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    Experten belegen: "Koma-Patienten haben ein verborgenes Bewusstsein".

     

„Verborgenes Bewusstsein“ bei Wachkoma-Patienten

Menschen im Wachkoma nehmen offenbar mehr wahr als bislang angenommen. Beim Einsatz elektrophysiologischer Verfahren finden sich bei 10 bis 20 Prozent Hinweise auf ein „verborgenes Bewusstsein“.

Auf rund 40 Prozent beziffern Experten die Rate an Fehldiagnosen bei den angeblich rund 5.000 Wachkoma-Patienten in Deutschland: „Die Patienten haben entweder bereits unbemerkt wieder ein Minimalbewusstsein oder gar ein volles Bewusstsein erlangt, sind jedoch vollständig gelähmt. Der zweite Fall kommt nur sehr selten vor, wir sprechen vom Locked-In-Syndrom“, erläuterte dies Privatdozent Dr. Andreas Bender, Chefarzt am Therapiezentrum Burgau, anlässlich des 30. International Congress of Clinical Neurophysiology (ICCN) und der parallel stattfindenden 58. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN) im März dieses Jahres in Berlin.

Mithilfe elektrophysiologischer Verfahren lässt sich nach Angaben des Mediziners inzwischen leichter als früher feststellen, ob das Nervensystem eines komatösen Patienten Reize verarbeiten kann oder nicht. Als Beispiel für solche Verfahren führte er ereigniskorrelierte Potentiale (ERP) an, also Schwankungen im Elektroenzephalogramm (EEG), die parallel zu kognitiven Prozessen oder Sinneswahrnehmungen stattfinden. Ebenso hilfreich erwies sich laut Bender die Methode des „Motor Imagery“, bei der Betroffene aufgefordert werden, sich Bewegungen vorzustellen ohne diese durchzuführen. „Bei zehn bis zwanzig Prozent der Wachkoma-Patienten finden wir mit solchen Untersuchungen deutliche Hinweise auf ein 'verborgenes' Bewusstsein“, so Bender.

Die ERP-Analyse hilft nach seinen Angaben Ärzten auch dabei, Patienten zu identifizieren, mit denen später eine Kommunikation möglich sein könnte. So konnte eine aktuelle Studie nachweisen, dass diese Menschen mit starken Schwankungen ihrer Gehirnströme auf Nonsens-Sätze reagieren. Darüber hinaus gibt es neue Ansätze, über sogenannte Brain-Computer-Interfaces (BCI) Kontakt zu solchen Patienten herzustellen. „Leider kann derzeit nur ein kleiner Teil der Patienten in Spezialzentren entsprechend untersucht werden“, räumte Bender ein.