Sendefrequenz des Ultraschalls bewirkt werden, wobei allerdings eine höhere Sendefrequenz zulasten einer geringeren Eindringtiefe geht. Somit sind für oberflächennahe Nerven Breitband-Schallköpfe mit oberen Sendefrequenzen von 16–18 MHz zu empfehlen, mit denen eine axiale Resolution, d. h. eine Auflösung in der Ausbreitungsrichtung des Ultraschallstrahls von 150–250 μm erreicht werden können. Dagegen sind für tiefer gelegene Nerven wie bspw. für den N. ischiadicus obere Sendefrequenzen von 8–10 MHz besser geeignet. Die laterale und elevationale Resolution, d. h. die Auflösung senkrecht zur Richtung des Ultraschallstrahls und die Schichtdicke werden durch den Grad der Fokussierung des Ultraschallstrahls bestimmt, der wiederum abhängig ist von der technischen Beschaffenheit der Schallköpfe. Möglicherweise kann zukünftig durch die Entwicklung von Matrixsonden die Auflösung noch weiter verbessern werden. Um während der Untersuchung eine optimale Auflösung zu erreichen, ist es daher unbedingt erforderlich, die Fokuszone des Ultraschallstrahls stets an die Tiefe der zu untersuchenden Struktur anzupassen. Abbildung 1 verdeutlicht den Einfluss der Fokussierung auf die Schärfe des Ultraschallbildes. Moderne hochauflösende Schallköpfe müssen dabei nicht exklusiv an große sog. High-end-Ultraschallgeräte gebunden sein. Bei den meisten Herstellern können inzwischen hochauflösende Schallköpfe auch an moderne portable Ultraschallgeräten angeschlossen werden, ohne dass dies mit hohen Einbußen an Bildqualität verbunden ist.

Grundsätzlich sollte die Untersuchung des Nervensystems mit einem Linear-Array-Schallkopf durchgeführt werden, um eine Anatomie-getreue Abbildung der zu untersuchenden Strukturen zu gewährleisten. Die Sendefrequenz sollte für die Untersuchung der meisten Fragestellungen mindestens 10 MHz betragen. Für Fragestellungen, bei denen in erster Linie die Zu- oder Abnahme des Durchmessers bzw. der Querschnittsfläche des Nervs von Interesse ist, sind Sendefrequenzen von 10–13 MHz durchaus ausreichend. 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Sonografie peripherer Nerven: Allgemeine Methodik und Untersuchungstechnik

Aus der Zeitschrift: Klinische Neurophysiologie 02/2018

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