• Bild: Fotolia / Erwin Wodicka

    Alle Jahre wieder: die Steuererklärung.

     

Steuererklärung: Das können angestellte Ärzte absetzen

Einmal im Jahr steht bei vielen Ärzten die Steuererklärung an. Wer kein Geld verschenken will, sollte sich mit Werbungskosten, Sonderausgaben und Co. ein wenig auskennen. Hier erfahren Sie, was für angestellte Ärzte relevant ist.

Für die Berücksichtigung Ihrer Einkünfte im Rahmen der Einkommensteuer ist v. a. wichtig, ob Sie als Angestellter oder freiberuflich tätig sind. Sind Sie angestellt, können Sie berufsbezogene Werbungskosten geltend machen. Daneben sind z. B. der Sonderausgabenabzug und Steuerermäßigungen interessant.

Werbungskosten

Werbungskosten sind Aufwendungen, die der Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen dienen.

Berufskleidung

Steuerlich abzugsfähig sind nur die Kosten für typische Berufskleidung, die Sie in einem Berufskleidungsfachgeschäft erwerben: Arbeitskittel, Ärztemäntel und außerberuflich nicht verwendbare weiße Hosen. Sie lassen Ihre Berufskleidung in der Reinigung waschen? Auch diese Kosten können Sie als Werbungskosten geltend machen.

Reisen, Fortbildungen, Kongresse

Zu den absetzbaren Kosten gehören u. a. Seminarkosten inkl. Fahrt, Verpflegungspauschalen, Unterkunftskosten und Parkgebühren vor Ort. Ein Beispiel: Sie besuchen freiwillig einen 2-monatigen Fortbildungskurs außerhalb Ihres Arbeitsverhältnisses. Sie müssen am Kursort übernachten. Abzugsfähig sind in diesem Fall

  • die Übernachtungskosten,
  • der Mehraufwand für Verpflegung mit den Verpflegungspauschbeträgen für mehrtägige Dienstreisen und
  • die Fahrtkosten zum Kursort und zurück (0,30 € pro km).

Auch Fortbildungen im Ausland sind steuerlich abzugsfähig. Das Finanzamt prüft hier allerdings die berufliche Veranlassung etwas genauer.

Sonderausgaben vs. Werbungskosten

Der Gesetzgeber hat die Aufwendungen für die erste Berufsausbildung und für ein Erststudium dem Bereich der Sonderausgaben zugeordnet. Aufwendungen bis zu einem Höchstbetrag von 6000 € sind hier zum steuerlichen Abzug zugelassen. Alle Fortbildungskosten außerhalb der erstmaligen Berufsausbildung und des Erststudiums können dagegen als Werbungskosten berücksichtigt werden. Die Unterscheidung hat teilweise weitreichende Folgen:

  • Fortbildungskosten – also Werbungskosten – sind in unbeschränkter Höhe abzugsfähig,
  • die Ausbildungskosten für ein Erststudium – also Sonderausgaben – dagegen nur bis zu einem Höchstbetrag von 6000 €.

Andererseits kann der Ansatz als Sonderausgaben interessant sein, wenn Ihre sonstigen Werbungskosten deutlich unter 1000 € liegen und Sie so in den Genuss des Arbeitnehmer-Pauschbetrags kommen.

Praxistipp

Ein berufsqualifizierendes Hochschulstudium oder eine Ausbildung vor dem Studium gelten als erstmalige Berufsausbildung. Somit können Sie Kosten, die danach für eine weitere Berufsausbildung anfallen, als Werbungskosten abziehen.

Sonstige Werbungskosten

Weitere mögliche Werbungskosten, an die Sie bei der Zusammenstellung Ihrer Unterlagen denken sollten, sind die folgenden:

  • Fachliteratur
  • Beiträge zu Berufsverbänden
  • Kontoführungsgebühren
  • Beiträge zur Berufs-Haftpflichtversicherung
  • Telefon- und Internetkosten
  • Arbeitsmittel (z. B. Büromaterial, Computer, Drucker, Schreibtisch, Leselampe, Aktenkoffer, Reisekoffer, Bücherregal, Arbeitsmaterial wie Stethoskop, Reflexhammer u. a.)
  • Familienheimfahrten bzw. doppelte Haushaltsführung (gerade beim ersten Anstellungsverhältnis)
  • Arbeitszimmer (falls Sie für eine freiberufliche Gutachtertätigkeit im Krankenhaus keinen geeigneten Arbeitsplatz haben und bestimmte weitere Voraussetzungen erfüllt sind)
  • Bewerbungskosten (z. B. Papier, Bewerbungsfotos, Zeugniskopien, Präsentationsmappen, Fahrtkosten zum Vorstellungsort, Verpflegungskostenpauschalen und Übernachtungskosten)
  • Fahrtkosten zu Lern- und Arbeitsgruppen mit Berufskollegen
  • Unfallkosten (bei Dienstfahrt oder Fahrt zwischen Wohnung und Arbeitsstätte, sofern nicht der Arbeitgeber, der Schädiger oder die Haftpflichtund Kaskoversicherung die Kosten ersetzt)
  • Umzugskosten (nur wenn und soweit sie durch einen beruflich veranlassten Umzug entstehen und die berufliche Tätigkeit des Steuerpflichtigen als Arbeitnehmer der Anlass ist)
  • Steuerberatungskosten (Gebühren, die sich auf Ihre beruflichen Einkünfte beziehen)
  • Prozesskosten (falls der Prozess ausschließlich mit Ihrer beruflichen Tätigkeit zusammenhängt, z. B. Verfahren vor dem Arbeitsgericht, Dienststrafoder Disziplinarverfahren). Die Kosten für die Strafverteidigung gehören nur zu den Werbungskosten, wenn Sie den strafrechtlichen Schuldvorwurf im Rahmen Ihrer beruflichen Tätigkeit ausgelöst haben.
  • Promotion / Habilitation


Weitere Tätigkeiten

Sie erteilen Schwesternunterricht o. ä.? Einnahmen aus einer nebenberuflichen Tätigkeit als Ausbilder, Übungsleiter oder Betreuer können unter bestimmten Voraussetzungen als Aufwandsentschädigungen bis zu 2400 € jährlich steuerfrei sein.

Sonderausgaben

Sonderausgaben sind vom Gesetzgeber abschließend aufgezählte Aufwendungen, soweit sie weder zu den Betriebsausgaben noch zu den Werbungkosten gehören. Zu unterscheiden ist zwischen

  • allgemeinen Sonderausgaben,
  • Altersvorsorgeaufwendungen und
  • sonstigen Vorsorgeaufwendungen.

Hier werden lediglich ausgewählte Sonderausgaben erläutert.

Kinderbetreuungskosten

Definition

Kosten für die Kinderbetreuung sind Ausgaben, die als Entgelt für Dienstleistungen zur persönlichen Betreuung eines Kindes geleistet werden. In Betracht kommen Aufwendungen für

  • die Unterbringung in Kindergärten, Kindertagesstätten und bei Tagesmüttern,
  • die Beschäftigung von Kinderpflegerinnen, Erzieherinnen, Kinderschwestern oder
  • Hilfen im Haushalt, soweit sie Kinder betreuen.

Aufwendungen für jede Art von Unterricht sind dagegen keine Kinderbetreuungskosten.

Voraussetzungen

Um als Sonderausgaben berücksichtigt zu werden, müssen dem Steuerpflichtigen Aufwendungen entstehen für Dienstleistungen zur Betreuung

  • eines zum Haushalt gehörenden < 14 Jahre alten Kindes oder
  • eines seit vor dem 25. Lebensjahr behinderten Kindes, das sich nicht selbst unterhalten kann.

Abzugsfähig sind

  • zwei Drittel der Aufwendungen,
  • maximal 4000 € je Kind,
  • wenn der Steuerpflichtige eine Rechnung erhalten hat
  • und die Zahlung auf ein Konto erfolgt.


Beispiel
Die jährliche Kitagebühr für die reine Betreuung eines Kindes liegt bei 6500 €. Die Eltern erhalten folgenden Sonderausgabenabzug:
6500 € × ⅔ = 4333 €, maximal 4000 €.

Achtung bei nicht verheirateten Eltern

Kinderbetreuungskosten können nur von demjenigen abgezogen werden, der sie getragen hat. Wenn Eltern zusammenleben, aber nicht verheiratet sind und nur ein Elternteil den Vertrag mit der Kindertagesstätte abschließt bzw. das Entgelt von seinem Konto zahlt, kann dieses weder vollständig noch anteilig dem anderen Elternteil zugerechnet werden. Ist das zu betreuende Kind nicht unbeschränkt steuerpflichtig, werden die Beträge nach den Verhältnissen des Wohnsitzstaats gekürzt.

Fahrtkosten

Fahrtkosten des Kindes zur Betreuungsperson können nicht als Kinderbetreuungskosten berücksichtigt werden. Fallen dagegen bei der Betreuungsperson Fahrtkosten an, die Sie erstatten, können Sie auch dies geltend machen – vorausgesetzt, die Leistungen sind einzeln in der Rechnung oder dem Arbeitsvertrag aufgeführt.

Schulgeld

Definition

Schulgeld ist der von den Eltern geleistete Beitrag zu den Kosten des normalen Schulbetriebs einer Privatschule, soweit sie auch in einer staatlichen Schule Kosten des jeweiligen Schulbetriebs darstellen würden, die von der öffentlichen Hand getragen werden.

Bedingungen für Steuerabzug

Schulgeldzahlungen sind unter bestimmten Voraussetzungen als Sonderausgaben abzugsfähig. Abziehbar sind:

  • 30 % des Schulgeldes ohne Kosten für Beherbergung, Betreuung, Verpflegung
  • höchstens 5000 € je Kind und Elternpaar

Eltern müssten also 16 667 € aufwenden, um den Höchstbetrag ausschöpfen zu können. Dies gilt für ein beim Steuerpflichtigen zu berücksichtigendes Kind, sofern die Eltern selbst Vertragspartner der Schule oder unterhaltsverpflichtet sind. Begünstigt sind Schulgeldzahlungen an:

  • Schulen in freier Trägerschaft
  • überwiegend privat finanzierte Schulen
  • Schulen in einem Staat der EU oder des Europäischen Wirtschaftsraums
  • Schulen, die zu einem anerkannten allgemein- oder berufsbildenden Schul-, Jahrgangs- oder Berufsabschluss führen
  • Deutsche Schulen im Ausland


Spende an Schulen

Freiwillige Zahlungen über das vereinbarte Schulgeld hinaus kann man als Spende nach § 10 b EStG abziehen. Dies gilt jedoch nicht, wenn der Träger das Schulgeld so niedrig festgesetzt hat, dass der normale Betrieb der Schule nur durch zusätzliche Zuwendungen der Eltern aufrechterhalten werden kann.

Alters- und sonstige Vorsorgeaufwendungen

Versicherungsbeiträge

Abzugsfähige Sonderausgaben sind u. a. Beiträge an:

  • berufsständische Versorgungseinrichtungen
  • Riester- oder Rürup-Rente
  • (private) Kranken- und Pflegeversicherung
  • Erwerbs- und Berufsunfähigkeitsversicherung
  • Haftpflichtversicherung
  • Kapitallebensversicherung
  • Unfallversicherung
  • Arbeitslosenversicherung


Rentenversicherungen

Besonders hervorzuheben sind die Beiträge zu den berufsständischen Versorgungseinrichtungen bzw. privaten Rentenversicherungen, wie z. B. die Rürup- Rente. Zahlungen an diese können Sie ab dem 01.01.2014 bis zur Höhe von 20 000 € (bei Ehepaaren 40 000 €) zu 78 % steuerlich geltend machen. Bei einem Steuersatz von 42 % entspricht dies – falls der Höchstbetrag von 20 000 € ausgenutzt wird – einer Steuerersparnis von rund 6384 €. Gleichzeitig erhöht sich Ihr Versorgungsanspruch in der Rentenphase.

Weitere Sonderausgaben

Unterhaltsleistungen

Unterhaltszahlungen an den geschiedenen oder dauernd getrennt lebenden Ehegatten sind bis zu einem Betrag von 13 805 € als Sonderausgaben abziehbar. Seit dem Veranlagungszeitraum 2010 kann man zusätzlich die Beiträge zu einer Basis-Kranken- oder Pflegeversicherung des Ehegatten geltend machen.

Spenden

Ihre Spendenbescheinigungen können Sie als Sonderausgaben ansetzen. Liegt Ihnen keine Bescheinigung vor, genügt bis zu einem Betrag von 150 € eine Kopie Ihres Kontoauszugs als Nachweis.

Haushaltsnahe Dienstleistungen

Sofern Sie im Rahmen eines haushaltsnahen Beschäftigungsverhältnisses Arbeitgeber – bzw. bei einer haushaltsnahen Dienst- oder Handwerkerleistung Auftraggeber – sind, können Sie eine Steuerermäßigung in Anspruch nehmen.

  • Die Steuervergünstigung für haushaltsnahe Dienstleistungen umfasst Tätigkeiten, die gewöhnlich durch Mitglieder des privaten Haushalts erledigt werden und für die man eine Dienstleistungsagentur oder einen selbstständigen Dienstleister in Anspruch nimmt.
  • Die Begünstigung von handwerklichen Tätigkeiten umfasst Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen, die im Haushalt des Steuerpflichtigen erbracht werden.
  • Haushaltsnahe Beschäftigungen können z. B. ausgeübt werden für
    • Wohnungsreinigung,
    • Gartenpflege,
    • Zubereitung von Mahlzeiten,
    • Pflege, Versorgung und Betreuung von Kindern oder
    • kranken und pflegebedürftigen Personen in Ihrem Haushalt.

Ihre Belege über die unbar gezahlten Dienst-, Handwerker-, Pflege- und Betreuungsleistungen im Haushalt müssen Sie dem Finanzamt zur Verfügung stellen. Hierzu gehört auch eine Kopie Ihres Kontoauszugs, auf der die Überweisung ersichtlich ist. Hierbei sind die in ‣ [ Tab. 1 ] aufgeführten Höchstgrenzen zu beachten.


Praxistipp
Wenn Sie zur Miete wohnen, sollte Ihnen der Vermieter eine Bestätigung über die erbrachten Leistungen zur Verfügung stellen. Im Regelfall erhält er diese Bescheinigung von seiner Hausverwaltung.

Fazit

Belege sammeln lohnt sich fast immer: Ob Sie sich eine weiße Hose kaufen, die Sie außerhalb von Klinik und Praxis nicht anziehen können, ob Sie Ihre Kinder betreuen lassen oder eine Fortbildung im Ausland machen – vieles können Sie als Werbungskosten oder Sonderausgaben absetzen. Ziehen Sie dafür ggf. einen Steuerberater hinzu.

A. Heinrich

Tabelle 1

begünstigte Tätigkeit im Privathaushalt Steuerabzug
Minijobber
(Arbeitslohn bis 450 € monatlich; Voraussetzung:
Pauschalabgaben an die Minijob-Zentrale
20% der Aufwendungen (2550 €),
höchstens 510 € jährlich
sozialversicherungspflichtige Beschäftigung
Pflege- und Betreuungsleistungen,
haushaltsnahe Dienstleistungen
20% der Aufwendungen (20 000 €),
höchstens 4000 € jährlich
Handwerkerleistungen
(nicht für öffentlich geförderte Leistungen)
20% der Aufwendungen (6000 €),
höchstens 1200 € jährlich

Titel zum Thema

Unternehmen Krankenhaus
Andreas Goepfert, Claudia B. ConradUnternehmen Krankenhaus

EUR [D] 49,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

In Führung gehen
Gaby Baller, Bernhard SchallerIn Führung gehen

Praxishandbuch für Ärzte im Krankenhaus

EUR [D] 39,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.