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Sportverletzungen peripherer Nerven

Periphere Nervenverletzungen können durch verschiedene Mechanismen beim Training oder während eines Wettkampfes auftreten. Aufgrund mangelnder Studienlage ist die Häufigkeit sportbedingter Verletzungen peripherer Nerven nicht bekannt.

Die Angaben schwanken zwischen 0,5 und 6% der sportbedingten Verletzungen, weitaus häufiger sind Schädigungen des muskuloskelettalen Systems. Allerdings ist bei den bisherigen Studien wahrscheinlich ein Bias vorhanden, da eine große Zahl von Patienten mit Sportverletzungen derzeit noch nicht neurologisch abgeklärt wird. Es könnte durchaus sein, dass Verzögerungen in der Rehabilitation von Sportverletzungen zumindest teilweise dadurch bedingt sind, dass Verletzungen peripherer Nerven vorliegen, die aufgrund mangelnder neurologischer Abklärung zu spät oder nicht diagnostiziert werden.

Schädigungen peripherer Nerven können durch direkte Verletzung infolge von Schnitt, Stich oder Druck zustande kommen, indirekt durch eine Ischämie bei Kompartmentsyndromen oder durch Überlastung auftreten.

Überlastungsschäden sind die Folge wiederholter Belastungen, deren Summe die Belastbarkeit des Gewebes überschreitet. Sportbedingte Überlastungsschäden peripherer Nerven spielen mit zunehmenden Trainingsumfängen eine größere Rolle und können die Sporttauglichkeit der Athleten erheblich beeinträchtigen. Tabelle 1 gibt eine Übersicht über die möglichen Nervenüberlastungsschäden bei den verschiedenen Sportarten. Dabei sind die häufigsten Verletzungen hervorgehoben. Neben den Leistungssportlern stellen insbesondere ambitionierte Breitensportler eine Risikogruppe dar, da sie oft eine schlechtere Technik bei der Ausübung ihrer Sportart haben, es eher zu akuten Überlastungen bei weniger gut etabliertem Aufbau- und Ausdauertraining kommt und sie weniger gut sportmedizinisch betreut sind.

Art der Schädigung: Die Schwere der sportbedingten Schädigung entspricht meist einer Neurapraxie, d. h. einer funktionellen Störung aufgrund fokaler Demyelinisierung ohne axonale Schädigung charakterisiert durch vorübergehende Paresen mit oder ohne Sensibilitätsstörungen, die sich innerhalb von 2 Wochen bis 6 Monaten zurückbildet. Nur selten kommt es zu einer Axonotmesis, d. h. einer axonalen Schädigung mit daraus resultierenden motorischen, sensiblen und autonomen Ausfällen. Endoneurium, Perineurium und Epineurium sind erhalten, so dass es entlang dieser Strukturen zu einer axonalen Regeneration mit einer Geschwindigkeit von 1–7 mm/Tag kommen kann. Die schwerste Schädigungsart eines peripheren Nervs ist die Neurotmesis mit kompletter Destruktion des Nervs distal zur Verletzungsstelle mit daraus resultierenden kompletten motorischen, sensiblen und autonomen Ausfällen ohne Möglichkeit einer spontanen Erholung. Eine Rückbildung der neurologischen Ausfälle ist nur durch eine operative Intervention möglich. Eine Neurotmesis ist nur bei direkten akuten Verletzungen und nicht bei Überlastungsschäden zu erwarten.

 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag mit Tabelle: Sportverletzungen peripherer Nerven

Aus der Zeitschrift Klinische Neurophysiologie 2/2016

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