• Umgang mit demenzkranken Patienten

    Wie geht man mit demenzkranken Patienten um und was muss man dabei beachten?

     

Der Umgang mit demenzkranken Patienten

Die Untersuchung der kognitiven Leistungsfähigkeit von Personen mit Demenzverdacht verlangt besonderes Einfühlungsvermögen. Für Patienten kann es hochgradig unangenehm sein, während der neuropsychologischen Untersuchung ausführlich mit den eigenen Schwächen konfrontiert zu werden. Abwehr, Verärgerung und Verweigerung sind häufige Reaktionen, die leicht zum Abbruch der Untersuchung führen können. Altersunterschiede, auch Geschlechtsunterschiede zwischen Patient und Untersucher, können die Beschämung verstärken. Unter allen Umständen muss daher die Untersuchungssituation so gestaltet werden, dass sie keinesfalls zu einer demütigenden Erfahrung wird. Es folgen praxisbewährte Hinweise für den Umgang mit demenzkranken Patienten in der neuropsychologischen Untersuchungssituation.

 

Praktisches Vorgehen

Die Untersuchung sollte nach Möglichkeit ohne Anwesenheit von Angehörigen erfolgen, da diese dazu neigen, kritisierend oder helfend einzugreifen. Manche Patienten schämen sich vor ihren Angehörigen, wenn sie Fragen nicht beantworten können. Es ist aber sinnvoll, mit Angehörigen separat ein fremdanamnestisches Gespräch zu führen, sofern der Patient damit einverstanden ist.

 

  • Der Patient sollte über Sinn und Zweck der Untersuchung informiert sein. Es trägt zum Abbau von Verunsicherung bei und erhöht so die Teilnahmemotivation, wenn eingangs Ablauf und Zeitdauer erklärt werden und darauf hingewiesen wird, dass Pausen eingelegt werden können.
  • Es muss sichergestellt sein, dass der Patient ausreichend hört und sieht. Wurden Brille oder Hörgerät vergessen, sollte die Untersuchung verschoben werden. Eine verschobene Untersuchung ist besser als eine nicht aussagekräftige.
  • Die dem testpsychologischen Teil der Untersuchung vorgeschaltete Anamnese sollte ebenfalls dazu genutzt werden, Ängste abzubauen und zu motivieren. Die notwendigen Informationen sollen der Verständnisfähigkeit des Patienten angemessen freundlich und zugewandt erfragt und die Atmosphäre dabei so positiv und angenehm wie möglich gestaltet werden.
  • Verständnisschwierigkeiten, Weitschweifigkeit oder Inhaltsarmut der Sprache, aber auch unangemessene oder nur eingeschränkt schwingungsfähige Affekte geben erste Anhaltspunkte für kognitive und affektive Probleme, verlangen aber auch Geduld bei der Gesprächsführung. Wortkarge Patienten sollten ermuntert, abschweifende freundlich, aber bestimmt zum Thema zurückgeführt werden.
  • Die in Testmanualen vorgeschriebenen Instruktionen sind unbedingt zu beachten. Bei der Untersuchung von älteren Menschen mit Demenzverdacht muss sorgfältig auf ein korrektes Verständnis der Testinstruktionen geachtet werden. Zusätzliche Erläuterungen können angebracht sein, sofern sie nicht die Anwendbarkeit der Testnormierung infrage stellen.
  • Falsche Antworten werden weder korrigiert noch kommentiert. Erkundigt sich der Patient danach, ob seine Reaktion richtig war, ist wahrheitsgemäß zu antworten.
  • Richtige Antworten sollten mit Zustimmung quittiert werden („prima“, „sehr gut“); Lob darf aber nicht übertrieben werden.
  • Kognitive Defizite – von vielen Patienten deutlich bemerkt – dürfen nicht bagatellisiert werden (auf keinen Fall sagen: „Ist ja nicht so schlimm…“, „Das wird schon wieder….“). Stattdessen sind Sorgen aufzugreifen und ernst zu nehmen.
  • Gibt der Patient Erklärungen für Beeinträchtigungen oder entschuldigt er sich, so wird dies zur Kenntnis genommen und stehen gelassen. Starke emotionale Reaktionen, wie Trauer oder Verzweiflung, sind aber unbedingt aufzugreifen. Häufig hilft es, kurz über ein vom Patienten positiv besetztes Thema zu sprechen (Kinder oder Enkelkinder, frühere berufliche Erfolge).
  • Der Untersucher sollte den Patienten auch zwischendurch sichern und ihm so viel Mut machen, dass die Untersuchung möglichst zu Ende gebracht werden kann. Auch wenn dabei Beeinträchtigungen offensichtlich werden: Die Leistungsbereitschaft und das Leistungsniveau des Patienten sollen so, wie sie sind, anerkannt werden. Der Patient soll den Untersuchungsraum mit dem Gefühl verlassen, seine Sache so gut wie möglich gemacht zu haben.

Zusammenfassung:

Eine gelungene (und damit aussagekräftige) neuropsychologische Untersuchung verlangt vom Diagnostiker über spezielles technisches Können hinaus dieselben klinischen Fähigkeiten zu einer positiven und vertrauensvollen Beziehungsgestaltung wie ein Beratungsgespräch oder eine Psychotherapiesitzung. Daher sollte sie auch nach den gleichen Prinzipien gestaltet werden.

Verstehen - Erkennen - Behandeln

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