• Kontrast-Echokardiografie

    Transösophageale Kontrast-Echokardiografie: Diagnose eines persistierenden Foramen ovale (PFO) durch Nachweis eines Rechts-Links-Shunts auf Vorhofebene. (Quelle: Hohn A et al. Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2011; 46: 486–490)

     

Schlaganfall: Was sind die Ursachen bei jüngeren Erwachsenen?

Ischämische zerebrale Insulte sind bei jüngeren Patienten relativ selten. Das Spektrum an Ursachen ist bei ihnen jedoch völlig anders als bei älteren Patienten – das macht die Analyse der ätiologischen Faktoren umso wichtiger. V. Larrue et al. haben sich mit dieser Thematik in einer retrospektiven Analyse beschäftigt. (Neurology 2011; 76: 1983–1988)

In die Analyse gingen Daten von konseku­tiven Patienten im Alter von 16–54 Jahren ein, die von Januar 2006 bis Juni 2010 in der Stroke Unit eines tertiären Zentrums wegen eines ischämischen Insults behan­delt worden waren. Die Diagnose basierte dabei auf einem vordefinierten Algorith­mus, der für die initiale Evaluation ein MRT oder CT des Gehirns, ein EKG, Rou­tineblutuntersuchungen sowie eine nicht invasive Angiografie der zerebralen und zervikalen Gefäße mittels MRT oder CT vorsah. Patienten, bei denen sich nach die­sem Programm keine definitive Ursache finden ließ, unterzogen sich zusätzlich ei­ner transösophagealen Echokardiografie (TEE). Im Bedarfsfall wurde das Programm durch weitere Untersuchungen ergänzt. Die Ursachen des Insults wurden anhand des ASCO-Systems (Atherosclerosis, small-vessel disease, cardiac source, other cause) klassifiziert mit einer Wahrscheinlichkeit Grad 1 (definitiv eine potenzielle Ursache) oder Grad 2 (unsichere Kausalität).

Patienten ab 16 Jahren untersucht
Die Autoren nahmen in ihre Analyse 318 Patienten im Durchschnittsalter von 44,2 Jahren auf, darunter 195 Männer (61,3 %) und 123 Frauen (38,7 %). 131 Patienten waren zwischen 16 und 44 Jahre alt, 187 zwischen 45 und 54 Jahre. Eine definitive Ursache des Schlaganfalls fand sich nach der initialen Evaluation bei 130 Patienten (40,8 %), nach der TEE ka­men weitere 11 Patienten hinzu. Durch zusätzliche Untersuchungen ließ sich letztlich bei 145 Patienten (45,5 %) eine definitive Ursache des Insults festmachen. Am häufigsten waren hierbei

  • arterielle Thrombosen (n = 49)
  • Dissektionen der zervikalen oder zerebralen Gefäße (n = 30)
  • kardiale Embolien (n = 26)
  • small-vessel disease (n = 25)

Unsichere Ursachen (ASCO Grad 2) fanden sich bei weiteren 59 Patienten, sodass sich letztlich bei 204 Patienten (64,1 %) ein de­finitiver oder unsicherer Grund des In­sults gezeigt hatte.

PFO mit Vorhofseptumaneurysma kam häufig vor
Dabei unterschieden sich die beiden Al­tersgruppen: Bei den 16- bis 44-Jährigen waren die 2 führenden Ursachen ein offe­nes Foramen ovale, assoziiert mit einem atrialen Septumaneurysma (PFO-ASA; 15,3 %), und Gefäßdissektionen (14,5 %), bei den 45- bis 54-Jährigen eine Arterio­sklerose großer Gefäße (19,8 %) und eben­falls ein PFO-ASA (12,3 %).

Fazit
Die Ergebnisse legen nahe, dass die Kombination eines PFO mit Vorhofsep­tumaneurysma eine der Hauptursachen des ischämischen Insults jüngerer Er­wachsener ist, so die Autoren.

 

Dr. Johannes Weiß, Bad Kissingen

 

Aus Zeitschrift Fortschritte der Neurologie · Psychiatrie 2012, Vol. 80, Nr. 1, S. 80