• Hirnstimulation

     

Transkranielle elektrische Hirnstimulation

In den letzten 10 Jahren ist die nichtinvasive elektrische Hirnstimulation als innovatives Therapieverfahren zur Unterstützung von Neurorehabilitation zunehmend in den Fokus klinisch-wissenschaftlicher Forschung gerückt. Hierzu wird mithilfe von auf der Kopfhaut platzierten Elektroden schwacher Gleichstrom, seltener Wechselstrom, appliziert.

Weltweit zählt der Schlaganfall zu den Hauptgründen für bleibende Einschränkungen von Motorik und Sprache. Trotz intensiver Rehabilitationsmaßnahmen bleiben langfristig ca. 50% der Patienten in ihrer motorischen oder sprachlichen Fähigkeit eingeschränkt. Das derzeitige Verständnis der Mechanismen der tDCS beruht zum Großteil auf Daten, die für das motorische System dokumentiert sind. Gründe dafür sind unter anderem das Vorhandensein direkter und gut objektivierbarer Messkriterien (z. B. motorisch evoziertes Potenzial, motorische Feinfunktion), zum anderen die anatomische Zugänglichkeit motorischer Hirnareale für die nichtinvasive Stimulation.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass dem Krankheitsbild des Schlaganfalles mit dem häufigen Symptom einer Hemiparese als „Läsionsmodell der Pyramidenbahn“ ein großes wissenschaftliches Interesse für die Untersuchung von Effekten der tDCS zuteil wurde. Dies zeigt sich in einer Vielzahl wissenschaftlicher Publikationen seit 2005. Im Gegensatz zu frühen überwiegend mechanistischen Studien ist in den letzten 5 Jahren ein Trend hin zu Studien mit klinisch orientierter therapeutischer Fragestellung zu verzeichnen.

Nach einem Schlaganfall entsteht, bedingt durch die Hirnverletzung selbst, ein kortikales Milieu, welches neuroplastische Vorgänge begünstigt. Elektrophysiologische Daten und Ergebnisse der funktionellen Bildgebung belegen eine aktive Beteiligung beider Hemisphären (ipsiläsionell als auch kontraläsionell) an der funktionellen Erholung, mit variierender Rolle zu verschiedenen Zeitpunkten nach dem Akutereignis. Aufbauend auf dem übergeordneten Konzept einer interhemisphärischen Konkurrenz belegen die Daten bei Patienten eine schlechtere Erholung im Falle eines persistierenden funktionellen Ungleichgewichtes zwischen beiden Hemisphären (Überaktivierung der nicht-betroffenen Hemisphäre).

Daraus ergibt sich die grundsätzliche Überlegung, mit tDCS die Wiederherstellung eines funktionellen Gleichgewichtes zwischen beiden Hemisphären zu erwirken, entweder durch aktivierende (anodale) Stimulation der betroffenen Hemisphäre, oder durch Aktivität unterdrückende (kathodale) Stimulation der nicht-betroffenen Hemisphäre. Diese beiden Stimulations-Montagen mit dem Motorkortex als primäre Zielregion werden standardmäßig verwendet.

 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Transkranielle elektrische Hirnstimulation

Aus der Zeitschrift Aktuelle Neurologie 08/2017

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