• Unnatürliche Todesursache bei Epilepsiepatienten

     

Unnatürliche Todesursachen bei Epilepsiepatienten: Aufgepasst bei Komedikation

Menschen mit Epilepsie haben ein erhöhtes Mortalitätsrisiko. Eine populationsbasierte Kohortenstudie untersuchte jetzt anhand von zwei Datenbanken aus der Primärversorgung, ob auch unnatürliche Todesursachen häufiger sind als in einer vergleichbaren Population ohne Epilepsiediagnose und welche Medikamente bei vergiftungsbedingten Todesfällen eine Rolle spielen.

Basis der Studie von Hayley C. Gorton vom Zentrum für Pharmakoepidemiologie und Medikamentensicherheit der Universität von Manchester und Kollegen waren Daten von 1998 bis 2014 aus den Datenbanken Clinical Practice Research Datalink (CPRD) in England sowie Anonymised Information Linkage (SAIL) aus Wales. Zum Vergleich der Häufigkeit von Todesursachen wurde jede Person mit der Kodierung einer Epilepsie-Diagnose und der Verordnung entsprechender Antiepileptika mit bis zu 20 vergleichbaren Individuen aus derselben Datenbank ohne Epilepsiediagnose gematcht. Ein unnatürlicher Tod wurde der entsprechenden ICD-10-Kodierung entnommen.

Ergebnisse

In der CPRD wurden 44678 Individuen mit Epilepsie identifiziert, in der SAIL-Datenbank 14051. Die entsprechenden Vergleichskohorten aus beiden Datenbanken umfassten 891429 (CPRD) und 279365 (SAIL) Personen. In beiden Kohorten waren 51 % der Personen männlich, das mediane Alter bei Studieneintritt betrug 40 Jahre in der CPRD- und 43 Jahre in der SAIL-Kohorte. Individuen mit einer Epilepsie verstarben im Beobachtungszeitraum fast dreimal häufiger als Kontrollen an einem unnatürlichen Tod. Die entsprechende Hazard Ratio (HR) betrug 2,77 (95 % Konfidenzintervall [KI] 2,43–3,16). Das erhöhte Risiko für eine unnatürliche Todesursache betraf sowohl eine nicht beabsichtigte Verletzung oder Vergiftung als Todesursache (HR 2,97; 95 % KI 2,54–3,48) als auch Suizid (HR 2,15; 95 % KI 1,51–3,07).

Ein besonders deutlich erhöhtes Risiko eines unnatürlichen Tods bei Epilepsie-Patienten fanden die Wissenschaftler für eine nicht beabsichtigte Vergiftung durch Medikamente (HR 4,99; 95 % KI 3,22–7,74) und eine beabsichtigte Selbstvergiftung durch Medikamente (HR 3,55; 95 % KI 1,01–12,53). Dabei spielten aber weniger Antiepileptika eine Rolle (9,7 % der Todesfälle; 95 % KI 3,6 %–19,9 %) als vielmehr Opioide (56,5 %; 95 % KI 43,3 %–69,0 %) und psychotrope Medikamente (32,3 %; 95 % KI 20,9 %–45,3 %).

Fazit

Eine Epilepsie geht mit einem deutlich erhöhten Risiko für einen unnatürlichen Tod einher. Die Autoren empfehlen, die Patienten hinsichtlich der Vermeidung eines nicht beabsichtigten Todesfalls durch falsche Arzneimittelanwendung zu beraten und regelmäßig auf Suizidalität zu screenen. Hinsichtlich der Komedikation, vor allem mit Opioden oder Psychotropika, sollte eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung in jedem einzelnen Falle erfolgen.

Friederike Klein, München

Aus der Zeitschrift Fortschritte der Neurologie • Psychiatrie 03/2019

 

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