• Glücksgefühl Schokolade

    Spielen Abbauprodukte von Tryptophan bei einigen neurodegenerativen Erkrankungen sowie Alterungsprozessen eine Rolle?

     

Tryptophan - Glücksgefühl Schokolade

Nicht nur guter Geschmack macht Schokolade unwiderstehlich. Die auf der Zunge zergehende süße Verführung enthält reichlich Tryptophan, das im Körper zu Serotonin umgebaut wird, einem Neurotransmitter, der Wohlgefühl und Glücksmomente erzeugen kann. Wie genau das geschieht, untersucht Professor Dr. Stefan Schuster von der Friedrich-Schiller-Universität Jena zusammen mit norwegischen Bioinformatikern anhand eines Computermodells. Es simuliert, was im Körper passiert, wenn Tryptophan aufgenommen wird und macht es möglich, den komplexen Stoffwechsel der Aminosäure zu analysieren. Diese ist nicht nur für die Bildung von Serotonin von entscheidender Bedeutung, sondern auch für die Synthese von Melatonin. Außerdem spielen laut Schuster Abbauprodukte von Tryptophan vermutlich bei einigen neurodegenerativen Erkrankungen sowie Alterungsprozessen eine Rolle.

 

Der Tryptophan-Stoffwechsel ist nach seinen Aussagen zwar biochemisch weitgehend bekannt, mit dem Computermodell kann jedoch darüber hinaus das Zusammenspiel der Einzelreaktionen und Zwischenprodukte sowie ihrer Regulationsmechanismen als Gesamtsystem erfasst werden. Für ihr Modell des Tryptophan-Stoffwechsels im Menschen haben die Bioinformatiker umfangreiche experimentelle Daten zu den Stoffwechselwegen und den Transportvorgängen zusammengetragen. Diese wurden in ein Gesamtmodell integriert, das es nun erstmals ermöglicht, detailliert die Wirkungen von Tryptophan und seiner Stoffwechselprodukte in einzelnen Geweben oder Organen realitätsnah zu simulieren.

 

Vielversprechende Anwendungsmöglichkeiten sehen die Forscher vor allem in der medizinischen Diagnostik und bei der Entwicklung neuer Therapien für neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson oder Alzheimer.