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    Die Neurologie ist von einem deskriptiven Fach zu einem Fach geworden, das neue Türen zur noch sorgfältigeren Diagnostik der neurologischen Erkrankungen geöffnet hat.

     

Therapie in der Neurologie

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

wenn man mit jungen Medizinstudenten spricht und z. B. Studenten im praktischen Jahr auf einer neurologischen Station nach ihren Zukunftsplänen fragt, hört man häufig, dass sie sehr gerne Innere Medizin zu ihrem Spezialgebiet machen wollen. Auf die Frage, warum sie dann in der Neurologie das freiwillige Tertial absolvieren, kommt häufig die Antwort: „Weil man dadurch für die Innere Medizin außerordentlich wertvolle Zusatzeinblicke gewinnen und Informationen über die faszinierende Welt der Neurologie erhalten kann.“ Selbstverständlich stellt sich dann sofort die Frage, warum die jungen Kolleginnen und Kollegen nicht Neurologen werden wollen, und die Antworten sind vielfältig. Zum einen gibt es aufgrund der 70 % weiblichen Studenten, ähnlich wie in chirurgischen Fächern, das Problem, dass gerade unsere Mitarbeiterinnen sich vor Schichtdiensten und insbesondere intensivneurologischen Stationen nicht gerade fürchten, aber eine Arbeit unter diesen Bedingungen als nicht besonders familienfreundlich ansehen. Zugegebenermaßen sind z. B. an der von mir geleiteten Klinik im Schichtdienst neben der neurologischen Intensivstation die interdisziplinäre Aufnahmestation und die Schlaganfallstation zu versorgen. Als zweites Argument, warum viele junge Kolleginnen und Kollegen die Innere Medizin vorziehen, höre ich zu meinem Erstaunen immer wieder, dass man dort wesentlich aktiver und effektiver therapieren könne. Hier setzt nun das vorliegende Editorial an, weil ich diese Sichtweise der jungen Kolleginnen und Kollegen nicht teilen kann. Die Neurologie ist mittlerweile von einem deskriptiven Fach zu einem Fach geworden, das mittels modernster Verfahren (waren es früher insbesondere neurophysiologische Methoden, haben wir heute darüber hinaus die morphologische und die funktionelle Bildgebung sowie die Neurogenetik) neue Türen zur noch sorgfältigeren Diagnostik der neurologischen Erkrankungen geöffnet hat. Entscheidend ist aber, dass aus diesen Erkenntnissen in vielen Gebieten der Neurologie neue und faszinierende Therapieoptionen erwachsen sind. Ich möchte dazu nur drei Beispiele nennen, die auch die jungen Kolleginnen und Kollegen überzeugen müssten, dass eben auch die Neurologie beeindruckende therapeutische Erfolge ermöglicht. Während der vergangenen Monate sind vier Studien im Rahmen der Schlaganfallforschung vorgestellt worden, die eine intraarterielle interventionelle Lyse-Therapie mittels Stent-Retrievern der alleinigen intravenösen Lyse-Therapie als deutlich überlegen gezeigt haben. Ich gehe davon aus, dass etwa 10 % aller Schlaganfallpatienten von dieser interventionellen Therapieoption profitieren und ein noch bei Weitem besseres neurologisches Ergebnis erzielen werden, als dies bislang schon unter der intravenösen Lyse-Therapie möglich war. Nachdem die Schlaganfallbehandlung in den meisten neurologischen Kliniken zum Hauptaufgabenfeld geworden ist, ist jeder Fortschritt in dieser Disziplin von besonderer Bedeutung.

Prof. Dr. med. Heinz Reichmann

 

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Aus der Zeitschrift Fortschritte der Neurologie • Psychiatrie

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